Blutige Schießerei in Vorsfelde – Anwohner sind schockiert

Vorsfelde.  Frank-Peter Schmitz dachte, im Spielfilm wird geschossen. Vor seinem Haus beginnt die Blutspur.

Bei einer Schießerei in Vorsfelde am Dienstagabend wurde ein Albaner getötet. Ein zweiter wurde schwer verletzt. Am Tatort filmte Mittwochvormittag auch das Fernsehen.

Bei einer Schießerei in Vorsfelde am Dienstagabend wurde ein Albaner getötet. Ein zweiter wurde schwer verletzt. Am Tatort filmte Mittwochvormittag auch das Fernsehen.

Foto: Hendrik Rasehorn

Erst peitschten Schüsse durch Vorsfelde, kurze Zeit später schrillten die Sirenen der Rettungs- und Streifenwagen durch den Ort. Sicher ist nach der Bluttat in der Meinstraße, die sich Dienstagabend ereignete, bislang aber nur, dass zwei Männer (20 und 31) – beide albanische Staatsangehörige – durch Schüsse schwer verletzt wurden. Der Jüngere verstarb noch in der Nacht. Für die Mordkommission stellt sich der Fall bislang als „sehr unklar“ dar, wie Polizeisprecher Sven-Marco Claus gegenüber unserer Zeitung einräumte. Die Ermittler rufen Zeugen, sich zu melden.

Wohl drei Schüsse sind gefallen, meinte sich am Mittwochvormittag Anwohnerin Annemarie Haufe im Gespräch mit unserer Zeitung zu erinnern. „Ich habe das am Dienstagabend ja erst gar nicht realisiert, dass das Pistolenschüsse waren. Das wurde mir erst klar, als die Notärzte an der Straße standen. Es ist schrecklich, was da passiert ist.“

Das Ausmaß der Gewalttat war gestern noch deutlich sichtbar in Form einer mehr als 40 Meter langen Blutspur. Womöglich fielen die Schüsse direkt vor dem Haus von Frank-Peter Schmitz an der Meinstraße, dort beginnt auch die Blutspur. Der 63-jährige Rentner hatte es sich abends auf dem Sofa gemütlich gemacht und im Fernsehen einen Actionfilm mit Silvester Stallone geschaut. Wie auch seine Nachbarin so hatte er es auch zunächst nicht realisiert, was sich da vor seiner Haustür abspielte. „Ich dachte die Schüsse fielen in dem Film. Kurz danach sah ich durch das Fenster das ganze Blaulicht auf der Straße. Da erst verstand ich, dass es echte Schüsse waren“, erzählte er unserer Zeitung.

Die Blutspur zieht sich von seinem Haus die Meinstraße hinunter bis zur Einmündung Carl-Grete-Straße. Auch weiter über die Kreuzung hinaus sind weitere Blutspuren auf dem Fußweg zu sehen. Ein Augenzeuge berichtete unserer Zeitung, eines der Opfer hätte nach der Schießerei angeblich noch versucht, sich ins Restaurant Akropolis zu retten, sei jedoch auf der Straße zusammengebrochen. Der zweite Schwerverletzte wurde in einem Wohnhaus links neben dem Restaurant entdeckt. Auch dort vor dem Haus waren Blutspuren auf dem Bürgersteig gestern noch zu sehen. In dem Haus war bis 2012 das Restaurant „Mamma Rosa“ ansässig.

Eine Passantin hatte den Notruf alarmiert. Während die Retter versuchten, die Opfer beiden zu reanimieren, zog die Polizei am Tatort ein Großaufgebot zusammen, nach Schätzung von Schmitz bis zu 40 Einsatzkräfte, dazu die Feuerwehr, die alles ausleuchtete. „Wahrscheinlich wollten sie die Tatwaffe oder Patronenhülsen finden. Sie suchten bei mir auf dem Hof mit Taschenlampen jede Ecke ab“, sagt Schmitz. Die Meinstraße wurde für den Verkehr komplett abgesperrt. Im Stadtgebiet kam es zu Kontrollen.

Eine Viertelstunde, bevor sich die Tat ereignete, war seine Tochter noch mit ihrem Hund draußen zum Gassigehen, erzählt Schmitz. „Ich mag gar nicht dran denken, was hätte passieren können, wenn man in sowas hineingerät.“ Er wohnt seit mehr als 30 Jahren in der Meinstraße. „Das war ein Schock, so was haben wir hier noch nicht erlebt – und nun passiert das ausgerechnet direkt vor meiner Haustür. Man fragt sich schon, ging es um um Drogen, oder um Bandenkriminalität?“

Schon mitten in der Nacht brodelte jedenfalls die Gerüchteküche in den sozialen Medien. Berichtet wurde von einer wilden Schießerei, drei Toten, dass der Täter wahlweise mit dem Auto oder zu Fuß geflohen wäre und man deshalb ja keine Anhalter mitnehmen sollte. Wieder andere nahmen den Fall, bei dem die Hintergründe noch vollkommen unklar sind, zum Anlass, um gegen Ausländer, die Bundesregierung und die Medien zu hetzen.

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