Jäger erlegen in Wolfsburg rund 50 Tiere

Wolfsburg.  Sabotagewarnungen bewahrheiteten sich nicht: Die Drückjagd in Wolfsburgs Wäldern ging am Samstag glatt über die Bühne. Doch es gibt auch Kritik.

Bei der herbstlichen Drückjagd im Wolfsburger Wald mussten die rund 100 Jäger und Treiber auf geschätzte Traditionen verzichten. Die Coronaregeln verlangten Abstand, auch beim Jagdauftakt am VW-Bad. 

Bei der herbstlichen Drückjagd im Wolfsburger Wald mussten die rund 100 Jäger und Treiber auf geschätzte Traditionen verzichten. Die Coronaregeln verlangten Abstand, auch beim Jagdauftakt am VW-Bad. 

Foto: Anja Weber / regios24

Etwa 100 Frauen und Männer aus der gesamten Region und von noch weiter her beteiligten sich am Samstag nach Angaben von Revierförster Dirk Schäfer an einer Drückjagd in Wolfsburgs Wäldern.

Schäfer stellte den Waldbau in den Vordergrund, weshalb besonders Rehwild ins Visier geriet. Im Hinblick auf Schwarzwild erklärte der Förster: „Hygienerechtlich ist die Jagd eine Maßnahme zur Gefahrenabwehr. Die Notwendigkeit der Bejagung des Schwarzwildes besteht aufgrund dessen hoher Reproduktionszahl.“ Gejagt wurde an diesem Tag landesweit.

21 Jagdgruppen durchkämmen 80 Hektar nach Wild

Schäfer koordinierte am Morgen persönlich die Anmeldung an der Zufahrt zum VW-Bad. Jeden einzelnen kannte er beim Namen. „Jagd ist eine Vertrauenssache“, sagte der Förster und überreichte den Gruppenführern Unterlagen, unter anderem mit Anweisungen und Bögen zur Kontrolle der jeweiligen Jagdscheine. Die Gruppen sollten mit Hunden das Wild aufspüren und es den Kollegen auf den Anständen vor das Gewehr treiben. 21 Gruppen durchkämmten 80 Hektar Wald.

Das Wetter war für die Jagd ideal. Regen und Wind dagegen beeinträchtigen laut Schäfer die Wahrnehmung der Jäger. Da könne es passieren, dass Rehe unbemerkt zu nahe kommen, um auf das flüchtende Tier einen schonenden Schuss abzugeben. Ideal sei ein Treffer im Herz-Lungenbereich, so Schäfer.

Coronaprävention steht über Wolfsburger Jagdtradition

Die Jagd stand unter ungewöhnlichen Vorzeichen. Wer aus einem Corona-Risikobereich kam, durfte nicht teilnehmen, auch, wer Erkältungssymptome zeigte, musste passen. Das übliche Sammeln vor der Jagd fand ebenso wenig statt wie die anschließende Zusammenkunft. Auch die Jagdhornbläser, das waren Uwe Morgenstern, Robin Reck, Franziska Lang und Frank Däniken, bliesen lediglich zur Begrüßung und zum Aufbruch zur Jagd. Jeder Jagdteilnehmer fuhr möglichst im eigenen PKW an den Einsatzort.

Vor Jagdbeginn stattete die Polizei Wolfsburg den Jägern einen Kurzbesuch ab – aus gutem Grund. „Es gab unterschwellige Sabotageankündigungen", so Dirk Schäfer. Eingreifen mussten die Ordnungshüter jedoch nicht. Störungen blieben auf Rückfrage bei Schäfer aus.

Spaziergänger kritisieren Jagd und aus ihrer Sicht unzureichende Absperrungen

Erboste Menschen gab es gleichwohl: „Man kann überall von den Nebenwegen aus in den Gefahrenbereich gelangen“, kritisierte eine Spaziergängerin mit Hund. Überhaupt sei eine Jagd in diesen Tagen nicht begründbar. Mit ihrer Kritik war sie nicht alleine. Zwei Damen, ebenfalls mit Hunden, bemerkten: „Wenn man die Population kontrollieren will, ist das eine Sache, aber das hier ist ein Happening.“ Und: „Was die Forsten 30 bis 50 Jahre lang falsch gemacht haben, müssen die Tiere nun ausbaden.“

Die Jäger erlegten 21 Wildschweine und 27 Rehe.

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