Erste Digitalprofessoren starten im Herbst an der Ostfalia

Wolfenbüttel.  Dann beginnt der 2. Jahrgang des neuen Digital-Studienganges an der Wolfenbütteler Hochschule. In Corona-Zeiten ist es schwer, Studenten zu werben.

Im gemeinsamen Studiengang Digital Technologies der Ostfalia-Hochschule und der TU Clausthal wird fachübergreifend und anwendungsbezogen studiert. Die Studierenden bearbeiten in jedem Semester verschiedene Digitalisierungsprojekte im Team. Das Foto wurde vor der Corona-Pandemie aufgenommen.

Im gemeinsamen Studiengang Digital Technologies der Ostfalia-Hochschule und der TU Clausthal wird fachübergreifend und anwendungsbezogen studiert. Die Studierenden bearbeiten in jedem Semester verschiedene Digitalisierungsprojekte im Team. Das Foto wurde vor der Corona-Pandemie aufgenommen.

Foto: Christian Kreutzmann / TU Clausthal

Ein fehlender Abi-Jahrgang an den Gymnasien, keine Studieninformationstage vor Ort, abgesagte Messen: In Corona-Zeiten Studenten für einen neuen Studiengang zu werben ist kein leichtes Unterfangen. „Es bedarf schon einer gewissen Kreativität“, berichtet uns der Vizepräsident für Forschung, Entwicklung und Technologietransfer an der Ostfalia, Professor Gert Bikker, im Interview.

Der Bachelor-Studiengang Digital Technologies ging im Wintersemester 2019/20 an den Start und ist einer von mehreren Bausteinen der gemeinsamen strategischen Ausrichtung der Wolfenbütteler Hochschule und der Technischen Universität Clausthal in puncto Digitalisierung. Es handelt sich um ein sehr praxisorientiertes Informatikstudium, das die beiden Hochschulen gemeinsam anbieten. „Es gibt einen ganz starken Bezug zu den Anwendungen“, erklärt Bikker, der von Seiten der Ostfalia das Digital-Projekt koordiniert.

IT-Studium mit starkem Praxisbezug

Die Informatik-Lerneinheiten machen die Hälfte des Curriculums aus, die andere widmet sich Anwendungsgebieten wie Elektrotechnik oder Maschinenbau. Vom ersten Semester an arbeiten die Studenten einmal in der Woche in Projektteams zusammen. Räumlichkeiten dafür stehen in Wolfenbüttel, Goslar und Clausthal zur Verfügung.

In Corona-Zeiten tauschten sich die Teams mithilfe von Videokonferenzen aus. Am Ende des Sommersemesters durften sie unter Einhaltung der Corona-Regeln im Labor an der Realisierung arbeiten.

Was dabei herauskam, beeindruckte Professor Bikker mitunter. Ein Team arbeitete beispielsweise daran, die Belüftung im Bergwerk digital zu steuern. „Das lief so gut, dass mit dem Ergebnis nun Tests im Rammelsberg gemacht werden sollen“, berichtet Bikker stolz.

Der Wissenschaftler ist überzeugt, dass der Studiengang Digital Technologies aus der Studienlandschaft heraussticht. Mit eigens für die Videoplattform YouTube produzierten Filmen, Beiträgen auf Instagram und Onlinestudientagen versuchte die Fachhochschule in Zeiten der Pandemie verstärkt auf das neue Studienangebot aufmerksam zu machen.

Elf Studenten starteten 2019

Elf Studenten hatten sich zu Beginn des ersten Studienjahrs 2019 immatrikuliert, acht waren am Ende des zweiten Semesters noch dabei. „Wir waren angesichts einer nur zweimonatigen Bewerbungsphase mit der Resonanz zufrieden“, sagt Bikker. Zwischen zwei und fünf Jahre dauere es, bis sich so ein Studiengang etabliert. Ziel seien 50 bis 60 Studierende im Bachelor. In einem Jahr soll noch ein Master dazukommen, auch ein berufsbegleitender Studiengang ist geplant. „Bachelor und Master sind für fünf Jahre akkreditiert, dann werden wir schauen. Aber ich bin mir sicher, dass das läuft, denn die Nachfrage aus der Industrie ist hoch“, berichtet Bikker.

Die Studenten der Digital-Studiengänge sind jeweils an beiden Hochschulen immatrikuliert und können Angebote und Räumlichkeiten an allen Standorten nutzen. Auch eine Promotion ist aufgrund des Verbunds mit der TU Clausthal möglich. Wissenschaftler beider Hochschulen forschen gemeinsam in den Bereichen Mobilität, Energie, Kreislaufwirtschaft, Industrie 4.0, Autonome Systeme und innovative Geschäftsmodelle und IT-Management.

Für Digitalprofessuren fließen Millionen

Mit ihrem kooperativen Ansatz haben die beiden Bildungseinrichtungen im Rennen um die Digitalisierungsprofessuren, die das niedersächsische Wissenschaftsministerium fördert, gepunktet. Im vergangenen Jahr gab es den Zuschlag für zehn Digitalprofessuren, fünf für die Ostfalia und fünf für die TU Clausthal. Ein großer Erfolg für die Wolfenbütteler. Jährlich fließen für die zusätzlichen Professuren mit entsprechender Ausstattung insgesamt 1,74 Millionen Euro. Zudem stehen temporäre Mittel in Höhe von rund 8,34 Millionen Euro zur Verfügung, etwa für wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie für Infrastruktur.

Derzeit laufen die Ausschreibungen für die Digitalprofessuren. Es ist eine Herausforderung, die besten Köpfe nach Wolfenbüttel zu holen. Schließlich wird überall nach Digital-Expertise gesucht. Bikker aber ist zuversichtlich: „Wir haben ein besonderes Konzept. Hier kann man an der Schnittstelle von einer Universität und einer anwendungsorientierten Hochschule arbeiten.“ Im Herbst sollen die ersten ein bis zwei Stellen in Wolfenbüttel besetzt werden. Der restlichen Digitalprofessuren werden 2021 berufen.

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