Trotz roter Zahlen: Marke VW fährt Produktion wieder hoch

Wolfsburg.  Die Marke VW ist optimistisch, 2020 noch schwarze Zahlen zu schreiben. Nach den Werksferien soll die Produktion wieder auf Vor-Krisen-Niveau starten.

Nach den Werksferien soll die Produktion in allen europäischen Werken der Marke VW wieder das Niveau vor der Krise erreichen.

Nach den Werksferien soll die Produktion in allen europäischen Werken der Marke VW wieder das Niveau vor der Krise erreichen.

Foto: Swen Pförtner / dpa

Trotz der massiven Rückgänge der Absatzzahlen in der Corona-Krise herrscht bei der Volkswagen Kernmarke in Wolfsburg optimistische Stimmung. „Mit einer herausragenden Teamleistung haben Belegschaft und Management die Marke bislang stabil durch diese Krise gesteuert. Wir sind finanziell weiter robust aufgestellt und streben für das Gesamtjahr ein positives Operatives Ergebnis an“, sagte Alexander Seitz, Mitglied des Markenvorstands Volkswagen, Geschäftsbereich Controlling und Rechnungswesen, am Freitag. Selbstbewusste Worte – hat doch die Corona-Krise die Marke Volkswagen stark getroffen. Um 40 Prozent ging die Zahl der verkauften VW-Autos zurück, der Umsatz weist ein Minus von 35 Prozent – 16 Milliarden Euro – im Vergleich zum Vorjahr auf.

Dennoch sei der Optimismus der Wolfsburger berechtigt, glaubt Frank Schwope, Analyst bei der Norddeutschen Landesbank. „Die Marke VW hat zwar die meisten Verluste davongetragen, aber ich glaube, dass das zweite Halbjahr deutlich besser als das erste Halbjahr ausfallen wird. Eine Besserung wird es auch dadurch im zweiten Halbjahr geben, dass weltweit Zehntausende Käufe nachgeholt werden.“

38 Prozent Minus in Europa, 40,8 Prozent in Südamerika

Bei den weltweiten Fahrzeugauslieferungen weist die Kernmarke aktuell einen Rückgang von 26,7 Prozent vor – für die Branche in der Krise aber typisch, betont VW. „Der PKW-Gesamtmarkt ist weltweit um 28,4 Prozent heruntergegangen. Die Marke VW Pkw hat etwas weniger verloren“, sagt Jürgen Stackmann, Mitglied des Markenvorstands Volkswagen Pkw, Geschäftsbereiche Vertrieb, Marketing und After Sales, bei der Pressekonferenz am Freitag.

Dabei fiel der Rückgang je nach Markt anders aus: Während in Nord-Amerika mit 25,2 Prozent das Minus mit am moderatesten ausfiel, riss die Krise die Märkte in Europa mit 38 Prozent und in Südamerika mit 40,8 Prozent deutlich tiefer ins Minus. „In Europa sind wir mit dem gesamten Markt gesunken, mit großen regionalen Unterschieden innerhalb Europas“, erklärt Stackmann. China gebe dagegen Hoffnung.

Hoffnungsträger China

„In China haben wir ,nur’ 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr verloren und den Markenanteil deutlich ausbauen können“, berichtet Stackmann. Auch in Südamerika habe die Marke VW ihren Marktanteil ausbauen können. Für China hält Stackmann sogar ein Wachstum im Vergleich zum Vorjahr in der zweiten Jahreshälfte für möglich.

Die aktuelle akute Wirtschaftskrise und die politischen Unruhen in den USA schätzt Analyst Schwope nicht als ein signifikantes Risiko für die Marke Volkswagen ein. „Der amerikanische Markt wird sich verbessern im zweiten Halbjahr, ist aber nicht der wichtigste Markt. Und auch ohne den Dieselskandal habe ich Zweifel, inwiefern die Marke Volkswagen in Nordamerika Geld verdienen kann.“

Positiver Ausblick gilt nur, wenn es keine zweite Welle gibt

Auch wenn die Erholung nicht in allen Märkten nach Prognosen der Marke Volkswagen so schnell verlaufen wird wie in China, sieht Stackmann einen Trend: „In der Welt sehen wir jetzt doch einen Trend, dass wir uns den Vorjahreswerten annähern und der gibt uns den positiven Ausblick für das zweite Halbjahr“, berichtet das Mitglied des Markenvorstand, schränkt aber auch ein: Dies gelte nur, sollte es keine zweite Welle der Corona-Pandemie geben.

Der Optimismus zeigt sich auch bei Alexander Seitz. „Wir haben die Auftragsbücher voll“, sagt der Vorständler und betont, dass nach den Werksferien die Produktion in den Werken wieder zu 100 Prozent des Niveaus vor der Krise anlaufen soll. Eine Vollauslastung des Werkes bedeutet das allerdings nicht, denn bereits vor der Corona-Krise fuhr etwa das Werk in Wolfsburg bereits auf Sparflamme. So wurden an zwei von vier Linien nur in zwei, statt drei, Schichten gefahren.

Die Hygienevorschriften schränkten die Produktivität zudem etwas ein, räumt Seitz ein. Dennoch betont er: „Wir haben eine der schlimmsten Krise der jüngeren Geschichte bislang erfolgreich bewältigt Wir sehen eine deutliche Erholung in der monatlichen Entwicklung unseres Umsatzvolumens und unserer finanziellen Performance.“

Traton schließt negatives operatives Ergebnis nicht aus

In der Krise habe die Marke die Fixkosten um 500 Millionen reduzieren können, gibt Seitz an. Dies sei durch eine „strikte Kostendisziplin“, Überprüfung und Verschieben von einigen Projekten und Investitionen möglich gewesen. Seitz betont: „Der überwiegende Teil dieser Fixkostenreduzierung ist nachhaltig“. Mit diesen Gegenmaßnahmen sei die Marke VW laut Seitz bereit, „bis an die Grenze zu gehen, um das operative Ergebnis der Marke VW für das Gesamtjahr 2020 in den positiven Bereich zu bringen“.

Anders sehen die Vorzeichen bei der Volkswagen-Tochter Traton mit den Untermarken MAN, Scania, Rio und Volkswagen Caminhoes Onibus aus. Auch hier ist zwar Traton-Chef Matthias Gründler zuversichtlich, dass das Unternehmen in der zweiten Jahreshälfte das Geschäft weiter stabilisieren könnte nach den ersten Zeichen der Erholung. Im Gesamtjahr schließt Traton aber ein negatives operatives Ergebnis für 2020 nicht aus.

Bei Personalien und Spitzel-Affäre mauert die Marke VW

Die eigene Personalie wollte Stackmann bei der Pressekonferenz nicht kommentieren. Das „Handelsblatt“ hatte berichtet, der Manager verlasse das Unternehmen nach der Personalrochade im oberen Management ebenfalls in Kürze. „Ich bin noch da, und mehr gibt es dazu nicht zu sagen“, sagte Stackmann nach Angaben der Deutschen Presseagentur. Auch die Spitzel-Affäre um Mitschnitte der Verhandlungen bezüglich des Zulieferers Prevent wollten die Vorständler nicht kommentieren.

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