Basketballer legen los und wollen Corona konstruktiv trotzen

Braunschweig.  Braunschweigs Löwen und die anderen Erstligisten geben sich trotz stark reduzierter Budgets und vor einem „harten Winter“ zum Pokalturnier positiv.

Lukas Meisner, hier beim Testspiel gegen Vechta in der VW-Halle, vertrat die Löwen beim Tip-off-Meeting der BBL und lobte vor dem Pokalturnier das deutsche Konzept seines Heimat-Standorts.

Lukas Meisner, hier beim Testspiel gegen Vechta in der VW-Halle, vertrat die Löwen beim Tip-off-Meeting der BBL und lobte vor dem Pokalturnier das deutsche Konzept seines Heimat-Standorts.

Foto: imago images/Hübner

Von den neuesten Corona-Hiobsbotschaften wollen sich Oliver Braun und seine Geschäftsführer-Kollegen nicht unterkriegen lassen. Wenn am Wochenende die Bundesliga-Saison der Basketballer mit dem vorgeschalteten Pokalturnier beginnt, wollen die Löwen Braunschweig und die anderen 17 Klubs vor allem sportliche Schlagzeilen produzieren. Darauf haben sich die Vertreter der BBL und ihrer Standorte am Donnerstag beim Tip-off-Meeting zumindest eingeschworen.

„Wehklagen nützt ja nichts, wir werden uns mit den Rahmenbedingungen arrangieren müssen“, sagte Liga-Geschäftsführer Stefan Holz bei der Videoschalte aus Berlin. Und weil man ja wisse, dass die sich analog zu den Infektionszahlen ständig ändern könnten, sei Flexibilität das große Thema der Saison.

BBL gibt sich selbstbewusst

Mit dem Slogan „Wir sind bereit“, der eine positive, konstruktive Grundhaltung ausdrücken soll, treten die Korbjäger mit einem gewissen Selbstbewusstsein an. Dafür ist auch das Finalturnier von zehn Mannschaften im Juni in München verantwortlich, das sportlich wie medial ein großer Erfolg war und die BBL-Verantwortlichen bestätigt und beflügelt hat.

Klar habe man auch mal über eine Verschiebung des Saisonstarts geredet, berichtete Liga-Präsident Alexander Reil. Doch man sei sich schnell einig gewesen „dass uns das auch nicht weiterbringen würde. Denn wer weiß, was sechs Wochen später ist“, fragte er – wohl auch im Blick auf die Kollegen vom Eishockey.

Staatshilfen dringend benötigt

Aber natürlich plagen die Basketball-Erstligisten wie alle Profiligen auch große finanzielle Sorgen. „Wir wissen, es wird ein harter Winter. Am Ende des Tages brauchen wir die Zuschauereinnahmen“, verdeutlichte Holz. Und wenn es die aufgrund staatlicher Beschränkungen nicht gebe, müssten Staatshilfen fließen, damit die Standorte überleben könnten. Eine große Mehrheit der Klubs werde die vom Bund avisierten maximal 800.000 Euro beantragen, wofür noch bis zum 31. Oktober Zeit ist, berichtete der BBL-Chef.

Budgets sinken deutlich

Noch sei die Liga und seien die Vereine wirtschaftlich gesund, führte er aus. Alle hätten den Gürtel enger geschnallt. So planten die 18 Standorte die Saison 2020/2021 mit Budgets von zusammengenommen 100 Millionen Euro. In der Vorsaison hätten die nur 17 Klubs mit 130 Millionen gerechnet und wären ohne Corona wohl bei 140 Millionen gelandet. „Wir haben also jetzt einen massiven Einschlag“, verdeutlichte Holz. „Das ist eine BBL wie vor sechs, sieben, acht Jahren.“

1300 Zuschauer in Braunschweig

Diese Spielzeit irgendwie überstehen lautet die Devise der Standorte. Denn dass schon in näherer Zukunft wieder viel mehr Fans für die nötigen Einnahmen sorgen, ist angesichts der aktuellen Infektionslage utopisch. So mussten sich die Braunschweiger von der Idee der unter Abstandswahrung möglichen 2000 Zuschauer in der VW-Halle wieder verabschieden und planen nun für die ersten Heimspiele zunächst mit der von der Politik vorgegebenen 20-prozentigen Auslastung, also rund 1300 Besuchern.

Kostendeckend sei das aber nicht, bemerkt Löwen-Geschäftsführer Braun. „An sich müssten wir rausgehen und sagen: Wir brauchen wirtschaftlich 40 oder 50 Prozent Auslastung“, sagte Holz. „Aber da sind die Zeiten nicht danach.“

Experte: „Konzepte funktionieren“

Dass die ohne erhöhte Inzidenzwerte erlaubte Zuschauerkapazität nochmals zurückgefahren werden müsse, erwarten die Basketball-Verantwortlichen derzeit nicht. Er spüre ein gewisses Vertrauen der Politik in die Arbeit der Hallensportarten insgesamt, sagte Hygieneexperte Florian Kainzinger, der mit vielen Profi-Ligen die Konzepte erarbeitet hatte.

Auch seien keine Infektionen aus den Fußballstadien mit mittlerweile insgesamt schon wieder 200.000 Zuschauern bekannt oder beispielsweise aus der Basketball-Europaliga, in der Bayern München und Alba Berlin bereits drei Partien absolviert haben. „Unsere Konzepte funktionieren“, betonte Kainzinger. Man hat keine 100-prozentige Sicherheit, aber die hat man ja auch nicht im Alltag.“

Meisner lobt großen deutschen Spielerkern

Neben Braun vertrat Profi Lukas Meisner die Löwen beim sportlichen Teil der der Videokonferenz. Der neben Nationalspieler Karim Jallow zum Kapitän beförderte 25-Jährige stellte die Besonderheit seines Heimatstandorts heraus und formulierte ein ehrgeiziges Ziel: „Wir arbeiten hart daran, mit unserem großen und ausgeprägten deutschen Spielerkern erfolgreich zu sein.“

Beim Pokalwettbewerb dürfte das schwierig werden, denn die Löwen hatten großes Lospech. Meister Alba Berlin zum Auftakt, dann Spitzenteam Oldenburg und Gruppen-Gastgeber Bonn sind die Gegner. Dass Meisner und Co. da Gruppensieger werden und ins Final-Four einziehen, scheint nahezu unmöglich.

Corona-Fälle: Zur Not Spielverlegungen

Rückschläge müssen die Löwen also einplanen, wie in den Pandemie-Wirren auch die gesamte Liga. Doch Furcht vor Spielabsagen wegen Corona-Fällen in den Teams oder gar einem Abbruch der Spielzeit lässt Liga-Chef Holz erstmal nicht erkennen. „Es wird Einschläge geben. Dann verschieben wir die Spiele und managen das. Wir sind da relativ gelassen.“

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