Im Jugendamt des Landkreises herrscht Personalnot

Wolfenbüttel  Der Landkreis sucht Sozialarbeiter und kann nicht alle freien Stellen besetzen. Mitarbeiter machen Überstunden.

Sabine Walter, Leiterin des Jugendamtes des Landkreises Wolfenbüttel, am Schreibtisch. Das Jugendamt sucht Sozialpädagogen und kann Stellen nicht besetzen.

Sabine Walter, Leiterin des Jugendamtes des Landkreises Wolfenbüttel, am Schreibtisch. Das Jugendamt sucht Sozialpädagogen und kann Stellen nicht besetzen.

Foto: Kai-Uwe Ruf.

Roger Röttger benannte das Problem während der Sitzung des Jugendhilfeausschusses deutlich. „Der Fachkräftemangel schlägt voll durch“, sagte der Leiter der Abteilung Interne Leistung des Landkreises.

Röttger bezog sich dabei auf die Situation im Jugendamt. Dreieinhalb Stellen seien dort unbesetzt, berichtete er. Im Gespräch mit unserer Zeitung korrigierte Jugendamtsleiterin Sabine Walter die Zahl. Aktuell seien lediglich zwei Stellen unbesetzt. Für eine dritte vakante Position sei Anfang November ein Mitarbeiter eingestellt worden. Trotzdem bleibe das Problem: „Im Allgemeinen Sozialdienst (ASD) sind Stellen vakant.“ Derzeit könnten sie trotz Bemühungen nicht besetzt werden.

„Es ist keine dramatische Situation, vielmehr eine Dauerherausforderung“, sagt die Amtsleiterin. 105 Mitarbeiter gebe es insgesamt im Jugendamt, 20 von ihnen seien im ASD als Sozialarbeiter beschäftigt.

Zwei Stellen sind vakant. Damit die Auswirkungen nicht so sehr durchschlagen, gelte es, Schwerpunkte zu setzen, berichtet Sabine Walter: „Die Kinderschutzstandards werden wir unter allen Umständen einhalten“, betont sie. Dafür arbeiteten die Sozialpädagogen nicht mehr so oft in Gremien mit. Außerdem stiegen die Amtsleiter auch wieder in die Fallarbeit ein. „Es bedarf der Anstrengung des ganzen Teams. Und es fallen auch Überstunden an“, sagt die Amtsleiterin. Vor allem bei den Teamleitern gebe es ein hohes persönliches Engagement: „Wir sind froh, wenn jemand Überstunden macht, die wir erst später wieder abbauen können.“

Die Fluktuation bei den Sozialpädagogen sei in der Landkreisverwaltung groß. Das sei aber auch bei anderen Behörden und bei den freien Trägern so, betont Sabine Walter.

Zudem gebe es in dem Beruf viel mehr Frauen als Männer. Viele junge Frauen würden schwanger und müssten dann vertreten werden. Das erhöhe die Fluktuation zusätzlich. „Vergangenes Jahr hatten wir fünf Schwangere, eine Langzeiterkrankte und drei Kündigungen“, berichtet die Amtsleiterin.

Es gebe immer mehr Stellen, die besetzt werde müssten, aber die Zahl der Absolventen des Studiengangs soziale Arbeit sei relativ gering, auch weil die Hochschulen hohe Hürden bei der Zulassung errichtet hätten.

Die Konkurrenz um die Arbeitskräfte sei groß. Sozialarbeiter seien gesucht. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt sei in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden. Das Problem habe schon begonnen, bevor die Flüchtlinge nach Wolfenbüttel kamen. Die Konsequenz: „Mit befristeten Stellen hat man kaum noch eine Chance“, weiß Walter. Und freie Träger seien dabei beim Werben um Mitarbeiter oft weniger an Vorgaben gebunden als Behörden.

Beispielsweise müsse der Landkreis alle Stellen als Teilzeitstellen ausschreiben. Möglicherweise wolle die bestqualifizierte Kraft im Bewerbungsprozess dann aber nur 30 Stunden pro Woche arbeiten, zu vergeben seien aber 40. „Die restlichen zehn Stunden sind dann nur noch sehr schwer zu besetzen“, weiß Sabine Walter.

Der Landkreis versuche, seine Möglichkeiten bei der Werbung um Mitarbeiter auszuspielen. Weiche Faktoren wie flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeiten, von zu Hause aus zu arbeiten gehörten dazu. Außerdem versuche der Landkreis, seine Stellen unbefristet auszuschreiben.

Mit Springerstellen könne man das Problem verringern, hofft die Leiterin des Jugendamtes. Eine solche Stelle sei im Haushalt für das nächste Jahr bereits vorgesehen. Entspannung sei nicht in Sicht: „Die Situation auf dem Arbeitsmarkt wird sich nicht kurzfristig bessern“, ist Sabine Walter überzeugt.

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