Gäste entdecken Schätze aus der Geschichte

Wolfenbüttel.  Das Niedersächsische Landesarchiv und das Landeskirchliche Archiv öffnen in Wolfenbüttel ihre Türen und zeigen Schätze.

Über Turmknäufe wie der gelbe (links) aus Scheppau berichtete Birgit Hoffmann im Landeskirchlichen Archiv.

Über Turmknäufe wie der gelbe (links) aus Scheppau berichtete Birgit Hoffmann im Landeskirchlichen Archiv.

Foto: Stephanie Memmert

Das weltweit grassierende Coronavirus hat Brage Bei der Wieden, den Leiter des Niedersächsischen Landesarchivs in Wolfenbüttel, und sein Team veranlasst, am Tag der Archive auch über Seuchen aus früheren Zeiten zu informieren. Im Landeskirchlichen Archiv ging es um Turmknäufe, Kirchenbücher und Familienforschung. Beide Einrichtungen waren am Samstag außerordentlich gut besucht.

Drei Führungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten bot das Niedersächsische Landesarchiv am Forstweg in Wolfenbüttel an. Das bundesweite Thema am Tag der Archive lautete diesmal „Von der Depesche zum Tweet“. Wie gingen die Menschen aber früher mit Seuchen um? Bei der Wieden erinnerte zunächst an die Spanische Grippe von 1918. Geschätzt 30 bis 100 Millionen Menschen seien damals an dieser Erkrankung weltweit gestorben.

Zunächst hätten die Ärzte damals gedacht, es handele sich um Bakterien, die die Erreger sein könnten, doch dann habe sich herausgestellt, dass es Viren gewesen seien. „Allerdings mussten sie ihren Kampf gegen die Spanische Grippe verloren geben“, erzählte der Leiter des Niedersächsischen Landesarchivs. „Allein in Braunschweig starben 500 Menschen an der Spanischen Grippe. Im Braunschweiger Land waren es 1800“, so Bei der Wieden. Vorsichtsmaßnahmen hätten damals kaum mehr ergriffen werden können.

Noch früher habe es immer wieder Pestwellen in Deutschland gegeben. Ein Traktat der Universität Helmstedt erinnert daran, was die Menschen damals gegen die Pest machen konnten. Erstens: Die Krankheit sei von Gott geschickt worden – ein theologischer Ansatz. Zweitens: Es habe Ordnung geschaffen und Quarantänegebiete eingerichtet werden müssen – ein polizeilicher Ansatz. Drittens: Welche Medizin könnte helfen? Ein medizinischer Ansatz. Weitere Themen waren die Emser Depesche und Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen, der vor 300 Jahren geboren wurde.

Jürgen Diehl, Verwaltungsleiter des Niedersächsischen Landesarchivs, Abteilung Wolfenbüttel, stellte die Einrichtung vor. 21 Mitarbeiter gebe es in Wolfenbüttel. Zwölf Millionen Euro lasse sich das Land das Archivwesen ohne Baumaßnahmen jährlich kosten. In Wolfenbüttel gebe es jährlich 800 Benutzer und umgerechnet 2800 Benutzertage.

Im Landeskirchlichen Archiv führte Leiterin Birgit Hoffmann die Besucher durch die Räume. Derzeit sei das Archiv bereits gefüllt. „Wir hoffen auf eine Erweiterung“, sagte Birgit Hoffmann. Nebenbei erfuhren die Besucher, dass die Temperatur der Räume stets auf einem Niveau zwischen 16 und 20 Grad Celsius gehalten werde. Die Luftfeuchtigkeit betrage zwischen 35 und 55 Prozent.

Sodann ging es um das Thema „Kirchenbücher“. Vom Jahr 1569 an werden sie geführt, also seit der Einführung der Reformation. Birgit Hoffmann zeigte das älteste Kirchenbuch von 1569 aus dem Braunschweigischen. 1875 wurden die Standesämter eingeführt. Bei ihnen sind fortan die Daten über Geburt und Tod verzeichnet, während in den Kirchenbüchern Taufe, Trauung und Bestattung verzeichnet bleiben. Unterdessen seien eine ganze Reihe von Kirchenbüchern – zum Beispiel für Goslar und Schöningen – schon digitalisiert. Die Kirchenbücher von Braunschweig würden derzeit digitalisiert. Damit haben es Familienforscher inzwischen wesentlich leichter, denn für sie entfällt das Entziffern der mitunter nicht so einfach zu lesenden Handschriften in den Kirchenbüchern. Im Landeskirchlichen Archiv gab es auch Schätze zu besichtigen: eine handkolorierte Bibel von 1551 aus Groß Twülpstedt.

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