Wolfenbüttelerin Jutta Sundermann organisiert Banken-Tribunal

Globalisierungskritiker klagen Merkel und Ackermann wegen der Finanzkrise an

Jutta Sundermann hält die Zeit für ein anderes Wirtschafts- und Finanzsystem für gekommen.   

Jutta Sundermann hält die Zeit für ein anderes Wirtschafts- und Finanzsystem für gekommen.   

Foto: Hespos

WOLFENBÜTTEL. Gewinne werden weiter privatisiert, Verluste auf die Allgemeinheit abgewälzt: "Durch die Finanzkrise hat sich nichts verändert", schimpft Jutta Sundermann. Die 38-jährige Wolfenbüttelerin gehört zum Koordinierungskreis von Attac.

Gemeinsam mit Mitstreitern aus dem Netzwerk der Globalisierungskritiker plant sie ein Banken-Tribunal. Es findet vom 9. bis 11. April in der Berliner Volksbühne statt und soll die Ursachen der Krise anschaulich machen. Zudem gehe es darum zu verdeutlichen, so Jutta Sundermann, dass den wohlfeilen Worten aus Politik und Wirtschaft keine Taten gefolgt seien, um künftige Krisen verhindern zu können.

Deshalb erhebt Attac nun Anklage. Keine im juristischen Sinne, sondern eine im zivilgesellschaftlichen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) soll sich genau so verantworten wie ihr Amtsvorgänger Gerhard Schröder (SPD) und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. 24-seitige "Anklageschriften" seien bereits zugestellt worden.

Missstände ansprechen, die nicht vor Gericht kommen

Die Aktion steht nach Auskunft von Jutta Sundermann in der Tradition des Londoner Russell-Tribunals von 1966. Damals sei es gelungen, die Kriegsverbrechen in Vietnam öffentlich zu thematisieren und aufzuarbeiten. Die Wolfenbüttelerin erklärt: "Wir wollen Missstände ansprechen, die man nicht so einfach vor Gericht bringen kann."

In drei großen "Beweisaufnahmen" sollen Ankläger, Verteidiger, Richter, Zeugen und Gutachter die Hintergründe der Krise und der laut Attac fragwürdigen Bankenrettungen beleuchten. "Wir hoffen, dass auch die Angeklagten‘ kommen." Analysiert werden soll die Verantwortung dreier Bundesregierungen seit 1998 sowie jene der ihnen unterstellten Finanzaufsichten, der Banker, Wirtschaftsprüfer, Rating-Agenturen und Meinungsmacher.

Als einer der Richter wird der Wirtschaftsethiker Professor Friedrich Hengsbach fungieren. Zu den Anklägern zählt der Politikwissenschaftler Professor Elmar Altvater, zu den Verteidigern der Ex-Chefredakteur des Manager-Magazins, Dr. Wolfgang Kaden.

"Was wir machen, ist absolut kein Theater"

Jutta Sundermann hat in das Projekt viel Zeit investiert. Sie koordinierte die Redaktion der Anklageschrift, organisierte, betrieb Öffentlichkeitsarbeit und wird Teile der Veranstaltung moderieren. Sie sagt: "Das Tribunal findet zwar in einem Theater statt. Aber das, was wir machen, ist absolut kein Theater."

Auch deshalb soll es in Berlin nicht allein um die medienwirksame Aktion selbst gehen. "Wir planen zudem ein Forum der Alternativen", berichtet Jutta Sundermann. In fünf Arbeitsgruppen könnten Teilnehmer unter anderem darüber diskutieren, ob und wie die Kapitalmärkte reguliert werden sollten.

Weitere Infos: www.attac.de, Anmeldung: www.volksbuehne-berlin.de

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder