Künstlerbuchpreis der HAB geht an eine Koreanerin

Wolfenbüttel.  Eine stattliche Zahl von Ehrengästen begrüßte Bibliotheksdirektor Professor Peter Burschel in der Augusteerhalle der Herzog-August-Bibliothek.

Laudatorin Se Yeon Schröder-Kim (links) mit der Preisträgerin Hyewon Jang in der Augusteerhalle.

Laudatorin Se Yeon Schröder-Kim (links) mit der Preisträgerin Hyewon Jang in der Augusteerhalle.

Foto: Rainer Sliepen

An der Spitze Hyewon Jang, Preisträgerin des 2018 erstmals von der HAB und der Curt-Mast-Jägermeister-Stiftung ausgelobten Künstlerbuchpreises. Der Preis ist mit 6000 Euro sowie einem begleitenden Studienaufenthalt in der Bibliothek dotiert.

Neben der Laudatorin So Yeon Schröder-Kim waren auch Florian Rehm von der Stiftung und Bundeskanzler a. D. Gerhard Schröder dabei. Die HAB beherberge eine der weltweit bedeutendsten Künstlerbüchersammlungen, so Burschel. Durch die Arbeit der Preisträgerin Jang seien spektakuläre Exemplare hinzugekommen. Ein Jahr habe sie in der HAB geforscht, konzipiert und handwerklich gearbeitet.

So Yeon Schröder-Kim, die sich selbst als kulturelle Übersetzerin zwischen Korea und Deutschland versteht, freute sich für ihre Landsfrau. Sie habe die spezifische Wissensordnung der HAB sichtbar gemacht und die alten Drucke und Handschriften aus einer anderen Perspektive präsentiert. Abbildungen, Ausschnitte, Zitate und Texte verschiedener Zeiten und Zusammenhänge seien durchmischt und visuell miteinander verbunden worden. Dahinter stecke der Wille, eine „monumentale“ Institution wie die HAB in erlebbare Einzelerfahrungen aufzulösen, ohne sich von den historischen Ordnungskriterien des Herzogs August zu lösen.

Jeder sehe anders auf die Bestände. Durch ihre persönliche Sicht auf die Welt, ihre „Horizonterfahrungen“, sei durch die fantasievolle Verknüpfung von Inhalten und Form eine neue Sicht aufs Buch entstanden. Ihr Ausgangsobjekt sei das Evangeliar Heinrichs des Löwen. Spezielle Seiten aus der Handschrift habe Yang durch Entzerrung der Infos und Neuanordnung sowie durch kunstvolle Seitenfaltungen entschlüsselt und in eine neue Darstellungsform gebracht. Dabei stellen QR- und ASCII-Code die schnelle Lesbarkeit sicher.

Mitarbeiter der HAB holten vier Minibücher, bereits integraler Bestandteil der Sammlungen, aus den Regalen. Stefan Soltek, Klingspor-Museum Offenbach, und Jang erläuterten die Kunstwerke. Hierbei, so Soltek, handele es sich nicht um Spielereien. Bei der Auflösung historischer Ordnungen stehe Jang in der Tradition von Nikolaus von Kues, dem nicht mehr die Ordnung und Katalogisierung wichtig war, sondern die Beziehungen der Dinge untereinander. Die Aufschlüsselung des Ordnungsbegriffs „Poetica“ von Anton Ulrich durch kunstvolle Faltungen ergibt ein dreidimensionales Gebilde. Das veranlasste Soltek zu dem spontanen Ausruf: „Wie eine Himmelsleiter“.

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