Schottergärten in Wolfenbüttel – Das müssen Besitzer wissen

Wolfenbüttel.  Wer einen Schottergarten im Kreis Wolfenbüttel hat, verstößt gegebenenfalls gegen das Baurecht. Das sagen Stadt und Kreis Wolfenbüttel

Unser Symbolbild zeigt einen spärlich bepflanzten Schottergarten. Für Insekten gibt es hier nichts zu holen.

Unser Symbolbild zeigt einen spärlich bepflanzten Schottergarten. Für Insekten gibt es hier nichts zu holen.

Foto: (archiv) Christian Franz

Wer in Stadt und Kreis Wolfenbüttel einen Schottergarten angelegt hat, könnte künftig von der Kommune gezwungen werden, ihn wieder zurückzubauen. Denn Schottergärten verstoßen gegen das Baurecht. Allerdings ist in beiden Verwaltungen bislang nicht ein einziger Fall bekannt geworden. Aktive Kontrollen, wie sie die Stadt Wolfsburg inzwischen ihren Bürgern angekündigt hat, soll es hier aber nicht geben.

Schottergärtenbesitzer sieht für sich Vorteile

Für Hugo Müller (Name geändert, die Red.), der in einem Dorf im Landkreis Wolfenbüttel ein Grundstück mit Haus sein eigen nennt, ist der Schottergarten ein Traum. „Endlich kein Rasenschneiden mehr“, sagt er. Und auch andere von ihm als lästig empfundene Arbeiten im Garten entfallen, denn es gibt nur die Schotterfläche vor seinem Haus und ein paar Bonsais, die ohnehin klein bleiben und kaum der Pflege bedürfen.

Doch nach der Niedersächsischen Bauordnung müssen nicht überbaute Flächen von Baugrundstücken Grünflächen sein, soweit sie nicht für eine andere zulässige Nutzung erforderlich sind. „Bisher ist bei der Bauaufsichtsbehörde des Landkreises Wolfenbüttel kein Fall bekannt geworden, der ein Einschreiten erfordert hätte. Wenn aber ein solcher Fall bekannt werden würde, entsprechender Fall bekannt wird, muss mit einem Einschreiten gerechnet werden“, kündigt Lisa Burfeind, Pressesprecherin des Landkreises, an.

Die Behörden schreiten nach Ermessen ein

Thorsten Raedlein, Pressesprecher der Stadt Wolfenbüttel, erklärt es so: „Bekommt die Stadt aufgrund von Beschwerden Kenntnis von einem Verstoß gegen diese rechtliche Vorgabe, besteht rechtlich die Möglichkeit Maßnahmen anzuordnen, die zur Herstellung und Sicherung rechtmäßiger Zustände erforderlich sind.“ Das Einschreiten gegen baurechtswidrige Zustände stehe dabei aber in pflichtgemäßem Ermessen. Raedlein: „Das bedeutet, dass der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit eine Abwägung der Ermessensentscheidung erfordert, ob und wie eingeschritten werden soll.“

Um Bauwillige für dieses Thema zu sensibilisieren, habe die Stadt bereits 2019 einen Flyer entworfen, der genau dieses Thema aufgreift. Darin heißt es: „Geben Sie der heimischen Tier- und Insektenwelt eine Chance und verwenden Sie für Ihre individuelle Gartengestaltung heimische und standortgerechte Pflanzen.“ Es folgt eine Liste mit solchen Pflanzen wie zum Beispiel Obstbäume, Hainbuchen, Schneebälle und Holunder.

Artenvielfalt leidet unter den Schottergärten

Über Schottergärten heißt es: Der auf einem Vlies ausgebreitete Schotter gehe Ton in Ton mit dem Pflasterbelag des Hauseingangs und der Garagenzufahrt über und werde nur mit wenigen,meist fremdländischen Formgehölzen und Gräsern bepflanzt. „Einhergehend damit findet eine Verarmung der Vielfalt nicht nur des erlebbaren Straßen- und Ortsbildes, sondern auch der Artenvielfalt unserer heimischen Tier- und Insektenwelt statt.“

Der anfängliche pflegeleichte Garten werde in recht kurzer Zeit zu einem aufwendigen Pflegeobjekt. Denn: Organisches Material wie Pollen, Blüten, Samen, Blätter und Staub fielen zwischen die Steine und verrotteten zu einer Humusschicht, die wiederum die Grundlage für die ersten Wildkräuter bilde.

Hier geht es zum Flyer: https://www.wolfenbuettel.de/media/custom/2672_4776_1.PDF?1549613904

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