So verändert die Corona-Pandemie den Sportpferde-Handel

Braunschweig.  Löwen-Classics-Macher Axel Milkau geht im Handel junger Sprung-Talente neue Wege. Künftig will er vermehrt Hengste ausbilden.

In der Ausbildung junger Pferde spielt es eine große Rolle, wie sie auf Turnieren belastet werden.

In der Ausbildung junger Pferde spielt es eine große Rolle, wie sie auf Turnieren belastet werden.

Foto: Malte Christians / picture alliance/dpa

Unter normalen Umständen hätten Axel Milkau und Hilmar Meyer die Sportpferde Geronimo M&M und Django M&M sicher noch ein bisschen länger behalten – doch was ist in diesem von der Corona-Pandemie geprägten Jahr 2020 schon normal?

Aufgrund der vielen Turnierausfälle entschlossen sich der Braunschweiger und sein Geschäftspartner zum Verkauf der Tiere, die für hohe sechsstellige Beträge den Besitzer wechselten. Geronimo, der mit Löwen-Classics-Botschafterin Alexa Stais in der ersten Hälfte der Saison mit Siegen in internationalen Youngster-Finals auf sich aufmerksam machte, wurde diesen Monat nach Russland an einen Oligarchen verkauft. Der sprunggewaltige Django weckte in den vergangenen Wochen große Begehrlichkeiten auf dem internationalen Markt, da er im spanischen Oliva sehr gute Ergebnisse in den dortigen internationalen Youngster-Touren erzielte. Der Siebenjährige wechselt nun in die USA zu einer der Top-Adressen im amerikanischen Turniersport.

Corona-Pandemie sorgt für Verkäufe vielversprechender Sportpferde

Eigentlich hätte Milkau die beiden Youngster, zu denen sieben- bis achtjährige Pferde zählen, gern noch intensiver ausgebildet. Nun ist es so, als hätte Fußball-Zweitligist Eintracht Braunschweig ein paar seiner vielversprechendsten Talente abgegeben, noch bevor der ideale Zeitpunkt zum Verkauf bestand. „Covid-19 hat auch den Reitsport fest im Griff. Wir mussten uns von dem Gedanken trennen, die Top-Nachwuchspferde, die auf dem Sprung in die internationalen Klassen sind, weiterhin für unsere Reiter zu halten“, erklärt Milkau. „Wir können noch nicht realistisch einschätzen, wie sich die Saison 2021 im Zuge der Turnierstruktur gestaltet. Somit war uns das wirtschaftliche Risiko zu hoch, und wir mussten jetzt reagieren, als die Begehrlichkeiten am Markt für unsere Pferde hoch waren.“ Für Top-Reiterin Stais erfreulich: Ihre Spitzenstute Taina M&M blieb dem Stall erhalten. Darüber hinaus hat die Pandemie die Macher allerdings zum Umdenken gezwungen. Doch Milkau blickt bereits optimistisch nach vorne: „Wir bleiben natürlich durch diesen Corona-Kurswechsel nicht stehen, sondern ganz im Gegenteil. Wir bauen bereits an der Zukunft und wollen uns in vielen Dingen optimieren.“ Eine Neuerung ist der Fokus auf den Einkauf junger Hengste.

Schon die zwei- bis dreijährigen Hengste erzielen auf den Auktionen einen Durchschnittspreis von etwa 70.000 Euro, sofern sie gekürt sind. Sogar Toppreise von bis 150.000 Euro sind möglich. Nicht gekürte Hengste in der gleichen Altersklasse sind schon ab 20.000 Euro zu haben. Und genau da liegt die Chance. Die überwiegend als Zuchttiere eingesetzten Männchen sind auch aufgrund ihrer Ausstrahlung dazu fähig, ein gutes Sportpferd zu werden – die richtige Ausbildung vorausgesetzt. „Es ist wie beim Fußball. Auch im Pferdesport gehen wir viel früher ins Scouting, um selber auszubilden“, erklärt Milkau. Selbst wenn die Corona-Pandemie noch länger für Turnier-Ausfälle sorgt, ist das Risiko gering, denn die tierischen Auszubildenden hätten dann noch mehr Ruhe und Zeit, um zu reifen. Ältere Pferde, die sich auf dem Markt zeigen müssen, um Begehrlichkeiten zu entwickeln, haben in dieser Phase schlechtere Karten.

Schritt zurück – Für nachhaltige Ausbildung von Sportpferden

Deshalb gehen Milkau und Meyer ganz bewusst diesen winzigen Schritt zurück, der aber mehr Nachhaltigkeit und Transparenz bringen soll. „Es geht um die Langlebigkeit der Erfolge“, sagt Milkau, der die Ausbildung in zwei Phasen gliedert. In vielen anderen Betrieben durchlaufen Pferde oft nur eine Phase. Entweder sie werden auf großen Turnieren schnell und regelmäßig ins kalte Wasser geworfen, oder in kleineren Klassen behutsam aufgebaut. Durch die Kooperation mit Hilmar Meyer kann der Löwen-Classics-Chef beides bieten. „Die Käufer achten darauf, ob ein Pferd zu intensiv eingesetzt wurde – das ist wie der Blick auf den Kilometerstand beim Autokauf“, sagt Milkau, der für das Tierwohl weiter in die Infrastruktur investiert.

Für die Hengstaufzucht wurden unweit des Partnerbetriebes in Morsum bei Bremen neue Weideflächen geschaffen. Und in Braunschweig soll eine Athletikhalle entstehen. „Wir möchten den Kreislauf der Pferde vom Fohlenalter bis hin zum Abverkauf im Turniersport in einer Hand lassen, damit wir unseren Kunden eine vollständige Transparenz über das M&M Pferd aufzeigen können“, erklärt Milkau.

Denn Verkaufserfolge sollen planbarer gemacht werden. „Der Pferdehandel finanziert uns. Pensionsgeschäfte sind eher ein durchlaufender Posten“, sagt er. Ein guter Name in Kenner-Kreisen ist dafür Voraussetzung. Nun geht es weiter darum, Vertrauen zu schaffen und Stammkunden zu binden. Die Verkäufe von Django und Geronimo waren diesem Vorhaben zuträglich. Bis die neuen Hengste auf dem Markt derartige Preise erzielen, ist aber ein bisschen Geduld gefragt.

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