Wolfenbütteler Familien im Ausnahmezustand

Wolfenbütteler Eltern sind neben ihrer Berufstätigkeit derzeit auch noch als Lehrkräfte, Erzieher und Erzieherinnen im Einsatz.

Viele Wolfenbütteler Eltern sind derzeit im Notmodus. Unsere Redaktion erreichen vermehrt Hilferufe von Müttern und Vätern, die unter der Belastung von Homeoffice oder Rückkehr ins Büro und Kinderbetreuung leiden. Auch Bürgermeister Pink weiß um die Sorgen und warb in einem offenen Brief um das Verständnis der Eltern. Seit Wochen sind die Kindergärten geschlossen.

Auch der Schulbetrieb läuft erst langsam wieder an. Am Montag sind 1100 Schüler im Landkreis in die Klassenzimmer zurückgekehrt. Die meisten von ihnen gehören Abschlussklassen an. Tausende andere sind weiterhin zu Hause. Wolfenbütteler Eltern sind neben ihrer Berufstätigkeit derzeit auch noch als Lehrkräfte, Erzieher und Erzieherinnen im Einsatz. Ganz zu schweigen von der Rolle des Spielgefährten, die sie einnehmen. So kommt es, dass viele am Abend, wenn der Nachwuchs irgendwann schläft, an den Schreibtisch zurückmüssen und Liegengebliebenes für den Job aufarbeiten. Die Tage werden mitunter doppelt so lang. Hinzukommen Ängste, finanzielle Sorgen und Nöte.

Corona hat den Alltag der Familien grundlegend verändert. Die Situation ist für alle Beteiligten zu einer Belastung geworden – für die Eltern aber auch für die Kinder. Einige kritisieren, dass die Politiker davon ausgehen würden, dass kleine Kinder zu Hause einfach „mitlaufen“, wenn Mama und Papa arbeiten. Das funktioniere aber so nicht. Im Gegenteil: Kleine Kinder brauchen besonders viel Aufmerksamkeit. Viele vermissen die Kita. Dort lernen die Kinder viel – zum Beispiel den Umgang mit anderen Kindern, das können die Eltern nicht ersetzen. Vor allem Mütter stehen derzeit unter Druck. Erste Studienergebnisse zeigen, dass die Frauen in diesen Krisenzeiten eher die Sorgearbeit tragen. Sie übernehmen die Mehrarbeit im Bereich Betreuung, Homeschooling und der Hausarbeit. Stellen ihren eigenen Job zurück oder erledigen diesen unter großem Stress nebenher oder abends, wenn die Kinder im Bett liegen.

Auch wenn die Notbetreuung ausgeweitet wird, reicht das nicht aus. Ein Stufenplan mit konkreten Schritten muss her. Vielleicht könnte die Betreuung in kleinen Gruppen, in verschiedenen Räumen zumindest tageweise wieder möglich sein. Auch einige Experten meldeten sich diese Woche zu Wort mit der Aussage, dass diese Situation bis nach den Sommerferien nicht so weitergehen kann.

Vielen ist bewusst, dass die Maßnahmen getroffen werden, um die Corona-Pandemie einzudämmen. Aber auf Dauer ist dieser Kraftakt einfach nicht zu leisten. Die Eltern brauchen eine konkrete Perspektive.

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