Löwen-Classics-Züchter bekommt Nachwuchs

Braunschweig.  Wie ein Braunschweiger Fohlen zum Spring-Champion wird. Pferdezüchter stecken viel Arbeit und Geld in den Nachwuchs – doch garantiert ist nichts.

Auf der schattigen Weide stärkt sich LC Quintas Fohlen mit Milch, die viele wichtige Nährstoffe enthält.

Auf der schattigen Weide stärkt sich LC Quintas Fohlen mit Milch, die viele wichtige Nährstoffe enthält.

Foto: Lars Rücker

Dass aus einem kleinen Fohlen mal ein erfolgreiches Springpferd wird, kann niemand von vornherein planen. Doch um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, investieren Axel Milkau, Chef des Sportzentrum Löwen-Classics, und sein Züchter Christian Werthmann eine Menge Hirnschmalz.

Und seit etwas mehr als zwei Wochen gibt es auf der Wiese bei Werthmanns Gehöft in Bettmar im Landkreis Peine Nachwuchs. Die Stute LC Quinta, die unter Dirk Klaproth und Janna Sunnanvader schon in LC-Farben international glänzte, hat ein gesundes Fohlen geboren. Vater ist der Zuchthengst Colman – sein Samen ist weltweit gefragt und dementsprechend nicht ganz billig. „Jeder Züchter kämpft um jede Portion Samen. Das ist ein Riesengeschäft“, weiß Werthmann.

Welcher Erzeuger infrage kommt, entscheidet sich also weit vor der Zeugung, die fast ausschließlich per künstlicher Befruchtung erfolgt. Welche Attribute das Jungtier später bekommt, lässt sich nicht steuern. „Da ist immer auch ein bisschen Glück im Spiel, aber wir versuchen, die Stärken zusammenzufügen“, erklärt Milkau.

Stute erleidet Fehlgeburt

Bei Mutterstute LC Quinta, die im vergangenen Jahr eine Fehlgeburt erlitten hatte, schätzen beide die schnellen und kraftvollen Vorderbeine mitsamt des Bewegungsapparats, hinten ist das einstige Drei-Sterne-Pferd dafür weniger spritzig. Deshalb habe man Colman ausgewählt, der dort seinen Aktivpunkt hat.

Sowohl Milkau als auch Werthmann ist es aber wichtig, die Tiere nicht zu überzüchten. Das Thema Nachhaltigkeit spielt eine Rolle – und vor allem das Tierwohl. Deswegen setzt der LC-Macher, der auch auf die Expertise zweier Zuchtställe bei Bremen vertraut, auf das Fachwissen des kleinen Betriebes in Bettmar. Hier sieht er, wie viel Herzblut in die Aufzucht der Nachwuchspferde gesteckt wird.

Verantwortungsvolle Hege

Jahr für Jahr werden die Stallungen über das normale Maß hinaus gereinigt, Wände werden gesandstrahlt, Weiden mit Schattenplätzen sorgsam ausgewählt und mit dem Tier verantwortungsvoll gearbeitet, ohne es zu verhätscheln.

Auf Werthmanns Wiesen lernen die Pferde auch voneinander. Meistens stehen mehrere Stuten und Fohlen zusammen. Beim Zögling von LC Quinta, der noch keinen Namen hat, fällt sofort auf: Er ist groß für sein Alter, hat keine klobigen Gelenke und schöne lange Beine, ist aber auch sehr schüchtern. Die Stute passt mit Argusaugen auf ihr Fohlen auf, schließlich musste es zu Beginn erstmal aufgepäppelt werden. „Wenn man merkt, dass es so weit ist, wird man selber ganz aufgeregt“, erklärt Werthmann, der über die nahende Geburt per Piepsignal informiert wurde, das LC Quinta auslöste, als sie sich hinlegte und damit einen Gurt auf Spannung brachte.

Tücken der Geburt

In diesem Moment galt alle Aufmerksamkeit dem kleinen Pferd, das in einer Art Hülle zur Welt kommt. Anschließend ist es wichtig, das Fohlen schnell vom Darmpech zu befreien. So nennt man den Kot, der sich schon während der Zeit im Mutterleib ansammelt – und der manchmal knüppelhart ist. Gelangt das Darmpech nicht heraus, kann es für das Pferd gefährlich werden, doch mit einer speziellen Creme lässt sich dieses Problem lösen.

Beim LC-Nachwuchs ging zum Glück alles gut. Jetzt darf er zunächst mit Mama auf die Weide. Dort soll das Fohlen laufen, die Bänder festigen – und auch das Anlegen des Halfters wird schon mal probiert. Wenn es drei Jahre alt ist, geht es ins Training, nimmt erste klitzekleine Hindernisse, ehe es ein weiteres Jahr zum Züchter darf – schon zu diesem Zeitpunkt hat der Züchter etwa 12.000 Euro in das Tier investiert. Erst wenn es etwa fünfeinhalb Jahre alt ist, ist die Muskulatur ausgebildet, und es wird zum Sportpferd ausgebildet.

Investition in die Perspektive

Dann kristallisiert sich langsam heraus, wohin es das Pferd schaffen kann. Bei der Auswahl des Hengstes investiert man Jahre zuvor vielmehr in eine Perspektive. Aber Milkau und Werthmann haben einen geschulten Blick, entdecken immer wieder auch so manches Juwel, das nicht sofort ins Auge springt. In großen Zuchtbetrieben, in denen die Ausbildung beinahe einer Bandabfertigung gleicht, gehen viele brauchbare Hengste unter. „Auf dem Bildschirm und auf dem Papier sieht alles gut aus, aber persönlich anschauen, ist immer besser“, glaubt Werthmann, und Milkau ergänzt: „Das Auge dieser regionalen Züchter ist unerlässlich für uns, weil diese sich ihr Urteil auch außerhalb der großen Schauen anhand von persönlichen Eindrücken und ihren Erfahrungen bilden.“

Wenn sich im Laufe der Jahre dann beim Fohlen eine gute Entwicklung einstellt, weiß man, dass man nicht nur sprichwörtlich auf das richtige Pferd gesetzt hat. Dann stellt sich auch schon einmal Vorfreude ein – vielleicht hat man hier einen künftigen Classico-Teilnehmer aufgezogen.

Bloß nicht zu viel Euphorie

Aber so weit ist es beim kleinen Fohlen auf der Wiese in Bettmar noch nicht. „Und zu viel Euphorie ist auch nicht gut, sonst werden die vier Jahre bis zum ersten Turnier ganz schön hart“, sagt Züchter Christian Werthmann, den seine jahrelange Erfahrung eines gelehrt hat: „Ob ein Fohlen am Ende beim Chio in Aachen an den Start geht, oder nur in Volkmarode, kann keiner vorhersehen.“

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