Grafiken in Wolfenbüttel reduzieren Merkel auf das Wesentliche

Wolfenbüttel.  Der Künstler Timo Rödiger stellt ab Freitag in der Vita-Villa in Wolfenbüttel seine „Identicons“ aus. Diese reduzieren auf das Wesentliche.

Grafiker Timo Rödiger aus Braunschweig präsentiert ab Freitag seine „Identicons“ in der Vita-Villa im Kleinen Zimmerhof 9 in Wolfenbüttel.

Grafiker Timo Rödiger aus Braunschweig präsentiert ab Freitag seine „Identicons“ in der Vita-Villa im Kleinen Zimmerhof 9 in Wolfenbüttel.

Foto: Kerstin Kalkreuter

Mit Angela Merkel hat alles angefangen. „Ich bin Grafiker. Da probiert man verschiedene Sachen aus. Ich habe einen Kreis mit einer darunter stehenden Raute entworfen. Und da dachte ich: ,Das ist ein Zeichen für Frau Merkel’ “, erzählt der Braunschweiger Künstler Timo Rödiger. In diesem Moment seien ihm Ideen für viele weitere Personen eingefallen. Das war 2014, der Startschuss für seine „Identicons“. Stilistisch orientieren sich diese grafischen Symbole an den Gender-Icons, also den Strichzeichen für weiblich (Venusspiegel) und männlich (runder Schild mit Speer). „Ich habe versucht, diese Einfachheit beizubehalten und so die Identität eines Menschen darzustellen“, sagt der 50-Jährige.

Bereits mehr als 1000 Icons seien auf diese Weise am Computer entstanden. Etwa 350 davon sind ab Freitag in einer Ausstellung in der Vita-Villa im Kleinen Zimmerhof 9 zu sehen. Durch ihre Einfachheit und Reduktion setzten diese Symbole eine Menge beim Betrachter voraus: „Es ist nur bei ganz wenigen so, dass sie so eindeutig sind, dass jeder sie sofort erkennt“, erläutert der Grafiker seine Werke. Besucher sollten sich deshalb Zeit nehmen und sich auf die Grafiken einlassen.

„Es ist hilfreich, um die Ecke zu denken und ein wenig Allgemeinwissen und Humor mitzubringen“, sagt der Künstler. Für Rödiger sei deshalb der Austausch mit den Ausstellungsbesuchern wichtig: „Im Gespräch erfahre ich, ob ich über das Ziel der Abstraktion hinausgeschossen bin.“ Neben der besonderen Form sei auch die Farbgestaltung ein Mittel, um die abgebildete Persönlichkeit entschlüsseln zu können.

Von der ersten Idee bis zur fertigen Umsetzung braucht der 50-Jährige, der als Grafikdesigner bei einer Braunschweiger Werbeagentur arbeitet, etwa zehn Minuten. „Entweder die Idee kommt sofort oder nie“, sagt er. Es passiere auch, dass er die Eingebung für ein neues Symbol morgens unter der Dusche habe: „Dann male ich meinen Einfall an die Kacheln der Dusche.“

Sein Projekt, das Rödiger als „grafisches Hobby“ bezeichnet, gehe immer weiter. Ihm fielen häufig auch noch Änderungen für fertige Grafiken ein: „Manchmal bleibe ich an einem Icon hängen und ändere beispielsweise noch einmal die Farbe.“ Deshalb bezeichnet Rödiger seine „Identicons“ auch als „lebendiges Gesamtwerk“. Sein Lieblings-Identicon sei übrigens das von Che Guevara. Aber er möge auch das von Angela Merkel, „weil das Identicon so treffend ist und der Startschuss für alles gewesen ist.“

Die Vernissage zur Ausstellung „Vier & Jetzt“ beginnt am Freitag, 17. Januar, um 19 Uhr in der Vita-Villa, Kleiner Zimmerhof 9. Bei der Eröffnung wird Lyriker Thorsten Stelzner, begleitet von Géza Gál, einige vertonte Gedichte vortragen. Die Ausstellung kann bis Samstag, 1. März, immer dienstags von 10 bis 16 Uhr, mittwochs und freitags von 15 bis 19 Uhr sowie nach Vereinbarung besucht werden.

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