Atommüll: Kreis Wolfenbüttel kommt bei Endlagersuche infrage

Wolfenbüttel.  Wolfenbüttel ist durch das Atommülllager Asse und das geplante Endlager Schacht Konrad bereits belastet. Reaktionen aus Wolfenbüttel zum BGE-Bericht.

Vor Containern mit radioaktiver Lauge hängt in der Schachtanlage Asse ein Warnschild mit der Aufschrift "Radioaktiv". (Archivbild)

Vor Containern mit radioaktiver Lauge hängt in der Schachtanlage Asse ein Warnschild mit der Aufschrift "Radioaktiv". (Archivbild)

Foto: Sebastian Gollnow / picture alliance/dpa

„Wir haben hier wirklich schon genug Mist an der Hacke“, bringt es Ulrich Löhr auf den Punkt. Der Landvolk-Vizepräsident ist Mitglied der zivilgesellschaftlichen Vertretung der Asse-2-Begleitgruppe und beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Atommüll. Mit Sorge hat der Landwirt aus Denkte die Ergebnisse des am Montag von der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) veröffentlichten Zwischenberichts verfolgt. Auch Teile des Landkreises Wolfenbüttel kommen für ein Endlager für hoch radioaktiven Atommüll infrage. Und das, obwohl dieser bereits stark belastet ist.

„Vom Hausmannsturm des Wolfenbütteler Schlosses könnte man fast den Förderturm der Asse und den von Schacht Konrad sehen“, sagt Löhr. Zum Hintergrund: In Deutschland gibt es derzeit drei unterirdische Lagerstandorte für Atommüll. Einer davon ist das Atommülllager Asse in Remlingen. Dort soll bekanntermaßen der Müll wieder rausgeholt werden. Das Endlager Schacht Konrad bei Salzgitter, das sich noch im Bau befindet, ist das einzige genehmigte Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle in Deutschland. Das Endlager Morsleben im Landkreis Börde in Sachsen-Anhalt soll unter Verbleib der Abfälle stillgelegt werden.

Endlager-Disskusion am 30. Oktober 2020

Vertreter der Asse-2-Begleitgruppe: Vertrauen in BGE verloren

Für hoch radioaktiven Atommüll gibt es noch gar kein Endlager, die BGE sucht derzeit nach einem geeigneten Standort. Bei der Suche gilt das Prinzip der „weißen Landkarte“, also die Suche nach dem bestmöglich geeigneten Standort (wir berichteten). 90 Gebiete in Deutschland eignen sich laut Zwischenbericht potenziell als Standort für ein atomares Endlager, 54 Prozent der gesamten Fläche Deutschlands. Besonders große Gebiete liegen unter anderem in Niedersachsen. Sämtliche kreisfreien Städte und Landkreise unserer Region kommen laut BGE theoretisch in Frage. Gründe dafür sind die

günstigen geologischen Voraussetzungen.

„Die Auswahl ist noch sehr grob und sagt noch nicht viel aus“, sagt der Sickter Carsten Schröder. Seit 40 Jahren beschäftigt er sich im Kontext von Schacht Konrad mit dem Thema Atommüll, seit nunmehr 13 Jahren auch mit der Asse-Thematik. Er ist ebenso Mitglied der zivilgesellschaftlichen Vertretung der Asse-2-Begleitgruppe. Die Erfahrungen, die er dort gemacht hat, machen ihn skeptisch in Bezug auf die Endlagersuche. Der Asse-Begleitprozess sei immer als eine Art Blaupause für den Endlagersuchprozess gesehen worden. Schröder spricht von verloren gegangenem Vertrauen.

Vorsitzender des Umweltausschusses: Jetzt aufmerksam sein!

„Wir sind in einer entscheidenden Phase des Begleitprozesses. Wir hatten für das Zwischenlager gefordert, dass nicht nur assenahe, sondern auch asseferne Standorte untersucht werden. Das wurde nicht getan, obwohl auch die Wissenschaftler, die uns beraten, dazu geraten hatten“, berichtet Schröder. Der Aufwand, assenahe mit zwei assefernen Standorten zu vergleichen, wäre laut Experten nicht groß gewesen. „Wenn das an einem solchen Punkt schon nicht gemacht wird, bin ich skeptisch, was die Endlagersuche betrifft.“ Die BGE, die die Lager Asse, Morsleben und Konrad betreibt und derzeit auf Endlagersuche ist, müsse sich das Vertrauen der Bevölkerung erst wieder arbeiten, bekräftigt Löhr.

„Es wäre schon makaber, wenn der Landkreis Wolfenbüttel ausgesucht würde“, sagt der Vorsitzende des Umweltausschusses des Landkreises Wolfenbüttel Norbert Löhr, „wir sind schon stark belastet durch Asse und Konrad.“ Doch noch sei die Auswahl sehr grob, wichtig sei nun, die „Feinsuche“ zu begleiten: „Jetzt gilt es, aufmerksam zu sein und seine Stimme rechtzeitig zu erheben“, sagt der Christdemokrat aus Berel. Abwarten wäre das Falsche jetzt. „Da muss man sich überparteilich unterhalten, es geht schließlich um unsere Heimat.“ Der Ausschuss und der Kreistag werde sich mit dem Thema befassen.

Landrätin Steinbrügge: Ich erwarte ein transparentes Verfahren

Wolfenbüttels Landrätin Christiana Steinbrügge (SPD) ist zuversichtlich, dass die besonderen Belastungen der Region im weiteren Verlauf berücksichtigt werden: „Ich begrüße es, dass die Endlagersuche nach wissenschaftlichen Kriterien ohne Vorfestlegungen erfolgt. Die jetzt ausgewiesenen Teilgebiete wurden allein aufgrund von geologischen Kriterien ermittelt. Im weiteren Verfahren kommen andere Abwägungskriterien hinzu. Ich gehe davon aus, dass dabei auch die besonderen Belastungen in unserer Region durch Asse, Konrad und Morsleben berücksichtigt werden. Die anstehenden Fachkonferenzen bieten Gelegenheit zu vollständiger Information und öffentlicher Beteiligung. Ich erwarte ein transparentes Verfahren.“

In den kommenden Jahren werden die möglichen Standorte nach und nach auf Grundlage verschiedener Kriterien eingegrenzt. 2031 soll der Standort gefunden sein, ab 2050 sollen 1900 Behälter mit strahlendem Abfall unterirdisch eingelagert werden.

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