HAB sorgt sich um Forschungsstandort

Wolfenbüttel.  Die Umgestaltung des Schlossplatzes in Wolfenbüttel bereitet der HAB Sorgen. Sie fürchtet, dass die Attraktivität des Forschungsstandortes leidet.

HAB-Leiter Peter Burschel und Pressesprecherin Antje Dauer stehen vor dem Zeughaus an der künftigen T-Kreuzung.   

HAB-Leiter Peter Burschel und Pressesprecherin Antje Dauer stehen vor dem Zeughaus an der künftigen T-Kreuzung.   

Foto: Kai-Uwe Ruf

Mit Sorgen blickt Peter Burschel, der Leiter der Herzog-August-Bibliothek (HAB), auf die Arbeiten am Schlossplatz. Direkt am Zeughaus, einem der zentralen Gebäude der international renomierten Forschungsbibliothek stehen Baubaken. Dort, wo früher eine Rasenfläche angelegt war und Bäume die Fenster des historischen Gebäudes verschatteten, legen Arbeiter eine Straße an. Sie mündet in eine T-Kreuzung und trifft dabei auf die Straße Schlossplatz, an der weitere wichtige HAB-Gebäude liegen.

Der Baulärm, der dort momentan herrscht, ist nach Burschels Ansicht das kleinere Problem. „Das ist nicht schön, aber das könnte man noch hinnehmen“, sagt er.

Aber die Umgestaltung des Platzes geht seiner Ansicht nach einseitig zu Lasten der HAB. „Die Bibliothek ist der Leidtragende“, kritisiert er. Durch die Umgestaltung könnte sie an Attraktivität als Forschungsstätte einbüßen, befürchtet der Bibliotheks-Chef.

Früher sei es ruhig gewesen im Bibliotheksquartier. Gebäude wie das Meißnerhaus, das Anna-Vorwerk-Haus und das Leibnizhaus, in denen Stipendiaten wohnen, Wissenschaftler forschen und auch ein Restaurant untergebracht ist, lagen an einer Sackgasse. Dort habe es so gut wie keinen Autoverkehr gegeben. Das Areal habe eher einem Platz als einer Straße geglichen. Wissenschaftler und Bibliotheksmitarbeiter konnten in Ruhe von den genannten Gebäuden beispielsweise in die Lesesäle im Zeughaus und der Augusta gelangen.

Nun werde es mit der Ruhe bald vorbei sein, fürchtet man in der HAB. „Das wird eine Durchgangsstraße, es ist die Eingangsstraße aus Richtung der Autobahn 395“, sagt HAB-Sprecherin Antje Dauer, als sie mit Burschel an der künftigen T-Kreuzung vor dem Zeughaus steht.

Dabei sei Ruhe wichtig. „In den Häusern sitzen Personen, die forschen“, betont Dauer. Gestört werde die Arbeit auch im Zeughaus. Dort sitzen im ersten Stock Bibliotheksmitarbeiter. Im zweiten Stockwerk befindet sich ein großer Lesesaal.

Seit die Bäume vor dem Gebäude gefällt wurden, fehle nicht nur die Ruhe. Wegen der starken Sonneneinstrahlung sei auch die Raumtemperatur gestiegen. Die natürliche Beschattung fehle. Außenjalousien dürfe man an dem historischen Gebäude aber nicht anbringen. Die Betriebsärztin habe bereits gesagt, dass es eigentlich zu heiß sei und empfohlen, Arbeitsplätze zu verlegen, berichtet Burschel.

Die HAB werde hinter der Augusta bauen. Eventuell müsse man Arbeitsplätze und den Lesesaal dorthin verlegen. All das sorge für eine Bewegung weg von der Innenstadt. Dabei solle die Bibliothek in der Stadt sein. Das sei auch das Anliegen Paul Raabes gewesen. „Und jetzt machen wir eine Magistrale auf, die diese Verbindung kappt“, sagt Burschel.

Für die HAB könnte es einen Imageverlust bedeuten. Die Bibliothek konkurriere mit wissenschaftlichen Einrichtungen in aller Welt. Die Ruhe, die Kontemplation und die sozialen Strukturen seien ein wichtiges Pfund mit dem die HAB dabei bisher punkten konnte.

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