Herzog-August-Bibliothek digitalisiert rare Handschriften

Wolfenbüttel.   Innerhalb von drei Jahren werden 100.000 Seiten fotografiert und im Internet veröffentlicht. Die HAB kooperiert dabei mit der Bodleian Library Oxford.

Christian Heitzmann koordiniert auf der Seite der HAB das Digitalisierungsprojekt, bei dem 200 Handschriften der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.

Christian Heitzmann koordiniert auf der Seite der HAB das Digitalisierungsprojekt, bei dem 200 Handschriften der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.

Foto: Maria Osburg

Im Mittelalter hatte jedes gute Kloster eine eigene Schreibstube. Dort waren mitunter regelrechte Schreib-Profis am Werk. Mönche und Nonnen, die zum Teil Monate lang an einem Buch saßen. Die Buchstabe für Buchstabe mit der Feder und größter Präzision Gebetbücher und theologische Erbauungsliteratur aufs Papier brachten und die Seiten zum Teil üppig verzierten.

Aus 400 bis 600 Seiten besteht eine mittelalterliche Handschrift im Durchschnitt. Am Tag schaffte ein geübter Schreiber 8 bis 10 Seiten – im Sommer, wenn es lange hell war, mehr, im Winter weniger. 200 von diesen raren Kostbarkeiten aus dem Mittelalter, die in der Herzog-August-Bibliothek aufbewahrt werden, sollen nun einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Bis dato können nur Besucher nach Voranmeldung und mit einem wissenschaftlichen Interesse die seltenen Exemplare einsehen. „Wir müssen die kostbaren Originale schonen“, sagt der Leiter der Abteilung Handschriften der HAB Christian Heitzmann.

Nun werden innerhalb von drei Jahren 200 der insgesamt 3000 mittelalterlichen Schriften der HAB digitalisiert und im Internet einer breiten Öffentlichkeit kostenfrei zur Verfügung gestellt. „Insgesamt 100.000 Seiten werden so aufgenommen“, berichtet Heitzmann, der das Projekt koordiniert. Sie wurden zwischen dem 10. und dem 15. Jahrhundert verfasst und stammen aus niedersächsischen Klöstern in Braunschweig (Stift St. Blasius), Hildesheim (Sülte), Helmstedt (Marienberg), Bad Gandersheim (Clus) und Bad Bevensen (Medingen).

Bei dem Digitalisierungsprojekt arbeitet die HAB mit der Bodleian Library an der Universität Oxford zusammen. So kooperieren zwei der bedeutendsten Handschriftensammlungen in England und Deutschland. Die Oxforder digitalisieren vor allem Handschriften aus den Klöstern in Würzburg und Mainz, die im 30-jährigen Krieg auf die Insel kamen. „Das Projekt hat damit auch eine wissenschaftspolitische Dimension“, sagt HAB-Direktor Peter Burschel. So werde der Austausch mit der britischen Institution gefördert. Viele Einrichtungen in Großbritannien seien verunsichert wegen des drohenden Brexits. Die britische Polonsky Foundation fördert das Gemeinschaftsprojekt.

Auch technisch profitiere die Wolfenbütteler Bibliothek. Eine spezielle Kamera bekamen die beiden Fotografinnen an die Hand, die für die Digitalisierung zuständig sind. Die Bilder, die damit gemacht werden, sind hochauflösend, so dass die Nutzer weit in die Bilder reinzoomen können, um jeden Pinselstrich zu erkennen, erklärt Heitzmann.

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