Schöppenstedt hat erstmals eine Bürgermeisterin

Schöppenstedt.  Sigmar Gabriel war der Überraschungsgast in der Eulenspiegelhalle bei Mühes Rücktritt als Bürgermeister.

Wegen des Abstandsgebots gestaltete sich auch die Übergabe der Bürgermeister-Amtskette von Karl-Heinz Mühe an seine Nachfolgerin Andrea Föniger etwas schwierig.

Wegen des Abstandsgebots gestaltete sich auch die Übergabe der Bürgermeister-Amtskette von Karl-Heinz Mühe an seine Nachfolgerin Andrea Föniger etwas schwierig.

Foto: Karl-Ernst Hueske

Damit hatte auch der scheidende Schöppenstedter Bürgermeister Karl-Heinz Mühe nicht gerechnet. Mitten in der Ratssitzung in der Eulenspiegelhalle, bei der es hauptsächlich um den Rücktritt von Bürgermeister Karl-Heinz Mühe (SPD) und der Wahl von Andrea Föniger (SPD) zu seiner Nachfolgerin ging, kam ein Überraschungsgast, der auch die Verdienste Mühes würdigen wollte. Es handelte sich um den ehemaligen SPD-Bundesvorsitzenden und Außenminister Sigmar Gabriel, mit dem Mühe eine jahrzehntelange Freundschaft verbindet, die bis auf die Jugendorganisation „Die Falken“ zurückgeht.

Allerdings war Gabriels Auftritt in der Eulenspiegelhalle genauso ungewöhnlich wie die gesamte Sitzung des Rates. Er durfte Mühe zum Beispiel nicht die Hand geben. Zwischen den Rats- und Verwaltungsmitgliedern war ebenso für den notwendigen Abstand gesorgt worden wie zwischen den zahlreich erschienenen Zuschauern. Am Eingang der Halle wurden Schutzmasken verteilt und das Mikro am Rednerpult wurde nach jedem Redner mit Desinfektionsmittel gereinigt. Und Redner gab es gleich mehrere zu Mühes Abschied als Bürgermeister von Schöppenstedt.

Den Auftakt machte der neue Samtgemeindebürgermeister Dirk Neumann, der Mühe für sein großes Engagement und seine Leidenschaft in den 29 Jahren als ehrenamtlicher Bürgermeister dankte und seiner Nachfolgerin Andrea Föniger viel Erfolg wünschte. Nachdem der Rat Mühes Rücktritts vom Amt des Bürgermeisters zur Kenntnis genommen hatte, erklärte Mühe: „Ich gehe zwar von der Brücke, aber bleibe an Bord.“ Und so geschah es auch. Unter Standing Ovations wechselte Mühe seinen Platz als Ratsvorsitzender auf der Bühne der Eulenspiegelhalle mit einem hinteren Platz in den Reihen der SPD-Fraktion. Zuvor hatte Mühe in einem kurzen Rückblick auf seine Tätigkeit als Bürgermeister erklärt: „Das Ergebnis kann sich sehen lassen, was wir gemeinsam erreicht haben. Mit 5500 Einwohnern hat Schöppenstedt eine hervorragende Infrastruktur. Wir haben es geschafft, die Daseinsvorsorge für alle Realität werden zu lassen.“

Seiner einstimmig gewählten Nachfolgerin Andrea Föniger, die Mühe einst selbst zum Mitwirken in der Kommunalpolitik überredet hatte, gab er noch mit auf den Weg: „Stillstand wäre auch in der Kommunalpolitik Rückschritt.“ Der Rat müsse sich in den nächsten Jahren intensiv um die Themen Klimawandel und Digitalisierung kümmern und dürfe aber auch nicht Asse II aus den Augen verlieren.

„Du hast etwas für Schöppenstedt bewegt und auch ins uns etwas bewegt. Du hast gut vorbereitete Politik betrieben“, stellte der SPD-Fraktionsvorsitzende Rüdiger Bobka in seiner Laudatio fest. Lob gab es auch von der CDU, deren Sprecher Hartwig Behrens Mühe für seinen jahrzehntelangen Einsatz für Schöppenstedt und für den fairen Umgang dankte.

Es folgten weitere Redner aus Stadt, Politik und Vereinsleben, ehe dann der Überraschungsgast Sigmar Gabriel das Wort ergriff: „Heimatliebe und Heimatverbundenheit zeichnen Mühe als Bürgermeister aus.“ Er habe sich in guter sozialdemokratischer Tradition stets auch um die bemüht, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Und er habe ein dickes Geldrohr von Hannover, wo Mühe jahrelang Landtagsabgeordneter war, nach Schöppenstedt gelegt, stellte Gabriel, der auch einige Jahre Ministerpräsident in Niedersachsen war, fest. Das erste Kita-Gesetz in Niedersachsen trage zum Beispiel Mühes Handschrift. Gabriel bescheinigte Mühe abschließend eine „große Lebensleistung“.

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