Frauenschutzhaus Wolfenbüttel muss Gewaltopfer abweisen

Wolfenbüttel.  Das Frauenschutzhaus in Wolfenbüttel konnte im Jahr 2018 insgesamt 54 Frauen aufnehmen. 78 Frauen fanden hingegen keinen Platz.

Seit Februar 2018 ist die Istanbul-Konvention in Kraft getreten – sie soll Frauen vor Gewalt schützen. Das Frauenschutzhaus in Wolfenbüttel sieht jedoch noch keine Veränderung (Symbolbild).

Seit Februar 2018 ist die Istanbul-Konvention in Kraft getreten – sie soll Frauen vor Gewalt schützen. Das Frauenschutzhaus in Wolfenbüttel sieht jedoch noch keine Veränderung (Symbolbild).

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Insgesamt 132 Frauen haben im Jahr 2018 Hilfe beim Frauenschutzhaus gesucht. 78 von ihnen konnten nicht in der Einrichtung untergebracht werden – weil kein Platz mehr frei war. Und das, obwohl im Februar des Jahres die Istanbul-Konvention in Kraft getreten ist: ein Übereinkommen zur Bekämpfung von Gewalt an Frauen und häuslicher Gewalt.

Was passiert mit den Frauen, für die kein Platz frei ist? „Wir versuchen dann eine andere Unterkunft zu vermitteln“, erklärt Tanja Friese, psychosoziale Mitarbeiterin des Frauenschutzhauses. Da jedoch alle Frauenschutzhäuser in der Region zu wenig Kapazitäten hätten, müssten die Frauen in weiter entfernte Einrichtungen ziehen. Und wenn sie das zum Beispiel aus beruflichen Gründen nicht können oder nicht wollen? „Dann schreiben wir die Frauen auf eine Warteliste und geben ihnen Tipps, wie sie sich weiter verhalten sollen“, sagt Friese. Ein gutes Gefühl habe dabei aber niemand.

Die im Februar 2018 in Deutschland in Kraft getretene Istanbul-Konvention sollte eben diesen Platzmangel in Frauenschutzhäusern beheben. In dem europäischen Abkommen ist festgelegt, dass Hilfsangebote für Frauen verbessert werden sollen. Dazu gehören unter anderem auch eine gute psychologische und rechtliche Beratung und die Einrichtung von Frauenschutzhäusern. Dennoch konnte laut Friese nur „die Spitze des Eisbergs“ an Frauen aufgenommen werden – 54 waren es im vergangenen Jahr.

Die Mitarbeiter der Einrichtung wünschen sich vom Bund die konsequente Durchsetzung des Übereinkommens. Aber auch vom Landkreis erhoffen sie sich Unterstützung. Ein großer Teil der Aufnahmen in die Einrichtung erfolgt durch einen Bereitschaftsdienst, der rund um die Uhr vor Ort ist. Studentinnen kümmern sich außerhalb der Bürozeiten um die Anrufer und Neuankömmlinge – komplett spendenfinanziert. „Wir wünschen uns eine feste Kostenzusicherung für diesen Dienst“, sagt Friese.

Das Frauenschutzhaus in Wolfenbüttel hat Platz für neun Frauen. Außerdem können bis zu 15 Kinder aufgenommen werden. Im Schnitt bleiben die Frauen etwa drei Monate. In dieser Zeit werden sie psychologisch und in Rechtsfragen betreut. Außerdem helfen die Mitarbeiter bei der Suche nach einer eigenen Wohnung. „Bei der Wohnungsmarkt-Situation in der Umgebung kann das schon einige Zeit dauern“, sagt Friese. Dadurch blieben die Frauen teils länger, als eigentlich nötig.

Auch wenn es zum Teil schwierig ist, einen Platz für die Frauen zu finden, sollten sie sich laut Friese nicht abschrecken lassen. „Alle Opfer von häuslicher Gewalt sollten den Mut haben anzurufen“, sagt sie. Nur so könne geholfen werden. Acht Jahre brauche eine Frau im Schnitt, um sich für diesen Schritt zu entscheiden.

Wer sich erstmal beraten lassen möchte, könne sich an die Beratungs- und Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt (BISS) wenden.

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