VfL Wolfsburg: Casteels legt den Finger in die Wunde

Wolfsburg.  Der Keeper des VfL Wolfsburg bemängelt die vielen Gegentore nach Standards: „Daran müssen wir arbeiten.“

Die Standards passen noch nicht: VfL-Keeper Koen Casteels musste im Pokal in Halle gleich dreimal nach ruhenden Bällen hinter sich greifen.

Die Standards passen noch nicht: VfL-Keeper Koen Casteels musste im Pokal in Halle gleich dreimal nach ruhenden Bällen hinter sich greifen.

Foto: Christian Schroedtervia www.imago-images.de / imago

Die Generalprobe für den Bundesliga-Start am Samstag gegen Aufsteiger 1. FC Köln hat der VfL Wolfsburg mit Ach und Krach gerade so bestanden. „Ein ganz typisches Pokalspiel“, sagt Koen Casteels, der Torhüter der Grün-Weißen, über das 5:3 nach Verlängerung am Montagabend bei Drittligist Hallescher FC . „Hauptsache ist, dass wir eine Runde weiter sind.“ Stimmt, und zudem lieferte die Generalprobe einige Erkenntnisse. Zum Beispiel die, dass der VfL ausgerechnet bei ruhenden Bällen ein Problem hat.

Dabei weiß Trainer Oliver Glasner um die Bedeutung von Standards im modernen Fußball, zieht oft die Statistik heran, wie viele Tore nach Freistößen oder Eckbällen fallen. In Halle kamen alle drei Gegentore so zustande. In allen drei Szenen verteidigten die Grün-Weißen den zweiten Ball nicht richtig, so dass die Gastgeber zum Nachschuss kamen (beim 0:1) oder noch einmal flanken konnten (beim 2:2 und 3:3). Leidtragender war Casteels, der ansonsten gar nicht viel zu halten bekam, bei den Treffern des Drittligisten allerdings schuldlos war.

„Daran“, sagt der VfK-Keeper zustimmend nickend, „müssen wir auf jeden Fall arbeiten und eine bessere Abstimmung finden.“ Ganz neu ist das Problem indes nicht. Bereits in den Testspielen der Vorbereitung klingelte es immer wieder mal nach Standardsituationen im Wolfsburger Kasten. Eine Lösung für das Problem fehlt offenbar noch. Im Pokalspiel führten andere Qualitäten den VfL zum Sieg. Viel „Mentalität und Siegeswillen“ bescheinigt Casteels seiner Mannschaft.

Doch Halle ist nicht Köln. Gegen den Aufsteiger könnte das am ersten Bundesliga-Spieltag nicht reichen. Da muss eine Steigerung her. Dass es besser geht, bewiesen die Testsiege, nicht zuletzt das furiose 8:1 gegen OGC Nizza . Aber das waren eben „nur“ Testspiele. Jetzt wird’s ernst. „Ich bin gespannt, wie die anderen Mannschaften drauf sind“, erklärt Casteels. Nicht wenige sind jedoch auch auf sein Team gespannt. Immerhin ist da mit Glasner ein neuer Trainer, der doch einige Sachen anders macht als Vorgänger Bruno Labbadia, dessen Vertrag am Ende einer mit Platz 6 erfolgreichen Saison ausgelaufen war.

Die neuen Ideen des neuen Trainers seien jedoch schon gut angenommen worden, sagt Casteels. Er ergänzt allerdings auch: „Es kann noch nicht bei 100 Prozent sein nach sechs Wochen.“ In Halle war zu sehen, dass die Schwierigkeiten eher im Spiel nach vorne lagen. Phasenweise lief der Ball gut, aber oft wurde es im letzten Drittel zu ungenau. Dafür ließ der VfL bis auf die gefährlichen Szenen nach Standards hinten fast nichts zu. „In der Defensive stehen wir schon sehr gut“, stimmt der Belgier zu, „im Spiel mit dem Ball müssen wir uns weiter verbessern.“ Das Fazit des Wolfsburger Vize-Kapitäns: „Ich glaube, der Trainer ist schon zufrieden.“

Für Casteels war die Partie in Halle erst die zweite seit dem 0:2 in Dortmund am 30. März. Eine Woche später hatte sich der 27-Jährige beim Warmmachen vor dem Heimspiel gegen Hannover eine schwere Muskelverletzung im Oberschenkel zugezogen. Erst im letzten Test gegen Nizza hatte er sein Comeback zwischen den Pfosten gegeben . „Es hat ein bisschen länger gedauert, als ich erst im Kopf hatte“, gibt Casteels zu. Länger als gedacht schmerzte die Verletzung noch, nur langsam wurde es besser. Da war Geduld gefragt. „Aber die Ärzte haben immer gesagt, dass es wieder zu 100 Prozent in Ordnung kommt“, erklärt der Keeper, der inzwischen wieder schmerzfrei und voll im Training ist. „Es war eine lange Zeit und ein langer Sommer für mich“, so Casteels.

An seiner Zukunftsplanung hat sich in dieser Zeit nichts geändert. Sein Vertrag läuft bis 2021, das Angebot auf eine vorzeitige Verlängerung hat er bisher nicht angenommen. Restzweifel bleiben, aber Casteels versichert vor dem Ligastart: „Ich bin zu 100 Prozent hier.“

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