Vahlbergerin umrundet Australien – mit dem Rad

Klein Vahlberg.   Wenn jemand weiß, was der Satz „Der Weg ist das Ziel“ bedeutet, dann ist es Roswitha Söchtig.

Roswitha Söchtig hat in 6,5 Monaten den Kontinent Australien umrundet. Das Bild zeigt sie vor der Oper in Sydney. 

Roswitha Söchtig hat in 6,5 Monaten den Kontinent Australien umrundet. Das Bild zeigt sie vor der Oper in Sydney. 

Foto: Privat

Seit wenigen Wochen ist die 72-jährige Vahlbergerin zurück von einer Tour, die sie auf dem Highway 1 einmal rund um Australien geführt hat. Es war die bislang längste und vielleicht sogar anstrengendste ihres Lebens, bei der sie Tag für Tag zwischen 80 und 150 Kilometer auf ihrem Tourenrad saß, um schließlich 6,5 Monate und 18.000 Kilometer später zurück zu sein am Ausgangspunkt Adelaide im Süden des Kontinents.

Zwölfmal war sie bereits in Down under, hat Tasmanien zu Fuß und per Rad erkundet. Sie liebt das Land, in das ihr Bruder vor fast
60 Jahren auswanderte: Platz zum Atmen, außerhalb der Metropolen wenig Menschen. „Und die, die man trifft, sind alle durchweg nett“, sagt sie. Dem Overland-Biking, wie die gebürtige Braunschweigerin es nennt, also dem Langstrecken-Radfahren, hat sie sich seit Ende der 70er Jahre verschrieben.

Bei zwei Chinatouren legte sie bereits 30.000 Kilometer zurück. Nun also einmal rund um Australien: Temperaturen um die 0 Grad mit Windstärke 8, damit verbundene Stürze und Blessuren gleich zu Beginn entlang der Nullarbor-Ebene konnten sie ebenso wenig zum Aufgeben bewegen wie das andere Extrem mit knapp 50 Grad Celsius am Lake Alexandrina oder schlechte Straßen in Queensland. „Ich habe mich immer wieder selbst angefeuert und gesagt ,Rosi, Du schaffst das’.“

Zu 25 Kilogramm Gepäck kamen täglich zwischen 3 und 10 Liter Wasser und Isogetränke. Tag für Tag habe sie zwischen 6000 und 8000 Kalorien verbraucht. Unterwegs sei sie 30 anderen Radfahrern begegnet, 5 seien gestorben, weil sie zu wenig Flüssigkeit zu sich genommen hätten. „Ich hatte auch Todesangst“, berichtet sie. Allerdings aus anderen Gründen: Zum einen sei sie in einen Buschbrand geraten, aus dem ihr eine Australierin herausgeholfen habe. Zum anderen habe es an der Ostküste eine Strecke gegeben, an der vorbeifahrende Wohnmobile sie täglich an den Satteltaschen berührt hätten. Um das zu unterbinden, kaufte sich die Vahlbergerin kurzerhand eine Pool-Noodle als Abstandshalter.

Nach einem Abstecher in die Landesmitte wurde Roswitha Söchtig schließlich an der Ostküste Teil von Dreharbeiten zu einem Film namens „Rote Erde“ – über Aussteiger und Abenteurer. Darin, so erzählt die 72-Jährige, habe sie einen siebenminütigen Part. Wann und wo der Streifen eines Tages zu sehen sei, wisse sie aber noch nicht.

In drei Jahren will sie wieder nach Australien – um die Tour noch einmal mit dem Auto abzufahren und zu wandern. Ihr Rad, das mittlerweile 40.000 Kilometer auf dem Buckel hatte, hat sie einem Australier geschenkt. Der 38-Jährige habe ihr geholfen, nachdem sie das erste Mal vom Rad gefallen sei. Von da an habe sie ihn aus jeder größeren Stadt anrufen müssen, ob es ihr gut gehe.

Wer mehr über ihre Abenteuer-Tour am anderen Ende der Welt erfahren will, kann sich auf ein Buch freuen, das sie spätestens zur Buchmesse im März 2020 geschrieben haben will. Schließlich soll es ihre letzte große Radreise gewesen sein, sagt Roswitha Söchtig. Vielmehr wolle sie jetzt Bergsteigen in Kasachstan und Kirgisistan. Zudem plant sie einen zehnten Abschluss, um ins Guinessbuch der Rekorde zu kommen („vielleicht als Rechtsanwalts- und Notarsgehilfin“) sowie eine Promotion über „Die theoretische und empirische Strukturierung von Grenzsituationen beim Extremsport“.

In Australien hätten viele zu ihr gesagt „You are crazy“ („Du bist verrückt“), doch für sie sei das alles „ganz normal“, sagt sie schmunzelnd.

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