Nordhoffachse: Politik diskutiert über Wolfsburger Masterplan

Wolfsburg.  Die CDU wollte mehr Informationen über die Vorhaben am Nordkopf. SPD und FDP zeigen sich ungeduldig.

Das Umfeld des Wolfsburger Hauptbahnhofes erhielte ein vollkommen neues Gesicht, wenn der Masterplan Nordhoffachse umgesetzt wird.

Das Umfeld des Wolfsburger Hauptbahnhofes erhielte ein vollkommen neues Gesicht, wenn der Masterplan Nordhoffachse umgesetzt wird.

Foto: regios24/Helge Landmann

Die Beratung über eine der größten Wolfsburger Stadtentwicklungsplanungen der letzten Jahrzehnte ist seit dem Herbst 2020 ins Stocken geraten. In zwei Wochen aber soll die Beschlussvorlage über den Masterplan Nordhoffachse wieder auf den Tisch kommen. Die SPD-Unterbezirksvorsitzende und Ratsfrau Immacolata Glosemeyer drängt die CDU, in ihren Gremien Entscheidungen herbeizuführen.

Die Christdemokraten haben sich nie dafür verantwortlich erklärt, dass die Stadtverwaltung die Ratsvorlage im November aus dem Beratungsgang nahm. Sie hatten allerdings zuvor im Bauausschuss erfolgreich eine Verschiebung der Abstimmung beantragt. Während andere Fraktionsvorsitzende auf die CDU zeigen, beteuert der Kreisverband auf Anfrage, dass es auch in anderen Fraktionen noch Abstimmungsbedarf gegeben habe. Auf diese haben sich die Verwaltungsspitze und die Sozialdemokraten allerdings in den vergangenen Jahren auch nicht verlassen, wenn es darum ging, Ratsmehrheiten zu generieren.

"Wir brauchen das und stellen uns absolut nicht dagegen"

Entsprechend enttäuscht klingt Immacolata Glosemeyer. Die Nordhoffachse, sagt sie, sei in erster Linie Hausaufgabe der CDU: "Ich erwarte von der CDU, dass sie Verantwortung für diese Stadt übernimmt." Der CDU-Kreisvorsitzende Christoph-Michael Molnar sagt, den Christdemokraten gehe es vor allem darum, etwas genauer zu erfahren, wie der Bereich am Nordkopf in Zukunft gestaltet werden soll. Die Ratsfraktion hatte bereits seit 2018 in einem Antrag darauf gepocht, die Innenstadt nicht zu vergessen, wenn in der Nähe neue Handelsflächen entstehen. Die Sorge, dass der Einzelhandel in der Porschestraße durch neue Konkurrenz Kunden verliert und Leerstand die Folge sein könnte, teilt die CDU mit anderen Fraktionen, auch mit den Sozialdemokraten.

Jetzt zusammen mit der bereits fertiggestellten Masterplanung Nordhoffachse einen Masterplan für die Porschestraße verabschieden zu können, erwartet die CDU nicht. Christoph-Michael Molnar betont, dass die Christdemokraten hinter der Nordhoffachse stehen: "Wir haben nie gesagt, dass wir dem nicht zustimmen werden", sagt er. "Wir brauchen das und stellen uns absolut nicht dagegen."

Bauverwaltung will Details liefern

Noch fehlten konkrete Details zur Entwicklung der Innenstadt, so Molnar. Die Bauverwaltung habe jedoch versprochen, die Zeit bis zur nächsten Ratssitzung zu nutzen, um konkrete Details zu liefern.

Die Stadtverwaltung erklärt auf Anfrage, Ziel sei ein Ratsbeschluss am 10. Februar. In der Sitzung des Planungs- und Bauausschusses werde über einen Änderungsantrag mitberaten, der die Masterplanung für die Porschestraße in einen konkreten zeitlichen Zusammenhang mit der Nordkopfentwicklung setze.

Autoren schlagen neue Büro- und Wohnquartiere vor

Wie bekannt, plant die Signa-Gruppe die Komplett-Umgestaltung großer Areale westlich des Nordkopfes: mit Büro-, Wohn- und Geschäftsgebäuden sowie Freizeiteinrichtungen. Der Masterplan Nordhoffachse geht über dieses Quartier noch hinaus. Er umfasst den gesamten Streifen entlang der Heinrich-Nordhoff-Straße, bis zur Autobahn.

Die Autoren schlagen auch hier neue Büro- und Wohnquartiere vor, darunter einen Campus für Volkswagen-Abteilungen, die nicht so sicherheitsrelevant sind, dass sie vom Werkszaun geschützt werden müssten. Ein neuer Park soll entstehen, eine Innovationsroute, auf der neue Verkehrsmittel ausprobiert werden, Brücken über den Mittellandkanal und ein zusätzlicher Bahnhalt. Auch die Erweiterung des Hauptbahnhofes mit einer direkten Verbindung ins Werk wird vorgeschlagen.

"Wolfsburg braucht neue Perspektiven"

Größte Bedenken gegen die Masterplanung Nordhoffachse hegt die PUG. Obwohl ein Masterplan keine Rechtskraft entfaltet, da es sich lediglich um ein informelles Planungsinstrument handelt, und sich eine Verbindlichkeit erst durch einzelne Bebauungspläne ergeben würde, kritisiert der Fraktionsvorsitzende Andreas Klaffehn, die Masterplanung würde "zum Gesetz" erhoben. "Für die PUG ist es immer noch bedenklich, dass man mit so einem Masterplan Ressourcen bindet auf Jahrzehnte", sagt er.

Die entgegengesetzte Position vertritt die FDP. "Wolfsburg braucht neue Perspektiven. Wenn es also nach unserer Fraktion ginge, könnten wir morgen starten!", sagt die Fraktionsvorsitzende Kristin Krumm. "Viel zu oft werden Pläne und Konzepte blockiert, weil sie nicht perfekt sind, statt erst einmal loszulegen und diese im Verfahren zu aktualisieren."

Die Liberalen, so Krumm, würden sich wünschen, dass alle Fraktionen die Chancen erkennen, die sich durch die Entwicklung der Heinrich-Nordhoff-Achse ergeben. "Hier kann ein innovativer Campus – ein urbanes Viertel – ein Ort mit Mehrwert für Bürgerinnen und Bürger und Unternehmen entstehen." Nachdem Oberbürgermeister Klaus Mohrs den Bestand der Kleingärten bis mindestens 2030 zugesichert habe, sei es enttäuschend, "dass trotzdem einige den Start der Umsetzung des Masterplans künstlich hinauszögern wollen".

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