Ein Gedenkort für 217 Opfer der Hinrichtungsstätte

Wolfenbüttel  Die Stadt und die Gedenkstätte in der JVA haben einen Ideenwettbewerb für Schulen gestartet.

Die Leiterin der Gedenkstätte Martina Staats auf dem Gräberfeld 13a, wo sich Stelen für die im Strafgefängnis Hingerichteten befinden. Nun soll dort eine zusätzliche Erinnerungsstätte entstehen.

Die Leiterin der Gedenkstätte Martina Staats auf dem Gräberfeld 13a, wo sich Stelen für die im Strafgefängnis Hingerichteten befinden. Nun soll dort eine zusätzliche Erinnerungsstätte entstehen.

Foto: Karl-Ernst Hueske

Mit einem Ideenwettbewerb für weiterführende Schulen in Wolfenbüttel und Braunschweig will die Stadt Wolfenbüttel gemeinsam mit der Gedenkstätte in der Justizvollzugsanstalt Wolfenbüttel eine Gedenkstätte schaffen für 217 Opfer der Hinrichtungsstätte, deren Namen bisher nur zum Teil und deren Bestattungsort gar nicht bekannt ist.

Zur Erinnerung: 1937 wurde von den Nazis im Strafgefängnis Wolfenbüttel am Ziegenmarkt eine der zentralen Hinrichtungsstätten Norddeutschlands eingerichtet. Bis zum 15. März 1945, dem Tag der Befreiung des Strafgefängnisses, wurden dort mindestens 527 Menschen hingerichtet. Sie waren von der nationalsozialistischen Justiz teilweise wegen geringer Vergehen zum Tode verurteilt worden.

Mindestens 217 Leichen aus dem Strafgefängnis Wolfenbüttel wurden jedoch nicht in Wolfenbüttel auf dem katholischen Friedhof am Jahnstein oder auf dem Hauptfriedhof an der Lindener Straße beerdigt, sondern sie wurden zu Forschungszwecken zum Anatomischen Institut Göttingen abgegeben. Ihr weiterer Verbleib sei unbekannt, so Simona Häring von der Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel. Ein Bombentreffer auf das Institut habe alle Unterlagen vernichtet.

Zumindest von 138 der 2017 Leichen würde man inzwischen aus anderen Quellen schon den Namen kennen, ergänzte Dr. Gustav Partington, pädagogischer Mitarbeiter der Gedenkstätte. Und von Angehörigen dieser bekannten Opfer sei die Bitte an die Gedenkstätte herangetragen worden, eine Erinnerungsstätte als Ort der Trauer und des Gedenkens einzurichten, so wie sie für die in Wolfenbüttel beerdigten Opfer schon 2015 auf dem Gräberfeld 13a eingerichtet wurde.

Damals beteiligten sich Wolfenbütteler Schüler an der Erforschung der Namen der Opfer und deren Angehörigen und an der Gestaltung der Gedenkstätte. Von daher lag es nahe, dass auch an der Gestaltung der zusätzlichen Erinnerungsstätte wieder Schüler beteiligt werden sollen.

Diese Beteiligung soll in Form eines Ideenwettbewerbes erfolgen. Alle Gymnasien und Gesamtschulen in Wolfenbüttel und Braunschweig wurden bereits angeschrieben und zur Teilnahme am Wettbewerb aufgefordert. Zwei Gymnasien aus Braunschweig und die IGS Wallstraße hätten sich bereits angemeldet, berichtete Partington, der hofft, dass sich insbesondere aus Wolfenbüttel noch weitere Schulen bis zum 6. April anmelden werden.

Für die Erinnerungsstätte gibt es nur zwei Vorgaben. Die von MAN-Auszubildenden kostenlos produzierten 217 Namensplaketten müssen integriert werden und die Erinnerungsstätte muss auf einer bestimmten Stelle des Gräberfeldes 13a stehen. Ansonsten sind die Schüler frei in der Gestaltung, erklärte Alexandra Hupp vom Kulturbüro der Stadt.

Die Stadt werde für die Realisierung der Erinnerungsstätte – gern auch mit finanzieller Unterstützung von Partnern – sorgen, versprach Bürgermeister Thomas Pink.

Und hier sind noch die wichtigsten Informationen zum Ideenwettbewerb:

Für die teilnehmenden Schüler ist es verpflichtend, zwischen dem 6. und 16. März an einer Führung durch die Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel und zum künftigen Standort der Erinnerungsstätte auf dem Hauptfriedhof an der Lindener Straße teilzunehmen. Anmeldungen müssen mindestens 14 Tage vor der geplanten Führung erfolgen.

Eine Jury mit Vertretern der Stadt, der Gedenkstätte, von MAN sowie unabhängige Experten benennt drei herausragende Entwürfe für den Erinnerungsort, die mit Geldpreisen prämiert werden. Für Platz 1 gibt es 300 Euro, für Platz 2 200 Euro und für Platz 3 100 Euro. Nach technischer, finanzieller und organisatorischer Prüfung wird einer der ausgewählten Entwürfe realisiert.

Eine formlose Anmeldung zum Wettbewerb muss bis zum 6. April unter folgender Mailadresse erfolgen: gustav.partington@stiftung-ng.de. Stichtag für die Abgabe der Wettbewerbsbeiträge ist der 25. Mai. Die Preisverleihung soll am 17. Juni stattfinden.

Weitere Infos zum Wettbewerb gibt es unter (0 53 31) 80 73 44 oder 80 73 41.

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