Täter auf der Flucht

Explosion im Kreis Wolfenbüttel – Geldautomat gesprengt

| Lesedauer: 5 Minuten

Schladen.  Unbekannte Täter haben den Geldautomaten einer Bankfiliale im Kreis Wolfenbüttel in der Nacht zu Freitag in die Luft gesprengt.

Ein lauter Knall hat viele Schladener am Freitag gegen 3.58 Uhr aus dem Schlaf gerissen. Der Grund dafür: Bislang noch nicht ermittelte Täter haben in der Sparkasse an der Bahnhofstraße zwei Geldautomaten gesprengt. „Wir gehen von drei Tätern aus, die mit einem hochmotorisierten, schwarzen Audi Sportback in Fahrtrichtung Hornburg geflüchtet sind“, sagt Frank Oppermann, Sprecher der Polizei in Wolfenbüttel.

Das weiß die Polizei nach Zeugenvernehmungen. Nach ersten Berichten hatte eine Zeugin den Knall in der Schladener Bahnhofsstraße gehört und die Polizei alarmiert. Die Explosion hat in der Bankfiliale eine regelrechte Verwüstung angerichtet. Der Innenraum wurde schwer beschädigt. Er ist übersät mit Glassplittern. Die Glasscheiben der Schiebetür sind gesprungen. Der Gebäudeschaden ist beträchtlich. Die Sparkassenfiliale ist mit rot-weißem Flatterband abgesperrt.

An der umfangreichen Fahndung ist im Kreis Wolfenbüttel auch ein Polizeihubschrauber beteiligt

Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Eine sofort eingeleitete Fahndung nach den Tätern blieb bislang erfolglos. Auch ein Polizeihubschrauber war bei der Fahndung im Einsatz. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Fachkommissariats Forensik haben die Spurensuche aufgenommen. Es war die siebte Sprengung eines Geldautomaten in der Region.

Wie viel Geld die Täter erbeuten konnten, ist noch unklar. Dem Vernehmen nach soll das Geld farblich

markiert gewesen sein. Insofern dürfte die Beute unbrauchbar sein. Wie Dirk Vorderstemann, Vorstandsmitglied der Sparkasse, auf Nachfrage unserer Zeitung in Schladen mitteilte, sei die Sparkasse nachts abgeschlossen. Daher hätten die Täter die Türen der Sparkasse erst aufhebeln müssen, um in die Bank zu gelangen.

Dass Banken nachts nicht mehr für ihre Kundinnen und Kunden zugänglich sind, ist keine Seltenheit mehr. Bereits im Dezember 2019 hatte die Volksbank Wolfenbüttel wegen Sicherheitsbedenken veranlasst, nachts (genau ab 20 Uhr) sowie am Wochenende all jene Automaten auszuschalten, die zugleich Ein- und Auszahlungen ermöglichen.

Explosion im Kreis Wolfenbüttel ist die siebte Sprengung in Folge

Bei einer Sprengung in einer Volksbankfiliale im Kreis Peine waren die sichtbaren Schäden nach außen deutlich größer. Die Spur der Täter dort führt in die Niederlande. Ob es sich um dieselben Täter in Wolfenbüttel handelt, ist noch nicht sicher. Die Vermutung liege jedoch nahe, so ein Polizeisprecher.

Um 4.22 Uhr forderte die Polizei die Freiwilligen Feuerwehren Schladen, Gielde und Hornburg an, um das Gebäude nach gefährlichen Explosionsgasen abzusuchen. Mit einem speziellen Prüfgerät könne ermittelt werden, ob ein bestimmtes Gas in der Luft sei, in welcher Konzentration es vorliege und ob diese explosiv sei. Letzteres sei in der Sparkasse in Schladen aber nicht der Fall gewesen, so ein Feuerwehrsprecher. Auch eine Wärmebildkamera sei zum Einsatz gekommen, um mögliche Glutnester zu finden. Es seien aber keine gefunden worden.

Im März 2019 hatten unbekannte Täter einen Geldautomaten in der Postbank am Harztorwall in Wolfenbüttel gesprengt. Im April 2018 hatten Täter zwei Geldautomaten in der Commerzbank an der Breiten Herzogstraße in Wolfenbüttel gesprengt. Im Februar 2019 gelang es der Polizei, einen der Täter in den Niederlanden zu fassen. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hatte ihn mit einem europäischen Haftbefehl gesucht.

Die Beute aus der Wolfenbütteler Commerzbank – 337.840 Euro – ist nie wieder aufgetaucht

Die Täter erbeuteten bei der Sprengung der Geldautomaten in der Commerzbank 337.840 Euro. Wo das Geld geblieben ist, blieb bis zum Prozessende ungeklärt. Das Landgericht Braunschweig verurteilte den Angeklagten, dessen Spitzname „Sprengmeister“ war, zu einer Haftstrafe von 2 Jahren und 8 Monaten. Der Angeklagte hatte sich durch seine eigene DNA verraten, die die Ermittler an einem Klebeband feststellten, das der Täter benutzt hatte.

Für die Sprengung der Geldautomaten hatten die Täter in der Commerzbank ein Gasgemisch verwendet. Dieser Vorgehensweise hätten sich Täter in den Niederlanden vorzugsweise bedient – bis die Geldautomaten dort umgerüstet worden seien und auf diese Weise nicht mehr hätten geknackt werden können, berichtete damals ein Beamter des Landeskriminalamtes vor Gericht. Folglich seien die Täter nach Deutschland eingereist, wo ihre Methode immer noch gut anzuwenden gewesen sei. Auch diese Täter seien mit einem dunklen Pkw-Kombi geflüchtet. Auf dem Laptop des Verurteilten war ein Bild von einem Audi RS 6 gefunden worden.

Unser Reporter Erik Westermann hat zum Thema Sprengung von Geldautomaten mit Spezialisten der Polizei gesprochen. Die Folge des Podcastes „Tatort Niedersachsen“ können Sie sich bei allen gängigen Diensten anhören oder auf den Portalen unserer Zeitung.

In der Region schlugen Unbekannte jetzt schon häufiger zu und sprengten Geldautomaten:

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