Erbe und Vermächtnis – Diese Unterschiede sollten Sie kennen

München/Angelbachtal.  Beim Nachlass machen nur wenige einen Unterschied zwischen vererben und vermachen. Den gibt es aber. Die Besonderheiten im Überblick.

Bei einem Vermächtnis können außerhalb einer Erbschaft einzelne Vermögensgegenstände vermacht werden – das kann auch ein Oldtimer sein.

Bei einem Vermächtnis können außerhalb einer Erbschaft einzelne Vermögensgegenstände vermacht werden – das kann auch ein Oldtimer sein.

Foto: istock / iStock

Nach dem Tod finden viele Menschen kaum Zeit für die Trauer. Grund dafür sind die vielen organisatorischen Fragen, die erst einmal geklärt werden müssen: So steht erstmal die Beerdigung und die Trauerfeier an – und dann muss sich auch noch ums Erbe gekümmert werden. Auch dann, wenn man eigentlich gar nicht vor hat, ein Erbe anzunehmen.

Was viele nämlich nicht wissen: Es gibt bei der Erbregelung wichtige Dinge zu beachten. Wer erbt, bekommt nicht nur das Vermögen des Toten – er muss auch seine Schulden bezahlen. Doch es gibt noch eine andere Lösung: ein Vermächtnis. Damit kann man es den Angehörigen einfacher machen. Nur muss man das schon zu Lebzeiten wissen.

Was es damit auf sich hat, erklären wir Ihnen.

Erben und Vermächtnis – das sind die wichtigsten Unterschiede

  • Vermächtnis nennt man auch Legat, Empfänger ist kein Erbe
  • Man muss nicht die bürokratischen Hürden wie beim Erben nehmen
  • Dann ist man auch nicht für die Schulden verantwortlich
  • Wer erbt, muss weitaus mehr tun

Vererben, vermachen. Bei der Verteilung des Nachlasses machen die meisten Menschen zwischen den beiden Worten keinen Unterschied. Den gibt es dennoch, etwa beim bürokratischen Aufwand.

Was ist ein Vermächtnis?

Ein erbrechtliches Vermächtnis, auch Legat genannt, ist die Zuwendung eines bestimmten Vermögensvorteils aufgrund eines Testaments oder Erbvertrags. Der Empfänger ist nicht als Erbe eingesetzt.

Wann ist ein Vermächtnis hilfreich?

Zum Beispiel, wenn in Patchworkfamilien Kinder aus früheren Beziehungen etwas vom Vermögen abbekommen, aber bei der Verteilung des Erbes nicht mitreden sollen. Oder wenn Freunde, Bekannte, Lebenspartner, Vereine, Kirchen und Tiere zum Zuge kommen sollen.

Der Vorteil: Anders als Erben müssen die so Bedachten weder Schulden aus dem Nachlass begleichen noch die mit dem Tod des Erblassers verbundene Bürokratie abwickeln, etwa den Erbschein beantragen und die Wohnung auflösen. Die Münchner Rechtsanwältin Julia Roglmeier vergleicht die Situation deshalb mit einer Sahnetorte.

„Der Vermächtnisnehmer hat Anspruch auf die Kirsche obendrauf. Er nimmt sie, steht vom Tisch auf und geht.“ Um den Rest der Torte darf sich dann die erbende Verwandtschaft schlagen.

Wer bestimmt den Inhalt des Vermächtnisses?

Der Erblasser ordnet testamentarisch an, wer was erhält. Das reicht von der Briefmarkensammlung über Omas Perlenkette und Fotos bis hin zu Immobilien, Aktien und Geld. Die zugedachten Dinge sind präzise zu beschreiben. „Alles muss so eindeutig sein, dass jeder sofort weiß, was gemeint ist“, sagt der Notar Thomas Wachter aus München.

Bei der Perlenkette sind das zum Beispiel Angaben zu Länge und Farbe, bei Depots Nummer, Bank, Ansprechpartner, bei Firmen und Häusern Handelsregister- und Grundbuchauszug. Bei Geld wird entweder der genaue Betrag genannt oder eine Quote.

Letzteres empfiehlt sich, wenn unklar ist, wie viel Geld jemand hinterlässt. „Nach Abzug aller Nachlassverbindlichkeiten erhält meine Nachbarin Else Müller von meinem verbliebenen Bankguthaben 20 Prozent“, könnte eine Formulierung lauten.

Wer kann mit einem Vermächtnis bedacht werden?

„Jede natürliche und juristische Person“, sagt Jan Bittler von der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge (DVEV). Besonders gerne werden ihm zufolge Legate genutzt, um Tiere zu versorgen. Das geht indirekt. „Der Person meines Vertrauens wende ich ein Vermächtnis mit der Auflage zu, dieses für die Pflege meines Tieres zu verwenden.“ Zur Kontrolle werde ein Testamentsvollstrecker eingesetzt.

Auch Erinnerungsstücke kommen häufig über ein Vermächtnis in neue Hände. Pflegekräfte können im Gegensatz dazu nichts erhalten – dem stehen die Heimgesetze entgegen.

Wie kommen Vermächtnisnehmer an das ihnen Zugedachte?

„Von ihnen wird das Vermächtnis eingefordert“, erläutert Bittler. Dazu bleiben mindestens drei Jahre Zeit ab dem Ende des Jahres, in dem der Bedachte von dem Passus zu seinen Gunsten erfährt. Er muss die Erbschaftssteuer auf das Legat zahlen. Erben sind zur Herausgabe des Legats verpflichtet.

Wer Streit zwischen Erben und Vermächtnisnehmer vorbeugen will, setzt den Vermächtnisnehmer zum Testamentsvollstrecker in eigener Sache ein. „Er kann dann die ihm zugedachten Sachen an sich selbst herausgeben“, erläutert Roglmeier.

Können auch Erben mit Vermächtnissen bedacht werden?

Ja, das geht. Der Fachbegriff heißt Vorausvermächtnis. Der oder die Erben erhalten das Zugedachte vorab zusätzlich zu ihrem Erbteil. Mit diesem wird das Legat nicht verrechnet, weil Bedachte das Vermächtnis wie die Kirsche vor Verteilen des Erb-Kuchens wegnehmen. So kann der Erblasser Einzelne im Vergleich zu Miterben begünstigen. Der Wert eines einzelnen Vermächtnisses kann so hoch sein wie das Erbteil.

Mit dem Steuervermächtnis kann Erbschaftssteuer gespart werden. Sie bietet sich Roglmeier zufolge zum Beispiel bei einem Berliner Testament an. Dabei setzen sich Ehepartner zunächst gegenseitig als Alleinerben ein. Die Kinder kommen erst nach dem Tod beider Elternteile zum Zuge.

Die Eltern können jedoch über eine Vermächtnisklausel im Testament festlegen, dass der Überlebende den Kindern bereits beim ersten Erbfall ein Vermächtnis von maximal der Höhe des Erbschaftssteuerfreibetrags aus dem Nachlass auszahlt. Dies sind derzeit für Kinder 400.000 Euro. Nach dem Tod des zweiten Elternteils können Kinder diesen Freibetrag ein zweites Mal nutzen.

Welche Fehler lauern beim Vermächtnis?

„Den gesamten Nachlass nur über Vermächtnisse zu verteilen und nicht zu bestimmen, wer erbt“, sagt Bittler, führe in der Praxis zu Verwirrung: Es sei unklar, wen Bedachte ansprechen müssen, um ans Vermächtnis zu kommen. Auch Nachlassgerichte tun sich schwer. „Daher ist es ganz wichtig, auch Erben zu benennen“, sagt der Anwalt.

Notar Thomas Wachter blickt nach vorne: „Dinge ändern sich. Deshalb sollte ich überlegen, was zum Beispiel passiert, wenn der Bedachte vor mir stirbt, und das im Testament regeln.“ Gleiches gelte für den Fall, dass ein zugedachtes Depot oder Konto nach dem Tod des Gebers leer oder nicht auffindbar sei. Vermächtnisse können jederzeit über einen Nachtrag oder Ergänzungen zum Testament geändert werden. (dpa)

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