Spargel aus dem Fürstlich Braunschweigischen Garten Hessen

Das Hessener Schloss, heute eine Ruine, war glanzvoller Sitz der Fürsten von Braunschweig-Wolfenbüttel.

Kurz nach der Grenzöffnung gaben der Landkreis Wolfenbüttel und die Herzog-August-Bibliothek 1990 den Nachdruck eines aufwendig gestalteten Buches des „Fürstlich bestallten Hofgärtners“ von Schloss Hessen, Johann Royer, aus dem Jahr 1651 heraus. Wollte man den wunderschönen barocken Titel auch ohne alles illustrative Beiwerk hier wiedergeben, so würde diese gesamte Kolumne und wohl auch noch die nächste gänzlich in Anspruch genommen werden.

Daher sei hier nur die Kurzform zitiert: „Beschreibung des ganzen Fürstl. Braunschw. gartens zu Hessem, … auch, ordentliche Specification aller derer Simplicium und Gewechse, so von anno 1607—1651 darinnen … gezeuget worden.“

In ihrem Geleitwort gingen der damalige Landrat Ernst-Henning Jahn und Oberkreisdirektor Hartmut Koneffke auf die Verbundenheit Hessens mit dem Landkreis Wolfenbüttel ein, zu dem das Dorf bis 1941 gehörte. Das Hessener Schloss, heute eine Ruine, war glanzvoller Sitz der Fürsten von Braunschweig-Wolfenbüttel.

In seinem Nachwort schreibt der Wolfenbütteler Historiker und Heimatforscher Wolfgang Kelsch, dass die Anerkennung der Regierungszeit des Herzogs Heinrich Julius als vorbildlich verfeinerte Hofkultur auch der Anlage des Zier-, Küchen- und Kräutergartens von Schloss Hessen zu danken sei.

Die folgenden Zitate aus Royers Beschreibung aber beweisen, dass Spargel nicht erst Mitte des
18. Jahrhunderts durch Pfälzer Refugees im Lande angesiedelt wurde, sondern bereits Mitte des 17. — allerdings kam wohl nur die Wolfenbütteler Hofgesellschaft in den Genuss dieser überdies noch gesunden Köstlichkeit.

„Den Spargen kann man durch den Saamen zeugen/ man steckt die Körner im Martio (März)/ bey zunehmendem Mond/ und wann sie ein Jahr 3 oder 4 gestanden / erwehlet man ein fein Beth/ da sie stets bleiben können/ denn sie leiden kein umbpflanzen/ solch Beth bereitet man mit gutem kurzem Mist/ und setzet die jungen Pflantzen drein/ einen halben Fuß voneinander/ auch im zunehmendem Mond … Umb das andere Jahr gegen den Winter/ wenn die Spargel abgeschnitten/ kann man guten kurtzen Mist über das Beth tragen … In der Fasten reiniget manns denn/ und reibet den Mist vollend dar klein darüber/ so kann man hernacher gar schöne grosse und dicke Spargen haben.“

Georg Ruppelt erzählt jede Woche Geschichte und Geschichten aus Stadt und Kreis. Ruppelt war stellvertretender Direktor der Herzog-August-Bibliothek und Direktor der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Bibliothek.

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