Außer Gemüse ist bald auch Sekt erlaubt

Wolfenbüttel  Der Stadtrat genehmigte probeweise den Ausschank alkoholischer Getränke auf dem Wochenmarkt.

Künftig darf auf dem Wolfenbütteler Wochenmarkt auch Alkohol ausgeschenkt werden. Bei vielen Marktbeschickern stößt die Idee eher auf Ablehnung. Im Stadtrat entschied hingegen die große Mehrheit dafür.

Mit zwei Gegenstimmen und vier Enthaltungen sprach sich der Rat für eine Änderung der Wochenmarktsatzung zum 1. April aus: Darin soll nun stehen: „Der Ausschank alkoholischer Getränke zum Verzehr an Ort und Stelle ist gestattet.“ Ein halbes Jahr lang sollen die Auswirkungen geprüft werden. Dann soll festgestellt werden, ob die Entscheidung richtig war.

Ein Blick über die Grenzen des Wochenmarktes hinaus habe die CDU bewogen, der Änderung der Marktsatzung zuzustimmen, sagt deren Fraktionsvorsitzender Christoph Helm. „Es ist nicht nachvollziehbar, warum man ein paar Meter weiter im Freien vor Gaststätten Alkohol trinken darf und auf dem Markt nicht. Die Stadt verändere sich. Da müsse man auch experimentieren und etwas Neues ausprobieren.

Die Gesetzgebung habe sich verändert, betont SPD-Fraktionsvorsitzender Ralf Achilles. Nur die Wolfenbütteler Marktsatzung habe es noch verboten. Wenn es zu Entgleisungen komme, könne man die Entscheidung wieder rückgängig machen.

Mit der Erlaubnis, auf dem Markt Alkohol auszuschenken, kehre ein Stück Normalität ein, betont Stefan Brix von den Grünen. „Es war etwas Besonderes, das zu verbieten.“ Negative Auswirkungen befürchte er nicht. Einige Gaststätten schenkten am Samstagvormittag auch Alkohol aus, ohne dass es Probleme gebe.

Rudolf Ordon sieht es genauso. Dass man wenige Meter entfernt Alkohol ausschenken dürfe, auf dem Markt aber nicht, mache keinen Sinn, sagt der Sprecher der Gruppe FDP/Piraten.

„Wir haben zugestimmt, weil nicht viel auf dem Spiel steht“, sagt Volker Röpke für die Linken: „Dass Alkoholexzesse stattfinden, kann ich mir nicht vorstellen.“

Gemüseverkäufer Sylvio Schöbel kann das schon. „Es kann sein, dass das ausartet“, meint er. Samstagmorgens kämen einige Besucher direkt aus der Diskothek auf den Markt. „Dann geht die Party hier weiter“, befürchtet Schöbels Kollege David Zimmermann.

Gemüsehändler Simon Schwan sieht für den Mittwoch keine Probleme, aber samstags könne es schwierig werden. „Da zieht morgens zwischen 6 und 7 Uhr eine ganze Reihe Jugendlicher direkt aus der Diskothek über den Markt.“ Helmut Junge, regelmäßiger Kunde auf dem Wochenmarkt, bleibt gelassen. „Befürchtungen habe ich nicht. Aber ich finde es überflüssig, dass hier Alkohol ausgeschenkt wird“, sagt der 68-Jährige.

HINTERGRUND

Genehmigung: Ein generelles Ausschankverbot von Alkohol auf Wochenmärkten lässt sich laut Stadt aus den gesetzlichen Vorgaben nicht mehr ableiten.

Ergänzendes Angebot: Die Stadt geht davon aus, dass der Alkoholausschank bestehende Angebote beispielsweise in Imbissbuden lediglich ergänzt. Marktbeschicker, die ausschließlich Alkohol anbieten werden nicht erwartet.

Ungewollte Erfahrungen mit dem Ausschank von Alkoholika habe man auf dem Wochenmarkt bereits gemacht, berichtet Helm. An einem Stand sei eine Zeit lang Sekt angeboten worden. Die Marktbeschicker hätten aber protestiert. Daraufhin habe die Stadtverwaltung den Sektausschank untersagen müssen.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder