Wolfenbütteler Fleischereien setzen auf regionale Produkte

Wolfenbüttel.  Rund 600 Geschäfte beziehen im Umkreis von 250 Kilometern Fleisch und Wurst vom Fleischer-Dienst Braunschweig. Die Kunden haben Vertrauen.

Vor der Fleischerei Bötel in Hornburg bildet sich in diesen Tagen immer wieder eine kleine Warteschlange, denn wegen der Corona-Pandemie dürfen immer nur zwei Personen gleichzeitig in die Fleischerei eintreten. Die Wartenden halten Abstand voneinander. 

Vor der Fleischerei Bötel in Hornburg bildet sich in diesen Tagen immer wieder eine kleine Warteschlange, denn wegen der Corona-Pandemie dürfen immer nur zwei Personen gleichzeitig in die Fleischerei eintreten. Die Wartenden halten Abstand voneinander. 

Foto: Stephanie Memmert

Fleisch und Wurst zu kaufen, ist schon immer Vertrauenssache gewesen. In Zeiten der Corona-Pandemie erst recht, findet Petra Kobbe, die in der Fleischerei Bötel in Hornburg zu den Stammkunden zählt. Kein Tag vergehe, an dem sie nicht die Nachrichten über neue Corona-Infektionen in Schlachthöfen verfolge. „Aber hier fühle ich mich sicher“, sagt sie und zupft an ihrem Mund-Nasen-Schutz.

Den muss sie – wie alle anderen Kunden auch – aufsetzen, wenn sie die Fleischerei an der Marktstraße betritt. Und: „Bitte nur 2 Personen eintreten! Abstand halten!“ steht auf einem Aufsteller geschrieben, der vor dem Geschäft steht. Kathrin Steinke, die mit Burkhard Eggers die Fleischerei Bötel betreibt, reicht fünf Wiener, eine Kochwurst und einen kleinen Becher Fleischsalat an einen anderen Kunden über den Tresen.

Sie erzählt, dass sie Fleisch und Wurst – außer aus eigener Produktion – vom Fleischer-Dienst Braunschweig beziehe. Der wiederum ist vielen Wolfenbüttelern bekannt, weil er in den vergangenen Jahren mit seiner großen Hausmesse in der Lindenhalle in die Öffentlichkeit gegangen ist. Wie die Geschäftsführung in einer Mail auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilt, sind in dem Unternehmen 107 Mitarbeiter tätig. Um Umkreis von 250 Kilometern beliefere der Fleischer-Dienst Braunschweig rund 600 Geschäfte.

Mit solchen Werkverträgen, wie sie jetzt in die Schlagzeilen geraten sind, arbeite das Unternehmen aber gar nicht: „Bei der Fleischer-Dienst Braunschweig e. G. arbeiten nur eigene Mitarbeiter mit fester Anstellung“, heißt es in dem Antwortschreiben an unsere Redaktion. Und: „Da wir keinen Schlachtbetrieb betreiben, sind laut heutigem Wissensstand keine flächendeckenden Coronatests notwendig“, so der Fleischer-Dienst Braunschweig weiter.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hatte Mitte Mai Coronatests für Mitarbeiter der Fleischindustrie im Land angekündigt. Vorausgegangen waren Hunderte Fälle von Corona-Infektionen von Werkvertragsarbeitern in Schlachtbetrieben in Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Der Fleischer-Dienst Braunschweig kündigt in seiner Mail an unsere Redaktion an: „Sollte in der Zukunft ein flächendeckender Corona-Test notwendig sein, werden wir diesen natürlich umgehend veranlassen beziehungsweise unterstützen.“

Bereits seit Anfang März habe der Fleischer-Dienst Braunschweig ein umfangreiches zusätzliches Hygienekonzept im Rahmen der Corona-Situation umgesetzt, das permanent der aktuellen Lage angepasst werde.

Kathrin Steinke ist mit ihrem Team seit Beginn der Coronakrise hinter einem sogenannten„Spuckschutz“ tätig. Das ist eine große, in einen Holzrahmen eingefasste Glasfläche, die sich über die ganze Breite der Fleischtheke erstreckt. „Hat mein Mann gebaut“, lobt sie die handwerklichen Fertigkeiten ihres Ehemannes Andreas und lächelt. Der „Spuckschutz“ ermöglicht den Mitarbeiten ein Arbeiten hinter der Fleisch- und Wursttheke ohne Mund-Nasen-Schutz.

In Wolfenbüttel steht Fleischermeister Frank Heine in seinem Geschäft am Kornmarkt. Er blickt in die Auslagen seines Verkaufstresens. Dann sagt er: „Wir beziehen unsere Waren ja nicht von der Großindustrie“ und es klingt schon fast ein wenig entrüstet. Auch Heine gehört zu den Kunden des Fleischer-Dienstes Braunschweig.

Von dort beziehe er das Schweinefleisch. Rindfleisch nehme er der Ise-Land Vermarktungsgemeinschaft für naturschutzgerecht erzeugte Agrarprodukte ab. Und dann holt der Fleischermeister aus Wolfenbüttel aus: „Wissen Sie, diese Missstände in der Großindustrie sind ja schon seit Jahrzehnten bekannt. Polen und Rumänen – die werden da doch wie Sklaven gehalten. Alle wissen das. Nicht erst seit Corona!“

In dasselbe Horn stößt Susanne Röder, Inhaberin des Gourmetmarktes Röber in Wolfenbüttel: „Unzumutbare Arbeitsbedingungen, nicht artgerechte Tierhaltung, Billigfleisch.“ Das könne ja nicht gut gehen. „Wir schauen uns unsere Lieferanten genau an und achten auf regionale Produkte.“

Unterdessen hat sich vor der Fleischerei Bötel eine kleine Warteschlange gebildet. Die Kunden stehen auf Abstand. Ein Mann kramt seinen Mund-Nasen-Schutz hervor, denn er ist der nächste, der in die Fleischerei eintreten darf.

Keiner schimpft, keiner meckert. „Ich bin echt dankbar, dass unsere Kunden so umsichtig und verständnisvoll sind“, sagt Kathrin Steinke und lächelt.

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