Wolfenbüttel: Musikalische Zeitreise zum Geburtstag

Wolfenbüttel.   Die St.-Trinitatis-Kirche feiert ihren 300. Ehrentag mit einem thematischen Konzert durch die letzten Jahrhunderte.

Beim Konzert in ST. Trinitatis musizierten: (von links) Norina Herglotz, Clara Ahrens, Helen Müller und Heribert Haase.

Beim Konzert in ST. Trinitatis musizierten: (von links) Norina Herglotz, Clara Ahrens, Helen Müller und Heribert Haase.

Foto: Rainer Sliepen

Es war fast so, wie beim Geburtstag einer betagten lieben Tante: Die Familie ist eingeladen, rühmt ihre nettes Wesen und freut sich auf den leckeren Kuchen. Nun, die Kirche St. Trinitatis im Herzen Wolfenbüttels ist keine Tante. Aber die Gäste, die zu ihrem 300. Geburtstag ihren Innenraum füllten, fühlten sich bei ihr erkennbar genauso wohl. Denn wer das als evangelisch-lutherische Predigtkirche konzipierte Gotteshaus betritt, hat das sichere Gefühl, willkommen zu sein.

Das Geschenk der Kirche an ihre Gemeinde sei ein thematisches Konzert, so Propst Schultz-Seitz in seiner Begrüßung. Statt trockener historischer Daten also eine musikalische Zeitreise durch drei Jahrhunderte. Zu Beginn eine Triosonate von Johann Sebastian Bach mit Maximilian, Violine, Alexander, Cello, und Kuno Galter, Cembalo und Klavier, sowie Flötist Lothar Prause. Eine empfindsame Musik voller Farben und rhythmischer Prägnanz, geschrieben um 1720.

Wenn auch die geplante Konzeption des Dreiklangs von Altar, Kanzel und Orgel im Chor nicht verwirklicht werden konnte, sind doch die Ideen des Landbaumeisters Hermann Korb bis heute erhalten und von bestechender Wirkung, wie Christoph Schaper erläuterte. Hierzu gehörten ihre Größe mit 1000 Sitzplätzen, die strahlende Helligkeit, die Raumkonzeption mit freiem Blick von jedem Platz und ihre wunderbare Akustik.

Und so erklangen die zwei Sätze eines Streichquartetts Boccherinis, neben den Galters gespielt von Christoph Kaspareit, Violine, und Jane Hofmüller, Viola, trotz ihrer zarten Lieblichkeit durchhörbar bis hinauf zur zweiten Empore. Korb als gelernter Zimmermann habe, so Schaper, kunstvoll mit dem Baustoff Holz gearbeitet. Außen Stein, innen Holz. Der Schall auch bei großen Ensembles breitet sich ungehemmt und unverfälscht im gesamten Sakralraum aus.

Aber auch bei kleinen Besetzungen, wie dem Klarinettenquartett von Johan de Wit mit Norina Herglotz, Clara Ahrens, Helen Müller und Heribert Haase. Tastend, mit dissonanten Anklängen und rätselhaft wirkt das Quartett. Wie eine Erinnerung an die dunklen Seiten des Lebens, von denen die Geschichte St. Trinitatis auch nicht verschont blieb.

Dann wieder Helligkeit, wenn auch gemischt mit zärtlicher Wehmut. Wie ein Lied ohne Worte zieht das Andante aus dem Klaviertrio von Mendelssohn Bartholdy klangschön vorbei. Von „österlicher Helle“ und dem „Charme dieser Kirche“ spricht Christoph Schaper.

Zum Abschluss „Les Routiers“ („Die Fernfahrer“) aus der „Orchesterwerkstatt“ von Schönherr, arrangiert von Kuno Galter und gespielt von allen Mitwirkenden. Ein schwingendes, fröhliches Stück Musik voller Optimismus. Wie ein Versprechen auf eine lebendige Fortsetzung der dreihundert Jahre langen Geschichte von St. Trinitatis in Wolfenbüttel.

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