Todeszelle bleibt in JVA Wolfenbüttel als Exponat erhalten

Wolfenbüttel.  Nach Fertigstellung des Grauen Hauses wird die Schließung der JVA-Abteilung Braunschweig in der Rennelbergstraße erfolgen.

Auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt Wolfenbüttel wurde mit der Sanierung des Hauses 1 begonnen.

Auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt Wolfenbüttel wurde mit der Sanierung des Hauses 1 begonnen.

Foto: Karl-Ernst Hueske

Seit 2013 steht das Graue Haus der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wolfenbüttel leer. Aber erst vor einigen Wochen wurde mit der Sanierung und dem Umbau dieses Hauses begonnen. Kostenpunkt: 22,3 Millionen Euro. Nach der geplanten Fertigstellung Mitte 2022 können dort wieder Gefangene einziehen. Aber der Umbau hat noch eine andere Konsequenz, auf die Anstaltsleiter Dieter Münzebrock hinwies: „Nach Fertigstellung des Grauen Hauses wird die Schließung der Abteilung Braunschweig in der Rennelbergstraße erfolgen.“

Die umfangreiche Sanierung des Grauen Hauses hat inzwischen begonnen. Das Haus I der JVA Wolfenbüttel wird in der Anstalt, aber auch in der Wolfenbütteler Bevölkerung auch Graues Haus genannt. Es wurde 1873 errichtet und bot Platz für zwei Vollzugsabteilungen mit insgesamt 131 Gefangene, die in dem Gebäude jeweils auf nur acht Quadratmeter einzeln untergebracht waren. Im Keller des Gebäudes stand ein großer Gemeinschaftsduschraum zur Verfügung, berichtete Münzebrock und fügte noch hinzu: „Seinerzeit war das ein Zeichen für den modernen Strafvollzug des Landes Braunschweig.“

Im Erdgeschoss befanden sich besondere Zellen

In dem Gebäude wurden zur Zeit des NS-Regimes in einem Halbflur des Erdgeschosses auch Gefangene untergebracht, an denen die Todesstrafe vollstreckt wurde. Im Jahr 2013 wurde das Haus als dringend sanierungsbedürftig geschlossen. Die dort untergebrachten Gefangenen wurden damals auf die übrigen Häuser und Außenstellen der Haftanstalt verteilt. Es dauerte aber noch sieben Jahre, bis im April 2020 der Baukran aufgestellt wurde und endlich die Sanierungsarbeiten begannen.

Bereits abgeschlossen ist die großflächige Entfernung des alten Wandputzes, auch die Tür- und Fensteröffnungen sind schon vergrößert, die Außenfassade ist eingerüstet. Aktuell ist die Dachsanierung Südseite in vollem Gange. Im Zuge der Bauarbeiten werden alle Haftraumfenster ebenso vergrößert wie die Haftraumtüren und natürlich werden nun neue Türen, Schlösser, Gitter und Fenster nach aktuellem Sicherheitsstandard verbaut, berichtete Münzebrock. Aus jeweils drei Einzelhafträumen werden zwei Einzelhafträume konzipiert, die über einen gesonderten Nassbereich mit Dusche verfügen. Münzebrock: „Gemeinschaftsduschen wird es in diesem Gebäude aus Gründen der Gewaltprävention nicht mehr geben.“

Moderne Sicherheitstechnik wird eingebaut

Moderne Sicherheitstechnik in Form einer Videoüberwachung der Flure und Freizeitbereiche sowie der Einbau einer Haftraumnotrufanlage gehören heutzutage zum Standard und werden ebenfalls im Gebäude eingebaut. Im Westflügel werden zudem fünf behindertenfreundliche Hafträume und ein behindertengerechter Haftraum geschaffen.

Nach Abschluss der Baumaßnahmen werden im Grauen Haus 90 Haftplätze zur Verfügung stehen. Geplant ist außerdem, dass nach Fertigstellung der Baumaßnahme eine der Zellen, in denen zum Tode verurteilte Gefangene untergebracht waren, im Originalzustand als „Exponat“ erhalten bleibt und von der Gedenkstätte betreut über einen gesonderten Zugang einer eingeschränkten Öffentlichkeit zugänglich sein wird.

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