„Maria, Maienkönigin“ – die Marienkirche in Schöppenstedt

Dieser stolze Hinweis erinnert daran, dass der heutige Stadtteil Schöppenstedts bis 1938 ein eigenständiges Dorf war.

Vor dem Haupteingang der evangelischen Kirche St. Marien in Schöppenstedt liest man auf einem Findling: „966 - 2016. 1050 Jahre Küblingen. Kübling blifft Kübling.“ Dieser stolze Hinweis erinnert daran, dass der heutige Stadtteil Schöppenstedts bis 1938 ein eigenständiges Dorf war.

Die Küblinger Kirche (im Mittelalter Cugelinge) ist die älteste und eigenartigste der in den Mai-Avisen vorgestellten Marienkirchen des Landkreises.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde sie 1328, doch sie ist in einigen Teilen wesentlich älter. Es handelt sich dabei um eine durch Kapellenanbauten eigenartig gewinkelte gotische Kirche.

Friedrich Bosse schreibt 1907 in seiner „Kleinen Braunschweigischen Landesgeschichte“: Die Kirche „besteht nämlich aus zwei Flügeln, die im rechten Winkel zusammenstoßen; in diesem Winkel steht der Altar, und darüber befindet sich die Kanzel. Da nun die Männer in dem einen, die Frauen aber in dem anderen Flügel sitzen, so können beide wohl den Prediger, nicht aber sich gegenseitig sehen.“ (Internet: Cugelinge.de)

Seit dem 13. Jahrhundert standen die Kirche und die später mit ihr zusammengeführte Kapelle unter dem Patronat des Klosters Marienberg bei Helmstedt.

Seit dem Ende des 13. Jahrhunderts war die Kirche eine berühmte Wallfahrtsstätte mit einem wundertätigen Marienbild. Das Wort Wallfahrt kommt von „wallen“ – unterwegs sein. Aus religiösen Gründen folgt der Pilger zu Fuß oder mit einem Transportmittel einem Weg, um eine Pilgerstätte aufzusuchen. Eine Wallfahrt unternimmt man, um ein Gebot, eine Buße oder ein Gelübde zu erfüllen oder um vor einem Heiligtum für die Erfüllung eines Gebetswunsches zu bitten. Bei einer Wallfahrt steht nicht der Weg, sondern das Ziel im Vordergrund.

Es gibt Zehntausende christlicher, muslimischer, jüdischer und Pilgerstätten anderer Religionen. Die weltweit größten Marien-Wallfahrten finden zur Basilika der Jungfrau von Guadalupe in Mexiko statt sowie nach Lourdes in Frankreich, Tschenstochau in Polen, Fátima in Portugal und Mariazell in Österreich.

Das wundertätige Marienbild aus den Anfängen der Küblinger Kirche, zu der viele Menschen wallfahrteten, existiert nicht mehr. An der äußeren Ostwand des Anbaues vom Ende des 15. Jahrhunderts aber kann man, hinter Sicherheitsglas geschützt, eine steinerne Madonnenfigur des frühen 14. Jahrhunderts bewundern. Die Fassung und der Kopf des Christuskindes wurden im späten 19. Jahrhundert ergänzt.

Weitere Informationen im Internet unter www.braunschweig-touren.de/Seiten/Kueblingen6.htm

Georg Ruppelt erzählt jede Woche Geschichte und Geschichten aus Stadt und Kreis. Ruppelt war stellvertretender Direktor der Herzog-August-Bibliothek und Direktor der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Bibliothek.

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