Weicher Bariton statt beinharter Rocker

Wolfenbüttel.   Ein charismatischer Künstler. Ein gut aufgelegtes Publikum. Eine inspirierende Umgebung.

Multitalent Jon Flemming Olsen spielte in der Landesmusikakademie.

Multitalent Jon Flemming Olsen spielte in der Landesmusikakademie.

Foto: Rainer Sliepen

Selbst Veranstalter Markus Lüdke, als Chef der Landesmusikakademie Hausherr in der Seeliger Villa, war beeindruckt. „Wir werden diesen Schatz der Öffentlichkeit öffnen. Hier im Musiksalon dieses wunderbaren Hauses werden ab jetzt exklusive Veranstaltungen durchgeführt“. Gleich die Konzertpremiere mit dem Multitalent Jon Flemming Olsen hatte das erwartete Flair.

Der Singer/Songwriter aus Eckernförde verzauberte seine etwa 60 Zuhörer mit leiser Nachdenklichkeit und träumerischen Bildern, eingehüllt in sanfte Harmonien und zarte Melodien. Olsen, der beinharte Rocker, machte sich rar. Nur einmal, in seiner virtuos hingefetzten deutschen Version des „Ballroom Blitz“ von Queen, ließ der Solokünstler seine Gitarre atemlos aufjaulen und die Drums krachen, dass man sich um den kunstvollen Stuck am Deckengewölbe sorgen musste.

Olsens Stärke liegt in der Ruhe. „Hallo Wolfenbütteler“, sagt er, „ da seid Ihr ja. Viel ‚seeliger‘ kann man heute nicht sein.“ Lächelt und schaut bewundernd auf das edle Interieur. Wie ein alter Bekannter von nebenan. Und schon tropfen die ersten Töne, spannungsvoll gedehnt und sich in sanften Akkorden findend, durch den Raum. „Das ist doch nur der wilde Mond.“ Ein Abschiedslied für das Kind, das aus dem Elternhaus in die Welt zieht, und sich doch vor der Fremde fürchtet. Jon macht Mut, wärmt mit suggestiven Klangbildern.

Das ist das Leben. Man erkennt sich. „Manche Texte“ erzählt er beiläufig, „brauchen Reife. Das kann Jahre dauern“. Bei seiner Band „Texas Lightning“ hatte er kurz vor dem European-Song-Contest so eine kreative Blockade. Und war dann selbst überrascht. Ein Trostlied war das Ergebnis. Ein Gitarren-Staccato, virtuos und fließend, voller drängender Energie. „Ich bau Dir ein Boot, Kapitän“, singt er mit seinem weichen Bariton. Ein Boot, ja, Pläne, Ideen. Visionen. Und was bei anderen schmalzig klingt, nimmt man Olsens musikalischem Überschwang ab. Die Welt ist schön, ob groß, ob klein.

Mit dem Geist, der da vom Podium in den Saal weht, packen wir’s. „Das ist eine irische Bouzouki. Sie klingt heller, metallischer. Eine Verbindung von Whisky und Ouzo“. Und tatsächlich. Ein stampfender Rhythmus. Eine endlose Melodielinie, voller Gefühl und Temperament. Und dann wie ein Abschied Flemming der Philosoph. Ohne Besserwisserei. Nur der Rat eines Freundes. „Ganz allein“. Wiederum schleicht sich die Botschaft freundlich und unaufhaltsam in das Herz: „Alles kommt von ganz allein. Wind und Regen, Sonnenschein. Alles bleibt von ganz allein. Lass es einfach bei Dir sein“.

Ist das alles so unkompliziert? Musik, ein Lied, ein Mann mit einer eindringlichen, stillen Botschaft? Ja, es ist einfach, wenn man daran glaubt. Langer Applaus für einen liebenswürdigen Menschen und überzeugenden Künstler. Danke, Jon Flemming Olsen.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder