Schüler sahen Film über Nazi-Rock und die rechte Szene

Wolfenbüttel  Schüler aus neun Schulen sahen einen Film, der Hintergründe der Nazi-Rockszene beleuchtet. Anschließend diskutierten sie über das Thema.

Regisseur Peter Ohlendorf (rechts) mit Schulleiter Peter Walte vor der Diskussion über seinen Film Undercover unter Nazis.

Regisseur Peter Ohlendorf (rechts) mit Schulleiter Peter Walte vor der Diskussion über seinen Film Undercover unter Nazis.

Foto: Kai-Uwe Ruf

Fast 500 Schüler aus dem Kreis Wolfenbüttel sahen den Film mit dem Titel „Blut muss fließen“ – Undercover unter Nazis.

Organisiert hatte die Veranstaltung die Kreisgruppe der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). „Wir zeigen den Film, damit die Schüler die Praxis der Aktionen der rechtsextremen Szene mitbekommen und nicht nur die Theorie aus dem Unterricht kennen“, sagte der stellvertretende Kreisvorsitzende der GEW, Dieter Wiechenberg.

Und die Praxis wurde in dem 66-Minuten-Beitrag ungeschminkt gezeigt. Unter dem Pseudonym Thomas Kuban hat ein Journalist mehrere Jahre in der rechtsextremen Szene gefilmt. Er besuchte mit versteckter Kamera Rockkonzerte. Szenen zeigen Konzertbesucher die mit zum Hitlergruß erhobenem rechten Arm Bands grüßen, die Texte mit menschenverachtendem, ausländer- und judenfeindlichen Inhalten grölen. Der Film beleuchtet auch Hintergründe. Er zeigt wie in verschiedenen Bundesländern unterschiedlich mit dem Problem der Neonazi-Konzerte umgegangen wird. „Man kann etwas gegen Rechtsradikalismus tun“, lautet eine der Botschaften, die der Autor formuliert und an Beispielen aus Berlin und einem Dorf in Sachsen zeigt.

In der anschließenden Diskussion mit dem Regisseur Peter Ohlendorf waren die Schüler vor allem an der verdeckten Arbeit des Journalisten interessiert. „Der Film war schwer zu produzieren“, berichtete Ohlendorf. Der Mann mit dem Pseudonym Thomas Kuban sei bei jedem Auftritt in der Nazi-Szene in Gefahr gewesen, entdeckt zu werden. Er habe mehrere Morddrohungen erhalten.

Auf Nachfrage erzählten einige Schüler auch, dass sie selbst Rockbands kennen, die der rechten Szene zumindest nahe stehen. „Die Musik klingt wie normaler Rock, aber durch die Texte bekommt man immer wieder einen Hang zum Nationalsozialismus eingeflüstert. Das finde ich ganz gefährlich“, sagte ein Schüler über seine Erlebnisse beim Hören einer Gruppe aus Südtirol.

Das Thema Neonazis ist für die Jugendlichen relevant, betonte Gastgeber Peter Walte. Bei Abstimmungen habe man durchaus auch rechtsradikales Gedankengut festgestellt. Daher sei es wichtig gewesen, den Film zu zeigen.

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