Störchin „Moni“ landet mitten im Herbst in Wolfsburg

Fallersleben.  An der Tangente in Fallersleben taucht das Tier zwei Monate nach Abzug seiner Artgenossen auf. Es könnte der erste Wolfsburger Winterstorch werden.

Störchin „Moni“ beim Streifzug zwischen Tangente und Entsorgungszentrum in Fallersleben.

Störchin „Moni“ beim Streifzug zwischen Tangente und Entsorgungszentrum in Fallersleben.

Foto: Georg Fiedler

Der Frühlingsbote kam im Herbst: Unerwartet tauchte in Fallersleben ein Weißstorch auf, zwei Monate nach dem Abzug seiner Artgenossen von den sechs Nestern der näheren Umgebung. Auf den Wiesen zwischen Tangente und Entsorgungszentrum entdeckte Karsten van Heukelum am vergangenen Sonntagvormittag den gefiederten Gast und konnte auch gleich die Nummer des Ringes am rechten Bein entziffern. Damit ließ sich in anschließenden Recherchen das Rätsel um die Vorgeschichte weitgehend lösen.

In Clenze geschlüpft, in Tangermünde gebrütet

2008 schlüpfte der Storch auf dem Kirchendach von Clenze im Kreis Lüchow-Dannenberg und erhielt durch die Gebietsbetreuerin Adele Borschel einen Ring der Vogelwarte Helgoland. Mit vier Jahren siedelte sich der mittlerweile fortpflanzungsfähige Adebar in Tangermünde in der Altmark an, wo er einige Jahre auf dem Eulenturm, einem imposanten Wehrturm aus dem 15. Jahrhundert, brütete.

Dann wählte der Weißstorch einen neuen Nistplatz in der Kreisstadt Stendal – eine Entscheidung mit beinahe fatalen Folgen am 13. Mai 2020. An jenem Tag wurde der Vogel – anscheinend nach einer Kollision – schwerverletzt aufgefunden, mit einem Schlüsselbeinbruch, weiteren Frakturen und Quetschungen. Umgehend lieferte man das Tier in die Pflegestation des Storchenhofs Loburg im Kreis Anhalt-Zerbst ein.

Schwer verletzter Storch berappelt sich und wird ausgewildert

Seit ihrer Gründung 1979 hat die nunmehr vereinsgetragene Einrichtung 1664 Weißstörche aufgenommen, wovon zwei Drittel der Natur zurückgegeben werden konnten. Nach Angaben von Dr. Michael Kaatz waren für den Stendaler Patienten die tierärztlichen Prognosen für die Wiederherstellung der Flugfähigkeit ungünstig.

Umso überraschter waren die Mitarbeiter, als der Storch im August plötzlich auf einem Hausdach stand. Deshalb entschlossen sich die Fachleute, das „Moni“ getaufte Tier am 12. September im Rahmen der „zweiten Herbstauswilderung“ freizulassen, zusammen mit zwei Artgenossen und einem jungen Schwarzstorch.

Wo geht „Moni“ nun auf Nahrungssuche?

Seither flog der Storch etwa 100 Kilometer nach Westnordwest. Nach meiner Einschätzung ist er in der Natur überlebensfähig, dürfte aber sein bisheriges Überwinterungsgebiet im ostfranzösischen Bourg-en-Bresse – wo er 2017 und 2018 beobachtet wurde – zumindest in dieser Saison nicht erreichen können. Erst recht nicht Saragossa im Nordosten Spaniens, wo er sich am 18. Februar 2012 aufhielt.

Somit könnte „Moni“ der erste Wolfsburger Winterstorch werden. Doch wo geht ein Vogel, der hier nicht nistet und daher mit der Umgebung nicht vertraut ist, auf Nahrungssuche und wo übernachtet er? Hat er feste Standorte oder streift er umher?

Für Informationen unter fiedler.storchenwelt@t-online.de bin ich als Weißstorchbetreuer dankbar.

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