Der VfL Wolfsburg sieht finanziell Licht am Ende des Tunnels

Wolfsburg.  Sinkende Personalkosten, gestiegene Marktwerte, Europa League: 2020 könnte sich der VfL Wolfsburg konsolidiert haben.

Hat gut lachen: Geschäftsführer Jörg Schmadtke hat den VfL finanziell wieder in die Spur geführt.

Hat gut lachen: Geschäftsführer Jörg Schmadtke hat den VfL finanziell wieder in die Spur geführt.

Foto: Darius Simka / regios24

Ende Mai hatte der VfL Wolfsburg seine Finanzdaten aus der Saison 2017/18 auf den Tisch gelegt – nicht freiwillig, sondern durch einen mehrheitlich getroffenen DFL-Beschluss gezwungenermaßen. Die Zahlen waren alles andere als berauschend , gut 20 Millionen Euro Verlust machten die Grün-Weißen. Für die abgelaufene Spielzeit rechnen die Verantwortlichen ebenfalls mit einem Minus. Aber der zurückgekehrte sportliche Erfolg sorgt auch finanziell wieder für Licht am Ende des Tunnels.

Gut 100 Millionen Euro an Personalkosten allein für den Profikader musste der VfL in der Saison 2017/18 aufbringen. Viel zu viel für eine Mannschaft, die sich nur durch die Relegation in der 1. Liga halten konnte. Deshalb fahren die Wolfsburger einen Konsolidierungskurs – und die zurückliegende Spielzeit war in dieser Hinsicht Gold wert. Zwar kommt der Klub beim Abbau der Personalkosten aufgrund von laufenden Verträgen nur langsam voran . Da wartet noch Arbeit auf die Verantwortlichen um die Geschäftsführer Jörg Schmadtke (Sport) und Tim Schumacher (Finanzen). Aber dafür geht’s auf zwei anderen Feldern wieder nach oben.

Zum einen beim Wert des Kaders, der erst einmal ein fiktiver ist, aber doch abbildet, wie gut gearbeitet wurde, und der bei etwaigen Spielerverkäufen maßgeblich wird. Im Vergleich zum Sommer 2018 hat der VfL den Wert seines Kaders (ohne feststehende Abgänge und Spieler ohne Einsatzzeit) um satte 75,5 Millionen Euro gesteigert. Größte Marktwert-Gewinner sind die Neuzugänge Wout Weghorst (plus 13 Millionen) und Jérôme Roussillon (plus 12 Millionen), was ein Lob für die Einkaufspolitik Schmadtkes ist. Spieler für vergleichsweise wenig Geld einzukaufen und später teuer weiterzuverkaufen: Auch so kann man etwas für die eigene Bilanz tun. Obgleich die Wolfsburger den Kader erst einmal zusammenhalten möchten, um höhere Ziele anzupeilen.

Mit den drei bereits feststehenden Neuzugängen Kevin Mbabu (Young Boys Bern, Marktwert 10 Millionen Euro), Joao Victor (Linzer ASK, 3 Millionen) und Paulo Otavio (FC Ingolstadt, 650.000) ist das Team des VfL sogar 89,15 Millionen Euro mehr wert als vor einem Jahr. Bis die Saison tatsächlich losgeht, wird es sicher noch einige Verschiebungen geben – auf beiden Seiten. Die Wolfsburger suchen noch nach einer Verstärkung fürs Mittelfeldzentrum, zudem könnte etwa Yunus Malli (Marktwert 5 Millionen Euro) den Klub verlassen.

Zum anderen ändert sich in der anstehenden Saison etwas auf der Einnahmenseite. Es ist zwar nicht die Champions League, aber auch in der Europa League gibt es Geld zu verdienen. Insgesamt schüttet die Uefa immerhin 560 Millionen Euro an die Teilnehmer aus. Als Startprämie gibt es knapp 3 Millionen, hinzu kommen Prämien für Siege und Remis in der Gruppenphase sowie pro erreichter weiterer Runde, Zahlungen aufgrund des Uefa-Koeffizienten und Gelder aus dem Marktpool, der sich am Wert des jeweiligen Fernsehmarktes orientiert. Zum Vergleich: Eintracht Frankfurt nahm als Halbfinal-Teilnehmer rund 20 Millionen Euro ein.

Soweit muss der VfL bei seinem Europa-Comeback erst einmal kommen. Aber schon die Teilnahme an der Europa League ist eine Hilfe bei der finanziellen Konsolidierung, die nach der Saison 2019/20 vielleicht abgeschlossen sein kann.

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