Wie Antonius Holling die Stadt des KdF-Wagens veränderte

Wolfsburg  In einer Gedenkfeier wird an den Theologen und Wolfsburger Ehrenbürger erinnert. Die kirchenfeindlichen Nazigrößen führte er manchmal hinters Licht.

Bei der Gedenkfeier für Antonius Holling sprach unter anderem der Prälat Heinrich Günther.

Bei der Gedenkfeier für Antonius Holling sprach unter anderem der Prälat Heinrich Günther.

Foto: regios24/Helge Landmann

Am 1. März 1940 betrat der Priester Antonius Holling erstmals den Boden in der damaligen Stadt des KdF-Wagens, dem heutigen Wolfsburg. In der von den Machthabern als Kommune ohne Kirchen konzipierten nationalsozialistischen Musterstadt blieb der aus Osnabrück stammende Holling bis zu seinem Tod am 7. September 1996. In einer Gedenkfeier im Kunstmuseum wurde – 20 Jahre nach seinem Ableben – an den Theologen und Wolfsburger Ehrenbürger erinnert. Dr. Thomas Scharf-Wrede, der Direktor des Hildesheimer Bistumsarchivs, referierte zum Thema „Prälat Antonius Holling – ein Priester für die Menschen in Wolfsburg“.

Begrüßt wurden die Besucher von einem der Nachfolger Hollings. Das war Prälat Heinrich Günther, ehemals Wolfsburger Dechant und Pfarrer an St. Christophorus. Er lebt heute in Hildesheim. Unter den Gästen am Montagabend waren unter anderem der VW-Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Dieter Pötsch, seine Frau Elisabeth, die Vorsitzende der Antonius-Holling-Stiftung, Bürgermeisterin Bärbel Weist, die Ehrenbürger Manfred Kolbe, Rocco Artale und Rolf Schnellecke, der Geschäftsbereichsleiter Bürgerdienste Michael Sothmann sowie die stellvertretende Superintendentin Uta Heine. Ein anderer Ehrenbürger, der ehemalige VW-Konzernvorstand Professor Carl Horst Hahn, war ebenfalls bei der Gedenkfeier anwesend. Er war es, der mit Prälat Heinrich Günther die Idee zu dieser Veranstaltung hatte und sie gemeinsam mit ihm umsetzte.

Heinrich Günther sagte über Antonius Holling: „Das war kein Pfarrer, den man in der Sakristei hätte einsperren können und er wär zufrieden gewesen. Der musste hinaus zu den Menschen.“ Scharf-Wrede zeichnete in seinem Vortrag den Weg des Seelsorgers Holling nach, der in Zeiten des Nationalsozialismus an die Grenzen ging und durch eine gewisse Bauernschläue die kirchenfeindlichen Nazigrößen manchmal hinters Licht führte. Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs gehörte der Theologe, der „intensiven Kontakt zur Arbeitswelt hatte“, zu den Eckpfeilern der sozialen, kirchlichen und geistlichen Struktur der prosperierenden Stadt Wolfsburg. Ehrenbürger Rocco Artale sagte über Antonius Holling: „Er hat mit Heinrich Nordhoff die Italiener nach Wolfsburg geholt und bei deren Integration mitgewirkt. Für musikalischen Schwung sorgten Magdalena Ehlers (Querflöte) und Lena Wiatr (Klavier). Sie spielten die drei Sätze der „Sonate für Flöte“ des Komponisten Francis Poulenc mit atmosphärischer Intensität.

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