VW investiert Milliarden in E-Mobilität und Digitalisierung

Wolfsburg.  Davon profitieren die Werke in unserer Region. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh: Wir setzen ein Zeichen der Stärke.

Das VW-Stammwerk in Wolfsburg.

Das VW-Stammwerk in Wolfsburg.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

„Als starkes Signal an die Mannschaft“ wertete VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh am Freitagnachmittag das etwa 60 Milliarden Euro umfassende Investitionspaket des Autobauers in den nächsten fünf Jahren für den Ausbau der Elektro-Mobilität, der Hybridisierung und der Digitalisierung. Als Mitglied des Aufsichtsrats hat er mit über diese Planung entschieden. In einem „außergewöhnlichen Umfeld“, in dem Tausende von Arbeitnehmern in der Auto- und Zuliefer-Branche um ihren Arbeitsplatz fürchteten, „setzen wir mitten in der Krise ein Zeichen der Stärke“, betonte Osterloh.

Das sei auch der Arbeitnehmervertretung zu verdanken, die sich dafür eingesetzt habe, dass die „Zukunftstechnologie nicht an Deutschland vorbeigeht“, sagte der Betriebsratschef mit Blick auf die E-Mobilität. Der Betriebsrat sorge dafür, dass „Wirtschaftlichkeit und Beschäftigungssicherung Unternehmensziele bleiben“. Osterloh: „Mit diesem Anspruch der Mitbestimmung ist Volkswagen weltweit Marktführer geworden.“

Von den Milliarden-Investitionen profitieren auch die Werke in unserer Region. Der mit drei Milliarden Euro größte Betrag fließt ins Stammwerk Wolfsburg. Investiert wird dort in die Produktion, aber auch in die Entwicklung. Dabei stehen digitale und virtuelle Techniken im Mittelpunkt. Dank neuer Entwicklungen soll beispielsweise der Einsatz von Testfahrzeugen zurückgefahren werden.

In sein Komponentenwerk Braunschweig investiert der Autobauer mehr als 550 Millionen Euro. Gerade wurde dort erst die Fertigung von Batteriesystemen für die E--Modelle ausgeweitet. Aber auch andere Komponenten wie zum Beispiel Lenkungen liefert das Werk Braunschweig für die neuen E-Fahrzeuge.

Ebenfalls mehr als 500 Millionen Euro fließen ins Motorenwerk Salzgitter. Die Investitionen teilen sich auf in die Weiterentwicklung der Benzin-Maschinen, in die Fertigung von Komponenten für Elektroantriebe, in die Entwicklung der Brennstoffzelle sowie in den Betrieb einer Anlage für das Batterie-Recycling.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der als Vertreter des Landes Niedersachsen als VW-Großaktionär ebenfalls Mitglied des VW-Aufsichtsrats ist, sagte im Anschluss an die Sitzung des Kontrollgremiums, dass der Autobauer in Niedersachsen in Summe mehr als 16 Milliarden Euro investiere. Das sei Zeichen einer „konsequenten Umsetzung des Wandels“. Weil: „Niedersachsen wird ein Zentrum der deutschen Elektromobilität sein.“

Allerdings mache er sich Sorgen um den stockenden Ausbau der erneuerbaren Energien, sagte Weil. Die Politik müsse Rahmenbedingungen schaffen, damit er noch zu einem Erfolg werde. Dafür werde sich das Land einsetzen.

VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch sagte, die beschlossenen Investitionen seien von „Gestaltungswillen und Weitblick“ geprägt. „VW wird sich an die Spitze des Wandels setzen“, betonte er. Die finanzielle Ausgangslage des Autobauers sei „ausgesprochen solide und robust“. Volkswagen habe das Ziel, der führende Anbieter nachhaltiger Mobilität zu werden und zu bleiben, sagte Pötsch.

Am ausführlichsten ging am Freitagnachmittag in Wolfsburg VW-Vorstandschef Herbert Diess auf die strategische Ausrichtung des Unternehmens in den nächsten Jahren ein. Mit seinen Investitionen und seiner Modell-Offensive verfolge der VW-Konzern das Ziel, dass „in zehn Jahren dann in der EU über 40 Prozent aller neuen Pkw unseres Konzerns elektrisch fahren“, sagte er.

Ohne einen raschen Wechsel zur Elektro-Mobilität sei der Kampf gegen den Klimawandel nicht zu gewinnen. Diess: „Sie ist die einzig wirksame Alternative zum Verbrennungsmotor, die sich sofort zu vertretbaren Kosten in hoher Stückzahl produzieren lässt.“ Durch die sich verschärfenden CO2-Ziele stehe das Unternehmen unter großem Druck. Diess zeigte sich aber selbstbewusst: „Wir werden die erheblich verschärften EU-Flottengrenzwerte ab 2020 einhalten.“

Wegen der noch lückenhaften Lade-Infrastruktur für E-Fahrzeuge werde VW noch für viele Jahre Hybrid-Fahrzeuge produzieren – also Autos, die sowohl mit einem Verbrennungs- als auch mit einem Elektro-Motor ausgerüstet sind. Vor diesem Hintergrund ist auch die Ankündigung zu sehen, dass der Autobauer 60 Hybrid-Fahrzeugmodelle auf den Markt bringen will.

Diess gab es sich überzeugt, dass die E-Mobilität trotz aller Anlaufschwierigkeiten Erfolg haben wird. „Schon in wenigen Monaten wird man nicht mehr über die Offenheit bei den Antriebskonzepten sprechen. Die E-Mobilität wird sich dann durchgesetzt haben.“ Daher habe VW die Investitionen in die E-Mobilität im Vergleich zur vorangegangenen Planungsrunde um
10 Prozentpunkte erhöht. Zugleich halte das Unternehmen an seinem Ziel fest, die Produktivität bis 2025 um 30 Prozent zu steigern.

Mit dem Bekenntnis zum Ausbau der Elektro-Mobilität habe VW die Herausforderung angenommen, sich neu zu erfinden, sagte Diess. Diese Herausforderung müsse auch Deutschland als Industrienation annehmen, forderte er. „Nur dann hat sie Bestand.“

Mit Blick auf den 2015 öffentlich gewordenen Abgas-Betrug und den daraus von VW selbst formulierten Anspruch, die Unternehmenskultur zu verändern, sagte Diess: „Ethik, Integrität und Compliance sind die Grundlage für unser Geschäft.“ Er habe sich verpflichtet, den Konzern zu einem ethischen, ehrlichen und transparenten Unternehmen zu gestalten. „Wir haben Vertrauen in unsere Fähigkeiten, in unsere Strategie und in unsere hochmotivierte Mannschaft“, sagte Diess.

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