Löwen-Basketballer setzen auf rund 2000 Zuschauer

Braunschweig.  Geschäftsführer Oliver Braun spricht über die Hygiene-Konzepte der Erstliga-Basketballer – und über verhaltene Sponsoren.

Mit den Fans in der Volkswagenhalle wieder Basketball-Feste feiern: Das wünscht sich nicht nur Löwen-Rückkehrer Kostja Mushidi. Am 6. November beginnt die Bundesliga-Saison.

Mit den Fans in der Volkswagenhalle wieder Basketball-Feste feiern: Das wünscht sich nicht nur Löwen-Rückkehrer Kostja Mushidi. Am 6. November beginnt die Bundesliga-Saison.

Foto: Florian Kleinschmidt/BestPixels.de

In Corona-Zeiten ticken die Uhren in vielen Bereichen anders. Auch bei den Löwen-Basketballern, die nächste Woche in die Saisonvorbereitung starten, geht es derzeit nicht nur um Dunks und Dreier, sondern vor allem auch um Ideen, um Profisport in Zeiten der Pandemie zu ermöglichen. „Aktuell fahren wir vier verschiedene Hygiene-Konzepte: für die Mannschaft, für die Halle, für die Betreuer und für das Office“, umreißt Geschäftsführer Oliver Braun die zusätzlichen Herausforderungen für sein Team in der Löwen-Geschäftsstelle, das mit nur sechs Mitarbeitern zu den kleinsten in der Basketball-Bundesliga gehöre. Braun und der bei den Löwen für die Ausarbeitung des Hallenkonzepts verantwortliche Sascha Seller gewährten unserer Zeitung Einblicke in drei Bereiche, die von der Corona-Pandemie besonders beeinträchtigt werden.

Die Mannschaft: Jeder Spieler, der im Löwen-Team mittrainiert, wurde zweimal auf das Virus getestet, ehe ihm überhaupt Kontakt zu seinen Mitspielern gewährt wurde. Diese „Mini-Quarantäne“ dauerte fünf bis sieben Tage. „Andere Teams handhaben das anders. Aber ich persönlich versuche dazu hohe Sicherheitsstandards zu setzen“, erklärt Braun. In der Tunicahalle, wo trainiert wird, herrscht Maskenpflicht – quasi überall, außer auf dem Feld. Selbst in der Kabine und bei Team-Meetings gibt es ein Abstandsgebot.

Jede Woche werden die Profis von Mitarbeitern des Herzogin-Elisabeth-Hospitals (HEH) mit einem Rachenabstrich auf das Virus getestet. Zudem gibt der Verein den Spielern Hygieneregeln mit auf den Weg – auch für ihr Privatleben, berichtet Braun: „Das ist ein mehrseitiges Papier, das die Spieler auch unterschreiben müssen.“ Bei der Erstellung der Corona-Schutzkonzepte arbeitet der Erstligist mit dem Krankenhaushygieniker Christoph Lassahn zusammen. „Er begleitet uns und begutachtet das Ganze, damit wir mögliche Fehler vermeiden.“

Was auch klar ist: Sollten bei den Löwen-Spielen in der Volkswagenhalle Zuschauer erlaubt sein, wird es ein Abklatschen oder anderen direkten Kontakt zu den Fans vor oder nach der Partie nicht geben.

Der Spieltag: Gemeinsam mit dem Virologen Lassahn wird am Montag eine letzte Begehung der VW-Halle erfolgen, ehe der Klub sein Hygienekonzept für die Arena zur Genehmigung an das örtliche Gesundheitsamt übergibt. Löwen-Mitarbeiter Seller zeichnet für das Konzept verantwortlich und beschreibt, wie der Verein sich einen Spieltag mit Zuschauern vorstellt, ohne die Gesundheit der Hallenbesucher zu gefährden. „Wir reden über maximal 2100 bis 2200 Personen, die sich in der Halle aufhalten dürfen“, erläutert der 32-jährige Ticketing-Manager. Darunter seien nicht nur die Zuschauer, sondern auch Mannschaften, Betreuer und Schiedsrichter, Spieltagshelfer und Pressevertreter. „Mehr würden von unserer Seite nicht in die Halle gelassen – und wir sind das Konzept recht konservativ angegangen.“

Seller hat die 6500 Sitzplätze der VW-Halle in „Sitzblöcke“ von einem bis höchstens sechs Sitzen nebeneinander aufgeteilt, mit Abständen zu benachbarten Blöcken und Aufgängen. So könne man Einzelpersonen bis hin zu Sechsergruppen – die übrigens auch aus unterschiedlichen Haushalten stammen dürfen – mit Tickets versorgen. Ob eine Maskenpflicht nur in den Gängen oder auch am Platz gilt, ist noch nicht klar und hängt wohl – wie so manches – vom jeweiligen Pandemie-Level ab.

Der eigentliche Clou ist aber ein anderer. „Wir werden die Halle in verschiedene Sektoren unterteilen und das Ganze in der Art von mehreren kleineren Veranstaltungen handhaben. Diese werden wir auch so voneinander trennen, dass sie sich nicht kreuzen“, verrät Braun. „Das ist ein Vorteil der VW-Halle, dass die Zuschauer durch verschiedene Eingänge kommen können.“

Sollten die Behörden Sportveranstaltungen nur bis 1000 Zuschauer zulassen, würden die Löwen auch diesen Weg mitgehen. Bei einer derartigen Verknappung der Tickets, stellen Braun und Seller unisono klar, wäre es allerdings schon schwer, allein nur die Sponsoren und Dauerkartenbesitzer des Vorjahres zufriedenzustellen.

An Modellen für eine flexible Dauerkarte wird bei den Löwen derzeit gearbeitet. Der Dauerkartenverkauf wurde bislang nicht gestartet, „weil wir nichts verkaufen wollen, was wir nachher nicht bieten können“, erklärt Braun.

Die Finanzen: Eine vielversprechende Mannschaft, die Versöhnung mit der SG im Nachwuchsbereich, ein neuer Markenauftritt: Vieles bewegt sich bei den Löwen gerade in die richtige Richtung. Die finanzielle Situation ist in Corona-Zeiten dagegen angespannt. Wegen fehlender Ticket-Einnahmen, aber auch, weil Sponsoren abspringen. „Manchen Unternehmen geht es selbst nicht so gut. Andere sind verhalten, weil man vielleicht im Moment nicht so eine Werbewirksamkeit erzielen kann wie sonst“, nennt Braun mögliche Beweggründe.

Doch abgesehen von der Pandemie gibt es offenbar auch andere Überlegungen, die zum Abschied von Geldgebern geführt haben. So hätten sich einige in der Vergangenheit – als noch Brauns Vorgänger im Amt war – nicht gut genug betreut gefühlt, andere wiederum hätten den Wechsel an der Spitze des Klubs – von einer Gesellschafterversammlung hin zu NBA-Star Dennis Schröder als Alleingesellschafter – zum Anlass genommen, ihren Vertrag als Sponsor nicht zu verlängern. „Ich habe in Sponsorengesprächen auch schon Sätze wie ‘Herr Schröder macht das schon’ gehört“, erzählt Braun verdrossen.

Der 47-Jährige berichtet von einem mittleren sechsstelligen Betrag, der im Vergleich zur Vorsaison wegen nicht verlängerter Sponsoren-Verträge offen sei. Für schrillende Alarmglocken ist es vielleicht noch etwas zu früh. „Wenn sich allerdings alle zurücklehnen und nur noch auf Dennis verlassen, wird es hier auf lange Sicht keinen Basketball mehr geben“, redet der Geschäftsführer Klartext.

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