Streik in Wolfenbüttel: 420 Kita-Kinder betroffen

Wolfenbüttel.  Rund 100 Teilnehmer demonstrieren auf dem Wolfenbüttel Schlossplatz für mehr Lohn. Stadtbad Okeraue am Donnerstag geschlossen.

Auf dem Wolfenbütteler Schlossplatz wurde gestreikt. Auch einige Kita-Mitarbeiter legten ihre Arbeit nieder.

Auf dem Wolfenbütteler Schlossplatz wurde gestreikt. Auch einige Kita-Mitarbeiter legten ihre Arbeit nieder.

Foto: Tobias Schneider

In Wolfenbüttel haben am Donnerstag zahlreiche Beschäftigte des öffentlichen Dienstes die Arbeit niedergelegt. Rund 100 Teilnehmer aus den verschiedensten Bereichen haben sich am Vormittag auf dem Schlossplatz versammelt, um zu demonstrieren. Sie verlangen 4,8 Prozent mehr Lohn.

„Ihr haltet den Laden am Laufen, ihr seid unverzichtbar, ihr seid systemrelevant“, sagt Verdi-Gewerkschaftssekretärin Corinna Jahr zu Beginn der Kundgebung. Die Gewerkschaft hat alle Bedienstete des öffentlichen Dienstes in Wolfenbüttel dazu aufgerufen, die Arbeit niederzulegen.

Diesem Aufruf sind nach Verdi-Angaben unter anderem Beschäftigte der Stadt und des Landkreises Wolfenbüttel, des Stadtbades und der Stadtwerke, des Jobcenters und der Agentur für Arbeit gefolgt. Auch Erzieherinnen und Erzieher der kommunalen Kitas waren in den Arbeitskampf eingebunden.

420 Kita-Kinder in Wolfenbüttel betroffen

Im Kinder- und Familienzentrum Karlstraße hatte laut Angaben der Stadt nur eine Ganztags-Kindergarten-Gruppe geöffnet, die restlichen Angebote entfielen. In der Kita Wilhelm Raabe blieb der Hort geschlossen, eine Kindergarten-Gruppe und zwei altersgemischte Gruppen liefen als Notbetreuung. Die Kita Fümmelse war komplett geschlossen. Laut Stadtsprecher Thorsten Raedlein waren in Fümmelse 120 Kinder betroffen – sie mussten anderweitig betreut werden. In der Kita Groß Stöckheim entfiel die Hort-Betreuung. In Halchter blieben Kindergarten und Hort geschlossen, nur eine die Krippen-Betreuung war möglich.

„Zusammengenommen waren 420 Kinder vom Streik betroffen. Allerdings können wir nicht sagen, wie viele Kinder tatsächlich nicht betreut werden können, da nur in Fümmelse eine Kita komplett geschlossen ist“, sagt Stadtsprecher Thorsten Raedlein gegenüber unserer Zeitung.

Unmittelbar vom Streik betroffen war auch die Stadtverwaltung. Einige Mitarbeiter hatten sich den Streikenden angeschlossen und die Arbeit am Donnerstag niedergelegt. Allerdings gebe es laut Raedlein keinerlei Einschränkungen für den Bürger. „Aufgrund der Corona-Pandemie vergeben wir nur noch Termine. Deswegen gibt es keine Probleme für die Wolfenbütteler.“

Jedoch mussten einige Bürger auf das Schwimm- und Planschvergnügen verzichten. Das Stadtbad Okeraue hatte am Donnerstag aufgrund des Warnstreiks ganztägig geschlossen.

Der Landkreis Wolfenbüttel teilt mit, dass die Abfallwirtschaft (ALW) nicht bestreikt wurde. Des Weiteren waren auch keine Ämter geschlossen oder hatten veränderte Öffnungszeiten: „Der Warnstreik hatte nur sehr geringe Auswirkungen für Bürgerinnen und Bürger, die die Landkreisverwaltung aufsuchten. Einschränkungen für Bürger gab es höchstens im Einzelfall“, teilt Landkreissprecher Andree Wilhelm mit.

Warum wird gestreikt?

Im Tarifstreit fordert Verdi, gemeinsam mit dem Deutschen Beamtenbund (DBB), für alle Tarifbeschäftigten des öffentlichen Dienstes 4,8 Prozent mehr Geld, mindestens aber 150 Euro, bei einer Laufzeit von 12 Monaten. „Wir sind kurz vor der dritten Verhandlungsrunde. Die ersten beiden Gespräche sind leider erfolglos geblieben. Die Arbeitgeber kamen uns nicht entgegen und haben keinerlei Vorschläge unterbreitet. Deswegen stehen wir hier und wollen ein Zeichen setzen“, sagt Jahr gegenüber unserer Zeitung.

Sie schließt nicht aus, dass es in wenigen Wochen wieder zu einer Kundgebung auf dem Schlossplatz kommen könnte. „Wenn die Verhandlungen ähnlich verlaufen, wie in der Vergangenheit, stehen wir wieder hier. Und vielleicht schließen sich noch mehr Leute uns an.“

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