Baumfällungen im Schutzgebiet: BUND kritisiert Landesforsten

Wolfsburg.  Die Baumfällungen in dem Naturschutzgebiet, in dem eine verwaiste Wildkatze gefunden wurde, bringen Wolfsburger Umweltschützer in Rage.

In dem Naturschutzgebiet wurde nach Waldarbeiten eine junge Wildkatze ohne Mutter gefunden.

In dem Naturschutzgebiet wurde nach Waldarbeiten eine junge Wildkatze ohne Mutter gefunden.

Foto: Foto: Privat

Die Kreisgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz wirft den Landesforsten Umweltfrevel, Ignoranz und Fehlplanung vor und fordert ein Umdenken der Verantwortlichen.

Der Vorsitzende Gerhard Chrost befürchtet, dass bei den Waldarbeiten seltene Feuersalamander getötet wurden. Es habe Vereinbarungen zwischen BUND und Landesforsten gegeben: Der Einsatz von schwerem Gerät sei im Umkreis des Salamander-Gebietes ausgeschlossen worden. „Für uns stellt sich grundsätzlich die Frage, was Naturschutzgebiete überhaupt noch wert sind, wenn selbst auf extrem seltene Arten wie die Wildkatze und schützenswerte wie Feuersalamander keine Rücksicht mehr genommen werden muss“, schimpft Chrost. Die mühsame Arbeit all jener, die sich in Wolfsburg für den Schutz von Natur und Umwelt einsetzten, werde mit Füßen getreten.

Der Sprecher der Landesforsten, Dennis Glanz, schreibt, Feuersalamander seien vor allem in feuchten und frischen Mulden und Talbereichen des Naturschutzgebietes zu finden, auf den Fichten- und Lärchenflächen eher nicht. Er hatte die Arbeiten während der Brut- und Setzzeit gegenüber unserer Zeitung mit einer besonderen Eile begründet, die geboten sei, um eine weitere Ausbreitung des Borkenkäfers zu verhindern und Schäden vom Wald abzuwenden. Auf die Einwände der Kommunalpolitikerin Andrea Herweg, die angesichts der geplanten Umwandlung von Nadel- in Laubwald keine Dringlichkeit sieht, erwidert Glanz, die Umwandlung solle nicht durch nach Borkenkäfer-Massenvermehrungen entstehende Freiflächen geschehen, sondern durch sanften Waldumbau: „Insofern sind jetzt alle Anstrengungen erforderlich, um die frisch befallenen Fichten und Lärchen schnell zu ernten.“

Der BUND widerspricht. Gerhard Chrost erinnert daran, dass die Verbreitung des Borkenkäfers schon nach dem trockenen Sommer 2018 abzusehen war. „Aber anstatt sofort die Nadelbäume schnell herauszuholen, haben sie ab August eine riesige Holzernte mit Harvestern betrieben.“ Zunächst sei sehr viel Laubholz geholt worden, im Spätwinter seien alte, dicke Eichen und Buchen gefällt worden. „Kein Wunder, dass jetzt, nach der für das Laubholz verschwendeten Zeit, auf einmal die Zeit knapp wurde, an das sogenannte Käferholz zu gehen. Solche offensichtliche Fehlplanung als Begründung des Harvester-Einsatzes während der Brut- und Setzzeit heranzuziehen, macht uns zornig“, so Chrost. Er berichtet, dass ein Arbeiter, der vom BUND auf die Wildkatzenproblematik angesprochen worden sei, nicht einmal gewusst habe, dass er sich im Naturschutzgebiet befand.

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