Mamo schafft den Sprung vom Flüchtling zum Unternehmer

Wolfenbüttel.  Vor vier Jahren kam Mamo Mohammad als Flüchtling aus Syrien nach Wolfenbüttel. Jetzt eröffnete er seinen eigenen Friseursalon.

Mamo Mohammad kam vor vier Jahren als Flüchtling nach Wolfenbüttel. Jetzt eröffnet der 21-Jährige einen Friseursalon in der Fußgängerzone.  

Mamo Mohammad kam vor vier Jahren als Flüchtling nach Wolfenbüttel. Jetzt eröffnet der 21-Jährige einen Friseursalon in der Fußgängerzone.  

Foto: Kai-Uwe Ruf

Mit einem selbstbewussten Lächeln kommt Mamo Mohammad auf seinen Besuch zu. Er zeigt auf einen der schwarzen Sessel, lädt zum Sitzen ein und geht durch den Friseursalon, um einen Kaffee zu holen.

Es ist sein eigener Friseursalon. 21 Jahre alt ist der Mann mit der kessen Tolle auf dem Kopf. Vor vier Jahren kam er als Flüchtling in Wolfenbüttel an. Dem Sprung zum Unternehmer schaffte er im Eiltempo. Viele haben dabei mitgeholfen, erzählt er. Eine Menge Durchhaltevermögen gehörte aber auch dazu.

An die letzten Tage, die er in Syrien verbrachte, erinnert er sich immer noch genau. 13 Jahre alt sei er gewesen, als Bomben in der 200.000 Einwohner-Stadt Qamischli im Norden Syrien nahe der türkischen Grenze detonierten. „Es war Nachmittag. Ich habe gearbeitet“, sagt er.

In einem Einkaufszentrum in der Innenstadt sei er in einem Friseursalon beschäftigt gewesen. Dass Kinder arbeiten sei nicht ungewöhnlich in Syrien. Eine Schulpflicht gebe es dort nicht.

Eine mächtige Explosion sei es gewesen. „Die Schaufensterscheiben sind heruntergekommen, und alle Spiegel waren kaputt.“ Dabei sei die Bombe mehrere Straßenzüge entfernt hochgegangen. Es habe viele Tote und Verletzte gegeben.

„Wir haben Leichen gesehen. Von da an haben wir Angst bekommen“, sagt er.

Zu Fuß sei seine Mutter mit ihm und seinem kleinen Bruder über die Grenze in die Türkei geflohen. Zwei Koffer hätten sie mitgenommen. Mehr ging nicht. „Es war Winter. Es war kalt. Überall lag Schnee“, erzählt er.

In der Türkei habe sie eine Tante in der Nähe der Grenze abgeholt. Als er 17 Jahre als war ging es weiter nach Deutschland. Ein Bruder habe damals schon in Wolfenbüttel gelebt, erzählt Mohammad. Er habe all die schriftlichen Formalitäten erledigt.

Hier wird die Erich-Kästner-Hauptschule eine wichtige Station. Mamo Mohammad besucht die neunte Klasse und versteht im Unterricht anfangs gar nichts. Er habe aber viel Unterstützung bekommen. „Dem Schulleiter, Herrn Wünsch, werde ich immer dankbar sein“, sagt er.

Er bekommt eine Ausbildungsstelle bei einem Wolfenbütteler Friseur. Und wieder wird es sehr schwierig. „Ich hatte nur Fünfen und Sechsen“, sagt er: „Ich dachte, ich schaffe es nicht. Sprache, Arbeit, Ausbildung – das war einfach zu viel.“

Eine Kollegin habe ihn damals sehr unterstützt. Schließlich habe er einen Realschulabschluss mit 2,9 geschafft, erzählt er stolz. Mittlerweile spreche er vier Sprachen fließend: Kurdisch, Arabisch, Türkisch und Deutsch.

Und dann kam das eigene Geschäft. An dem Tag, an dem er seine praktische Gesellenprüfung bestanden hatte, entdeckte er den kleinen Landen an der langen Herzogstraße 42. Der Wunsch zur Selbstständigkeit sei längst dagewesen. Damit es klappte, half die Familie. Onkel, Bruder, Freunde und sogar der künftige Schwiegervater hätten mit angepackt. „Wir haben alles selbst gemacht“, erzählt er. Nur so sei es der Traum von der Selbständigkeit auch bezahlbar geworden.

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