So will die Bahn ihren Güterverkehr aus der Krise führen

Berlin.  Mehr Verbindungen und besserer Service – auch für den Gütertransport. Die Bahn will größter Bahnlogistiker in Europa werden. Die Pläne.

Bahnfahren in Coronazeiten

Corona: Menschenmassen, enge Räume und keine Frischluft: Inzwischen sind die Züge und Bahnen wieder voll. Das Risiko, sich an dem Coronavirus zu infizieren, steigt - besonders, wenn keine Maske getragen wird.

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Für viele sind die Brummis auf den Autobahnen ein Ärgernis, erst recht für Klimaschützer: Lastwagen tragen wesentlich zur Luftverschmutzung bei. Um in Zukunft auf Langstrecken deutlich mehr Lkw von der Straße auf die Schiene zu verlagern, geht die Deutsche Bahn mit einem neuen Zukunftskonzept für den Güterverkehr in die Offensive. Künftig soll es mehr Güterzugverbindungen geben und der Transport für Kunden komfortabler werden.

Die Bahntochter DB Cargo will dazu ihren Kunden neben dem reinen Schienengütertransport in Zukunft auch komplette Logistikketten anbieten. Das heißt in der Praxis: Die Fracht wird bei den Unternehmen auch dann abgeholt oder angeliefert, wenn diese über keinen eigenen Gleisanschluss verfügen. „Wir organisieren alles für den Kunden“, kündigte die Vorständin für den Güterverkehr, Sigrid Nikutta, an.

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Coca-Cola nutzt Nachtzüge zwischen Köln und Hamburg

Zudem sollen bis Mitte 2021 alle großen deutschen Wirtschaftszentren über regelmäßige Güter-Nachtzüge verbunden werden. Zwischen Hamburg und Köln pendelt bereits die erste Verbindung, über die Lebensmittel und Getränke transportiert werden und die unter anderem von Coca-Cola genutzt wird. Weitere Verbindungen nach München, Mannheim, Berlin und ins Ruhrgebiet sollen folgen.

Nikutta setzt darauf, dass durch die neuen Verbindungen und mehr Service auch mehr Nachfrage entsteht. Zudem will die Bahn-Tochter verstärkt mit anderen Güterverkehrsfirmen zusammenarbeiten und ein „Netzwerk von starken Partnern“ schmieden. Dazu zählt auch eine stärkere Kooperation mit Logistikunternehmen DB Schenker, ebenfalls eine Bahntochter. Dies sichere auch die Jobs der 30.000 DB-Cargo-Mitarbeiter.

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Bahn will größter Bahnlogistiker in Europa werden

Ziel sei es, die Bahn im Güterverkehr bis 2030 „zum größten Bahnlogistiker Europas“ auszubauen und wieder profitabel zu machen, kündigte Nikutta an. Aktuell ist der Güterverkehr ein Sorgenkind, das Verluste einfährt.

Die Chancen für ein Wachstum der Güterbahn stehen laut Nikutta sehr gut. Deutschland und Europa bräuchten eine stärkere Verlagerung von Verkehr auf die Schiene, um ihre Klimaziele bis 2030 zu erreichen. Auch viele Unternehmen wollten ihren ökologischen Fußabdruck verkleinern. „CO2-freie Lieferketten gibt es nur mit dem Schienengüterverkehr.“

Schon jetzt hole die Bahn pro Jahr die Ladung von 25 Millionen Lkw von der Straße, so Nikutta. Allerdings wird die Bahn auch künftig die Gütertransporte nicht billiger anbieten können als per Lastwagen – dafür fahre sie aber umweltfreundlicher.

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