Klinikum Wolfsburg sieht sich für zweite Coronawelle gerüstet

Wolfsburg.  Der Ärztliche Direktor Matthias Menzel und die Leiterin der Notaufnahme, Bernadett Erdmann beantworten die wichtigsten Fragen zu Corona (Teil 1).

Am Klinikum Wolfsburg werden aktuell drei Coronapatienten stationär behandelt, davon wird eine Person künstlich beatmet.

Am Klinikum Wolfsburg werden aktuell drei Coronapatienten stationär behandelt, davon wird eine Person künstlich beatmet.

Foto: Anja Weber / regios24

Wie ist das Klinikum Wolfsburg auf die zweite Coronawelle vorbereitet? Gibt es genug Intensivbetten und Pflegepersonal? Warum wurde ein Besuchsverbot erteilt? In einem zweiteiligen Interview geben der Ärztliche Direktor Professor Matthias Menzel und die Leiterin der Zentralen Notaufnahme, Dr. Bernadett Erdmann, Antworten auf diese und weitere Fragen.

Professor Menzel, angesichts steigender Corona-Infektionszahlen warnt Bundeskanzlerin Angela Merkel vor einer akuten Notlage in den Krankenhäusern. Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann befürchtet, dass die Kliniken schon in wenigen Wochen vor einer Überlastung der Kapazitäten stehen könnten. Teilen Sie diese Einschätzung?

Menzel: Die Krankenhäuser in Deutschland und auch wir in Wolfsburg sind in der Lage, mit unterschiedlichen Anforderungen an unsere Leistungsfähigkeit umzugehen. Die allermeisten Krankenhäuser haben eine Mischung aus Notfall- und Akutbehandlungskapazitäten und Behandlungskapazitäten für geplante medizinische Leistungen. Wir mussten auch in der Vergangenheit schon unsere Kapazitäten an besondere Herausforderungen anpassen, zum Beispiel bei den Influenza-Epidemien. Ich bin sicher, dass das deutsche Gesundheitswesen, die Krankenhäuser in Niedersachsen und auch wir in Wolfsburg mit einer strukturierten und vorbereiteten Vorgehensweise diese Herausforderung in den jetzt vorstellbaren Dimensionen verantwortlich bewerkstelligen werden.

Das klingt recht zuversichtlich...

Menzel: Das schließt aber nicht aus, dass in einer Pandemie mit einer hochdynamischen epidemiologischen Lage die Aussage sich rückblickend in einigen Wochen als zu optimistisch erweisen kann. Ich bin sehr dankbar, dass sich – ähnlich wie im Frühjahr – die politisch Verantwortlichen sehr ernsthaft und frühzeitig der Frage stellen, wie man die Krankenhäuser unterstützen kann beim Übergang von einer gemischten zu einer vorwiegend akutmedizinischen Versorgungsaufgabe. Dazu gehören materielle Ressourcen, aber dazu gehört auch die Frage, wie die Krankenhäuser nach einer solchen Pandemie wirtschaftlich dastehen.

Wie viele Covid-19-Patienten werden aktuell im Klinikum behandelt?

Erdmann: Wir haben derzeit drei Patienten mit einer positiven Covid-19-Testung stationär in Behandlung. Eine Person wird intensivmedizinisch versorgt und künstlich beatmet. Es kommen zurzeit deutlich mehr Patienten mit Symptomen in die Infektionsnotaufnahme des Klinikums. Aber nicht immer müssen Patienten stationär aufgenommen werden, viele werden auch ambulant behandelt. Dennoch: Die Zahl derer, die wir positiv testen, nimmt zu.

Wie viele Intensivbetten stehen im Klinikum zur Verfügung?

Menzel: In Wolfsburg haben wir aktuell in der Erwachsenenmedizin 26 Intensivbetten und 10 Intensivbetten in der Kinderklinik inklusive der Frühgeborenenstation. Wir unterteilen in drei intensivmedizinische Bereiche: einmal die Routineversorgung für corona-negative Patienten, dann die Abklärungsisolation für Patienten, bei denen wir den Covidstatus noch nicht kennen, und einen Bereich für die an Corona erkrankten Intensivpatienten.

Könnte die Zahl der Intensivbetten bei steigenden Corona-Fallzahlen erhöht werden?

Menzel: Ja, wir sind in der Lage, unsere Intensivkapazitäten kurzfristig um 25 bis 30 Prozent zu erhöhen. Die insgesamt 36 Intensivbetten können wir jederzeit um zehn weitere erweitern. Wir haben für diese Intensivbetten auch die nötige Beatmungstechnik.

Ausgelastet sind die Intensivbetten derzeit aber nicht?

Menzel: Nein, unter Einbeziehung unserer Erweiterungskapazitäten bei weitem nicht. Wir betrachten das als Vorhaltung.

Arbeitet das Klinikum momentan im Normalbetrieb? Oder müssen nicht zwingend notwendige Operationen verschoben werden, um Kapazitäten für Corona-Patienten vorzuhalten?

Erdmann: Stand heute sprechen wir tatsächlich von einem Normalbetrieb, den wir so lange wie möglich aufrechterhalten wollen. Für den Fall, dass mehr Covid-Patienten kämen und wir auf der aktuellen Covid-Station keine Betten mehr frei hätten, haben wir ein Konzept, das Ganze zu erweitern. Dann müssten wir planbare Eingriffe auf einen späteren Zeitpunkt verlegen.

Frau Dr. Erdmann, Sie sind die Leiterin der Zentralen Notaufnahme am Klinikum. Stellen Sie dort Veränderungen fest?

Erdmann: Seit Beginn der Pandemie haben wir zwei Notaufnahmen. Eine nur für Infektionspatienten. Da hatten wir über den Sommer so gut wie keine Patienten und haben schon gedacht, wir können das wieder zurückdrehen. Nun haben wir eine zunehmende Zahl von Patienten mit covid-typischen Symptomen. Mir ist eines in diesem Zusammenhang ganz wichtig: Wenn die Wolfsburger Bürgerinnen und Bürger akut und schwer erkranken, können sie sich vertrauensvoll an uns wenden und in die Notaufnahme kommen. Im Frühjahr hatten manche Menschen die Sorge, sich vielleicht im Krankenhaus infizieren zu können, und sind gar nicht oder zu spät in die Kliniken gekommen. Mein Appell lautet deshalb: Wenn Sie akute Beschwerden wie zum Beispiel Symptome eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls haben, rufen Sie den Rettungsdienst! Der bringt Sie in die Zentrale Notfallaufnahme und hier versorgen wir Sie mit dem Standard, den Sie gewohnt sind.

Den zweiten Teil des Interviews lesen Sie am Samstag auf www.wolfsburger-nachrichten.de und am Montag in unserer Printausgabe.

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