Neue Gedenkstätte in der JVA ab 19. November geöffnet

Wolfenbüttel.  Die Bauarbeiten am neuen NS-Dokumentationszentrum auf dem Gelände des Wolfenbütteler Gefängnisses sind wegen der Sicherheitsvorgaben komplex.

Bei dem neuen Dokumentationszentrum soll es sich mit Gesamtkosten von 5,2 Millionen Euro um das größte laufende Projekt zur Neugestaltung einer Gedenkstätte in Niedersachsen handeln. Die Kosten werden hälftig von Bund und Land getragen.

Bei dem neuen Dokumentationszentrum soll es sich mit Gesamtkosten von 5,2 Millionen Euro um das größte laufende Projekt zur Neugestaltung einer Gedenkstätte in Niedersachsen handeln. Die Kosten werden hälftig von Bund und Land getragen.

Foto: Gedenkstätte in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wolfenbüttel

Die Konstellation ist einzigartig in Deutschland: eine Gedenkstätte, die in einem Hochsicherheitsgefängnis betrieben wird. Am historischen Ort des ehemaligen Strafgefängnisses Wolfenbüttel, mit einer 1937 eingerichteten Hinrichtungsstätte, thematisiert die Gedenkstätte in der JVA die Geschichte von Justiz und Strafvollzug im Nationalsozialismus.

Seit 2017 baut das Land Niedersachsen auf dem Gelände der Haftanstalt ein neues Dokumentationszentrum, das die Gedenkstätte erweitern soll (wir berichteten mehrfach). Aufgrund der Rahmenbedingungen ein komplexes Unterfangen. „Das ist ein hoch komplizierter Bau“, bestätigt Bauprojekt-Leiter Karl-Michael Heß, „aufgrund des geringen Platzes, den wir zur Verfügung haben, und der Sicherheitsbestimmungen der JVA.“

In Zukunft kann jeder Interessierte während der Öffnungszeiten die Gedenkstätte besuchen. Bisher war das nur mit Voranmeldung möglich. Das neue Dokumentationszentrum soll über einen extra in der Gefängnismauer geschaffenen Zugang vom Parkplatz der Volksbank aus erreicht werden. Eine Herausforderung für die Sicherheitstechnik. Denn: „Wir sind damit die Außenmauer der JVA“, erklärt die Leiterin der Gedenkstätte und des Neugestaltungsprojekts Martina Staats im Gespräch mit unserer Zeitung. Auf dem Dach des Neubaus wurde deswegen umliegend Nato-Draht angebracht. Kameras überwachen das Gelände.

Herausforderung Nummer 2: Der beengte Raum. „Die JVA hat uns 350 Quadratmeter zur Verfügung

gestellt – und keinen Zentimeter mehr“, sagt Heß. Um unter anderem den Raum so gut wie möglich auszunutzen und trotzdem alle Abstandsvorgaben einzuhalten, wurden die beiden Obergeschosse überhängend gebaut. Die Grundfläche beträgt im Erdgeschoss 255 Quadratmeter und im ersten Obergeschoss 350 Quadratmeter. Das heißt, dass 90 Quadratmeter Ausstellungsfläche quasi „in der Luft hängen“. Im zweiten Stock mit 313 Quadratmetern Grundfläche werden die Mitarbeiter des Gedenkstätten-Teams Büroräume beziehen, auch ein Archivraum wird eingerichtet. Im ersten Stock wird ab Mittwoch die neue Dauerausstellung eingerichtet. Tischler fertigen die Einrichtungselemente an. Parallel dazu werden die Medien eingerichtet.

Ursprünglich war die Eröffnung des Neubaus in der JVA für Ende 2018 geplant. Nachdem sich die Eröffnung aufgrund von Bauverzögerungen auf den Sommer dieses Jahres verschoben hatte, steht mittlerweile das Datum der Eröffnung fest: Das nagelneue Dokumentationszentrum mit der neuen Dauerausstellung wird ab dem 19. November für Besucher geöffnet sein. „Ich bin total froh, dass wir im November öffnen können“, sagt die Leiterin der Gedenkstätte. „Auch eine frühere Eröffnung im September hätten wir geschafft, aber es ist viel entspannter so“, sagt Staats.

Die offizielle Eröffnung mit geladenen Gästen ist für den 17. November terminiert. Gefeiert wird nicht in dem Neubau der Gedenkstätte, sondern im Lessingtheater. Der für Events gedachte Multifunktionsraum des Dokumentationszentrums fasst nur 80 Personen. Erwartet werden aber Hunderte. „Das ist eine wichtige Eröffnung in Niedersachsen, aber auch in der Bundesrepublik“, sagt Staats.

Nach den Reden bringen Shuttles die Gäste zum Neubau. Dort können sie als erste die Ausstellung erleben, bevor das zwei Tage später alle Bürger tun können. Dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr.

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