Fast wäre das Bremersche Haus in Wolfenbüttel eingestürzt

Wolfenbüttel.  Bei Bauarbeiten wäre das Bremersche Haus in Wolfenbüttel 1970 beinahe eingestürzt. Stützbalken waren vergessen worden.

Blick auf das Papierwarengeschäft Bremer in den 70er-Jahren. Hier sieht man noch parkende Autos in der Langen Herzogstraße, die zu diesem Zeitpunkt noch keine Fußgängerzone war.

Blick auf das Papierwarengeschäft Bremer in den 70er-Jahren. Hier sieht man noch parkende Autos in der Langen Herzogstraße, die zu diesem Zeitpunkt noch keine Fußgängerzone war.

Foto: Privat

Als Bernhard Bremer 55 Jahre alt war, übergab er das Papierwarengeschäft an seinen Sohn Heinz in zweiter Generation. Der war bei der Übernahme zwar erst 25 Jahre alt, aber sehr geschäftstüchtig. Ortsheimatpfleger Adalbert Kursatzky, der zur Zeit die Geschichte der Häuser und Geschäfte an der Langen Herzogstraße erforscht, hat das damalige Papierwarengeschäft Bremer genau unter die Lupe genommen (wir berichteten).

Heinz Bremer kündigte den 1911 mit der Wäscherei Edelweiss geschlossenen Vertrag für die Annahme der zu reinigenden Wäsche. Die Dampf-Waschanstalt selbst hatte ihren Sitz am Krambuden 4. Kursatzky erzählt: „Heinz Bremer hatte erkannt, dass die Kombination seines Geschäftes mit der Annahme schmutziger Wäsche nicht gerade verträglich war.“ Als externe Edelweiss-Annahmestelle sei danach nur noch das Geschäft von Hermann Balke, Seilermeister in der Lange Herzogstraße 29, geblieben.

Und schon bald habe es die erste größere Baumaßnahme im Papierwarengeschäft gegeben. Davor aber sei das Optikergeschäft von Wilhelm Behrens in das zwischenzeitlich freigewordene Juweliergeschäft von Gustav Görrig auf der gegenüberliegenden Straßenseite gezogen. Kursatzky weiter: „Nach dem Auszug von Wilhelm Behrens belegte Eduard Müller, der in der Neuen Straße 42 – Ecke Gymnasialgasse – wohnte, mit einem Käsegeschäft diese freigewordenen Räumlichkeiten, bis dann die NSDAP während des Krieges hierin eine Probierstube für Brot einrichtete.“ Für die Wolfenbütteler Bürger seien verschieden belegte Brothappen aus unterschiedlichen Teigen zur kostenlosen Probe angeboten worden. „Es wird sogar behauptet, dass die Teige mit Sägemehl angereichert gewesen sein sollen“, sagt der Ortheimatpfleger.

Nach den geschäftlich schwierigen ersten Nachkriegsjahren, habe so langsam in den 1950er Jahren der wirtschaftliche Aufschwung begonnen. So seien im Jahre 1957 die Verkaufsräume komplett neu gestaltet und die Sparte Büromaschinen aufgenommen worden. Auch sei in diesem Jahr Sohn Heinz mit 24 Jahren nunmehr in dritter Generation in den elterlichen Betrieb eingezogen.

Kursatzky: „Das Geschäft entwickelte sich fortan weiter und es entstanden bald wieder Pläne für größere Veränderungen. Ein längst notwendig gewordenes neues Lagerhaus entstand 1969 im Hinterhof und am 23. März 1970 folgte der Ausbau des Ladengeschäftes.“ Hierzu sei der gesamte Geschäfts- und Eingangsbereich verändert worden. Der bisherige Hausflur und Durchgang zum Hinterhof, wie auch die im rechten Teil der Immobilie liegenden Ausstellungsräume, seien mit in die Verkaufsfläche eingebunden worden.

Während dieser Bauarbeiten kam es fast zu einer baulichen Katastrophe. Der Ortsheimatpfleger erzählt weiter: „Aus baulicher Unachtsamkeit wäre beinahe der gesamte Innenbereich des Gebäudes eingestürzt. Durch die Entfernung der tragenden Wände im Erdgeschoss gab die Holzbalkenlage zum Obergeschoss mit lautem Knacken nach und geriet in Bewegung. Die tragenden Wände waren nicht mit Stützen abgesichert worden.“

Auf dieser Balkenlage seien im Flur des Obergeschosses schwarz-weiße Fußbodenfliesen aufgebracht gewesen, die aus dem Salzdahlumer Schloss stammen sollen und sich heute noch hier befinden. Das Gewicht dieser Fliesen habe die Decke massiv nach unten gedrückt und nur durch sofort eingebrachte Stützen habe ein großer Schaden verhindert werden können.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder