Landwirt aus Cramme hält Insekten-Tierfutter für Zukunftsmusik

Cramme.  Im Gegensatz zu Deutschlands Geflügelfleisch-Marktführer setzt Züchter Gerhard Schwetje bei der Fütterung seiner Tiere auf Regionalität.

Deutschlands Geflügelfleisch-Marktführer will künftig Insektenmehl an seine Tiere verfüttern und so den Sojaanteil im Futter reduzieren.

Deutschlands Geflügelfleisch-Marktführer will künftig Insektenmehl an seine Tiere verfüttern und so den Sojaanteil im Futter reduzieren.

Foto: (Symbolbild) Jens Büttner / dpa

Deutschlands Geflügelfleisch-Marktführer will künftig Insektenmehl an seine Tiere verfüttern und so den Sojaanteil im Futter reduzieren. Derzeit landen pro Jahr 240.000 Tonnen Sojaschrot in den Trögen seiner Hähnchen. Bisher ist die Nutzung von Insektenmehl im Tierfutter wegen EU-Vorgaben aus der Zeit der BSE-Krise um die Jahrtausendwende untersagt. Über seinen kanadischen Partner Enterra beantragte das Unternehmen daher bei der EU-Kommission eine Zulassung von Insektenmehlen in Geflügel- und Schweinefutter.

„Das ist schon länger eine bekannte Idee, war aber bislang mehr Gag als tatsächliche Praxis. Der Anteil von Insekten am Futter liegt nicht mal im Promillebereich“, sagt Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Der Landwirt aus Cramme betreibt selbst eine Geflügelmast und füttert seine Tiere mit selbst angebautem, unbearbeiteten Weizen – ältere Tiere zusätzlich mit Ergänzungsfutter. Die Ausscheidungen der Tiere landen anschließend wieder auf seinen Feldern.

Vor dem Hintergrund großflächiger Rodungen im Regenwald Südamerikas war der Anbau von Soja zuletzt in die Kritik geraten. Als alternative Energiequelle soll deshalb jetzt die Soldatenfliege herhalten: Deren Larven zieht das Unternehmen Enterra auf Nahrungsabfällen auf. Die Insekten wandeln die Nährstoffe des Abfalls in Eiweiß und Fett um und werden dann gemahlen. Aus zwei Kilogramm Lebensmittelabfall könnte damit in der Theorie ein Kilogramm Insektenmehl gewonnen werden.

„Bei der Menge an Soja, die für Tierfutter und Menschennahrung benötigt wird, wären Insekten aber sicher eine gute Alternative“, sagt Schwetje. Bis diese jedoch tatsächlich salonfähig sei, würden wohl noch einige Jahre vergehen. „Die Frage ist, ob in Zeiten des Insektensterbens die benötigte Masse an Tierfutter überhaupt regional herstellbar wäre oder ob die Insekten genau wie das Soja importiert werden müssten“, so der Landwirt. „Außerdem ist Insektennahrung für Tiere genau wie für den Menschen auch eine Frage der Akzeptanz.“

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