Landesbehörde: kein Grund für Sperrung wegen Amphibien

Volzum.  Der Amphibienschutz auf der L629 zwischen Lucklum und Volzum sei sichergestellt, so die Behörde. Ehrenamtliche Amphibienschützer widersprechen.

Der Wanderradius der Amphibien hat sich vergrößert. so dass sie häufiger auf die Fahrbahn gelangen.

Der Wanderradius der Amphibien hat sich vergrößert. so dass sie häufiger auf die Fahrbahn gelangen.

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa-tmn

Seit mehr als drei Jahren setzt sich die Amphibienschutzgruppe Veltheim für eine nächtliche Sperrung der Landesstraße 629 zwischen Volzum und Lucklum während der Wanderungszeit von Kröten, Fröschen und Lurchen ein. Unterstützung bekommen die Naturschützer auch aus dem Landtag. Die Abgeordneten Dunja Kreiser (SPD), Frank Oesterhelweg (CDU) und Detlev Schulz-Hendel (Grüne) setzen sich dafür ein, dass die Landesstraße an 20 Nächten im Jahr zwischen 19 Uhr und 6 Uhr mit Schranken gesperrt wird, damit die Amphibien die Fahrbahn überqueren können (wir berichteten).

Auch der Kreistag hat sich laut Landkreissprecher Andree Wilhelm bereits einstimmig für eine Sperrung ausgesprochen. „Der Landkreis Wolfenbüttel würde die Kosten für diese Maßnahme übernehmen. Das beträfe den Bau von zwei Schranken, die Beschilderung sowie die Personalkosten für das Auf- und Abschließen zur Nacht. Die Kosten für die Schranken lägen etwa bei 3000 Euro“, so Wilhelm. Doch um die nächtliche Straßensperrung zu realisieren, müsste die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr zustimmen. Die sieht allerdings keinen Grund für eine Sperrung.

„Die L629 ist während dieser Zeit mit einem Krötenschutzzaun versehen und von 19 bis 6 Uhr auf 50 km/h geschwindigkeitsbeschränkt. Damit ist der Amphibienschutz grundsätzlich sichergestellt“, sagt Bernd Mühlnickel, Leiter des Geschäftsbereichs Wolfenbüttel der Landesbehörde.

Das sehen die Amphibienschützer anders. Dadurch, dass die Population der Amphibien deutlich angestiegen sei und sich der Wanderradius der Tiere vergrößert habe, reichten die Zäune als Schutz nicht mehr aus, da viele Amphibien an anderen Stellen die Straße überquerten. Auch eine eventuelle Verlängerung der Schutzzäune, die die Landesbehörde prüfen möchte, löse das Problem nicht. „Auch diese Zäune müssten ja kontrolliert werden“, sagt Diethelm Krause-Hotopp von der Amphibienschutzgruppe. Dies sei für die zurzeit drei Ehrenamtlichen, die sich um den Straßenabschnitt zwischen Volzum und Lucklum kümmern, nicht zu bewältigen.

„Das Fehlen von ehrenamtlichen Helfern ist kein sachlicher Grund für eine Vollsperrung einer Bundes- oder Landesstraße im Sinne des Verkehrsrechts“, erklärt hingegen Bernd Mühlnickel von der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. „Bisher wurden Straßenabschnitte wegen der Amphibienwanderung nur gesperrt, wenn keine Möglichkeit zur Errichtung von Amphibienschutzzäunen bestand.“ Dieses grundsätzliche Vorgehen sei den Landtagsabgeordneten auch vom Wirtschaftsministerium bereits 2018 bestätigt worden und habe nach wie vor Bestand.

Diethelm Krause-Hotopp kann sich mit dieser Erklärung nicht zufrieden geben. „Nach dieser Argumentation dürfte es ja nirgendwo Straßensperrungen geben“, sagt er. Die gebe es jedoch – zum Beispiel im Reitlingstal. Der Amphibienschützer kündigt an, eine Petition in den Landtag einzubringen, sollten auch weitere Gespräche mit dem Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft und Verkehr nicht zum Erfolg führen. „Das ist dann die letzte Möglichkeit, gegen Behörden-Willkür vorzugehen“, so Krause-Hotopp.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder