An der Börse hängt Tesla alle ab

Wolfsburg.  Die Erholung der Aktienkurse von Autobauern dauert deutlich länger als der Absturz. Das gilt auch für VW. Nur bei Tesla läuft alles ganz anders.

Ein Aktienhändler reibt sich auf dem Parkett der Frankfurter Wertpapierbörse die Augen. Die Börsen weltweit reagierten mit großen Verlusten auf die Coronavirus-Pandemie.

Ein Aktienhändler reibt sich auf dem Parkett der Frankfurter Wertpapierbörse die Augen. Die Börsen weltweit reagierten mit großen Verlusten auf die Coronavirus-Pandemie.

Foto: Arne Dedert / dpa

Wer mag schon Krisen? Deshalb wünscht sich wohl jeder, der in einer Krise steckt oder auf sie zusteuert, das V. Soll heißen: rascher Absturz, rasche Erholung. Nun hat Corona seit Februar die Weltwirtschaft in eine historische Krise gestürzt. Der wichtigste deutsche Aktienindex Dax hat sich dabei mit einem nahezu perfekten V geradezu vorbildlich entwickelt. Autoaktien haben da noch Nachholbedarf – außer Tesla.

Blicken wir zurück auf die Zeit, als Corona nach weit weg in China war. Zu Jahresbeginn stand der Dax, in dem die 30 größten deutschen Börsenunternehmen samt VW, BMW und Daimler gelistet sind, bei knapp 13.390 Punkten. Aktuell bringt er es auf etwa 13.000 Zähler, moderate knapp 3 Prozent weniger als zum Jahresstart. Das ist nicht besonders aufregend. Zwischen diesen zeitlichen Polen ging es allerdings hoch her. Dafür sorgte bekannterweise Corona.

Corona-Talfahrt der Aktienkurse begann im Februar

Die allgemeine Talfahrt begann um den 19. Februar herum, etwa drei Wochen, nachdem das Virus Deutschland erreicht hatte. Bis dahin hatte der Dax sogar noch um 3 Prozent auf 13.789 Punkte zugelegt. Danach ging es rasant bergab. Binnen eines Monats verlor der Dax 37 Prozent und erreichte am 18. März mit knapp 8442 Zählern seinen Tiefpunkt in der Krise. Seitdem geht es in schöner V-Form wieder aufwärts.

Kursverluste der Autobauer waren ausgeprägter

Die Entwicklung der Aktien von Auto-Herstellern verlief grundsätzlich ähnlich – allerdings mit zwei deutlichen Unterschieden. Erstens waren die Kursverluste nach dem Börsencrash im Februar/März deutlich ausgeprägter als im Dax-Durchschnitt. So hatte die VW-Vorzugsaktie am 19. März knapp 52 Prozent gegenüber dem 2. Januar an Wert verloren, BMW 49,5 Prozent und Daimler 56 Prozent.

Ausreißer waren Tesla und Toyota

Aber auch bei Autobauern aus dem Ausland waren die Verluste groß: Die GM-Aktie gab um 54 Prozent nach, PSA 56 Prozent, Ford um 57,5 Prozent. Ausreißer waren der US-Elektroautobauer Tesla mit einem Rückgang von 13,6 Prozent und der japanische VW-Konkurrent Toyota, dessen Börsenwert um 22,8 Prozent sank.

Erholung der Aktienkurse dauert länger

Zweiter Unterschied zum Dax-Verlauf: Die Erholung des Aktienkurses dauert bei allen Autobauern, abgesehen von Tesla, länger. Zur Erinnerung: Der Dax liegt aktuell etwa 3 Prozent unter seinem Stand vom 2. Januar. Bei Toyota beträgt der Rückgang des Aktienwerts gegenüber dem 2. Januar 12,5 Prozent, bei PSA immer noch 31,8 Prozent. Die VW-Vorzugsaktie bewegt sich mit einem Minus von 22,2 Prozent im Mittelfeld. Für Aktionäre dürften die Kursverluste jedoch in allen Fällen recht schmerzhaft sein – wenn sie nicht noch warten können.

Tesla-Wert hat sich verzehnfacht

Ein Sonderfall ist Tesla. Der Wert der Tesla-Aktie hat sich seit Jahresbeginn nahezu verfünffacht, startete am 2. Januar mit 77,04 Euro und liegt aktuell bei knapp 372 Euro. Innerhalb eines Jahres hat sich der Wert der Tesla-Aktie sogar nahezu verzehnfacht.

„Tesla steht für neue Technik nach Corona“

Frank Schwope, Auto-Analyst der Nord-LB in Hannover, bewertet die Unterschiede der klassischen Autobauer bei der Erholung des Aktienkurses als undramatisch. Ohnehin könne es bei der sich ändernder Nachrichtenlage immer wieder Ausschläge geben. Grundsätzlich entwickelten sich die Aktienkurse aber ähnlich. „Nur Tesla hebt sich deutlich ab“, sagte Schwope unserer Zeitung. „Tesla steht für neue Technik nach Corona.“ Weiterhin sei Tesla in den Segment Elektro-Mobilität und Digitalisierung führend. Nach seinen Berechnungen ist Tesla aktuell mehr wert als alle europäischen, alle amerikanischen und fast alle japanischen Automobil-Hersteller – mit Ausnahme von Toyota – zusammen.

Tesla-Aktie überbewertet?

Allerdings mag sich der Analyst der Kauflaune unter Anlegern nicht anschließen. Er hält die explosionsartige Entwicklung des Tesla-Aktienkurses für nicht gesund. Seine Argumente: Mit der Produktion von Autos verdiene Tesla nach wie vor kein Geld. „Das kommt aus dem Verkauf von CO2-Zertifikaten an GM und Fiat-Chrysler. Ohne dieses Geschäft würde Tesla rote Zahlen schreiben“, sagte Schwope. Außerdem hat er Zweifel, ob der US-Autobauer qualitativ mit Herstellern wie BMW, Daimler, VW und Toyota mithalten kann. Er hält die Aktie des US-Unternehmens daher für überbewertet.

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