Galizianer gedenken bei Zusammenkunft ihrer alten Heimat

Wolfsburg.  Brygida Helbig liest aus ihrem Roman „Kleine Himmel“ im Föhrenkrug. Anlass ist der 75. Jahrestag der Flucht vor der Roten Armee.

Günter Hönig dankt der Autorin Brygida Helbig.

Günter Hönig dankt der Autorin Brygida Helbig.

Foto: Privat

Brygida Helbig erzählt von Steinfels, von ihrer Familie, von den Zwistigkeiten, kleinen Abenteuern und dem Leben mit Ukrainern. Es sind Geschichten der dort von 1772 bis 1939/40 ansässigen Galizien-Deutschen. Mit Aussagen im dort gepflegten Dialekt, also Pfälzer Mundart mit polnischen Einsprengseln und auch jiddischen Begriffen. Er klingt sehr weich.

Das gehört zu den Spezifika ihrer Lesung am Mittwochmittag im Föhrenkrug. Aber es sind auch Erzählungen, die unabhängig davon zeittypisch sind, soweit es um Lebensverhältnisse und Bräuche, Religion und Schule geht. Brygida Helbigs Roman „Kleine Himmel“ lässt ihre Zuhörer in Erinnerungen versinken, löst beim anschließenden Kaffee trinken lebhafte Diskussionen aus.

In Wolfsburg leben viele Menschen aus Galizien. Rund 140 Mitgliede zählt die Landsmannschaft, die Vorsitzender Günter Hönig zu diesem historischen Rückblick zunächst ins Delphin-Kino, dann in den Föhrenkrug eingeladen hatte. Denn in Folge des Hitler-Stalin-Paktes wurden die Galizien-Deutschen 1939/40 zwangsweise in den „Warthegau“ umgesiedelt. So nannten die Nazis die Gegend um Lodz (Lippmannstadt), die ein „rein deutsches Gebiet“ werden sollte. Am 15. Januar 1945, vor 75 Jahren, flohen sie dann vor der Roten Armee.

Helbig, in Stettin geboren, erzählt sehr persönlich vom frühen Tod ihres Großvaters Johann, von der Umsiedlung, dann von ihrer Reise nach Steinfels, ihrer Suche nach dem alten evangelischen Friedhof. Die Deutschen kamen aufgrund der ersten polnischen Teilung. Österreichs Kaiserin Maria Theresia lockte sie dorthin: aus der Pfalz, dem Böhmerwald, dem Egerland. Rosa Markl half ihren Nachfahren in Wolfsburg auf diesem Treffen, ihre Abstammung zu klären. Sie ist Ahnenforscherin. Die Galizianer brachten dafür Kopien der Taufscheine ihrer Vorfahren mit.

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