Braunschweigs Basketballer holen Schilling: Center „mit Motor“

Braunschweig.  Löwen-Trainer Pete Strobl lockte seinen ehemaligen Ulmer Schützling nach Braunschweig und schwärmt von den besonderen Fähigkeiten des Top-Athleten.

Ein Top-Athlet für die Löwen: Ulms Gavin Schilling schnappt sich im BBL-Halbfinale gegen Ludwigsburg einen Rebound. Links Ex-Löwen-Kapitän Thomas Klepeisz, der die Braunschweiger nun zur Verpflichtung seines Teamkollegen beglückwünscht.

Ein Top-Athlet für die Löwen: Ulms Gavin Schilling schnappt sich im BBL-Halbfinale gegen Ludwigsburg einen Rebound. Links Ex-Löwen-Kapitän Thomas Klepeisz, der die Braunschweiger nun zur Verpflichtung seines Teamkollegen beglückwünscht.

Foto: Imago/BBL-Foto

Den nie abgerissenen Kontakt zu seinem ehemaligen Schützling hatte Pete Strobl bereits vor dem Finalturnier der Basketball-Bundesliga intensiviert. Der Löwen-Coach wollte Gavin Schilling aus Ulm nach Braunschweig lotsen, wo unter dem Korb durch den Wechsel Scott Eatherthons nach Spanien ein Riesenloch klafft.

Doch dann kam im Juni das Turnier in München. Und Schilling, der in der abgebrochenen Saison neben drei Ausländern meist nur die zweite Geige gespielt hatte, trumpfte mit seiner außerordentlichen Athletik und Präsenz plötzlich groß auf. „Gavin hat da so gute Dinge geliefert, da habe ich befürchtet, dass ein Klub mit viel mehr Geld ihn uns noch abwirbt“, räumt Strobl im Blick auf Schillings durchschnittlich 8,5 Punkte und 4,4 Rebounds in einer Viertelstunde Spielzeit ein. „Doch unsere Beziehung hinter den Kulissen war sehr stark.“

Leistungsträger vom BBL-Halbfinalisten

Und so können die Löwen nun den deutschen Kern ihrer neuen Mannschaft um einen gestandenen BBL-Center mit EuroCup-Erfahrung erweitern, der zudem noch großes Steigerungspotenzial besitzt. Schilling, gebürtiger Münchener, der in Frankreich und den USA aufgewachsen ist, 2,06 Meter groß und enorm sprungkräftig, will in Braunschweig beweisen, dass er nicht nur „der Mann fürs Grobe“ ist, wie die Augsburger Allgemeine zu seinem Abschied aus Ulm schrieb.

Nach zwei Jahren verabschiedete er sich bei dem BBL-Halbfinalisten, um „eine neue Herausforderung zu suchen“, womit die Basketballer meist mehr Spielzeit und eine wichtigere Rolle auf dem Feld meinen. Es ist das erste Mal, dass die Löwen einen Leistungsträger beim Rivalen abwerben können, den die Ulmer nach eigener Aussage gern behalten hätten. Eine zumindest kleine Revanche also für den Wechsel von Löwen-Kapitän Thomas Klepeisz in die umgekehrte Richtung.

Klepeisz lobt Schillings Verteidigung

Der übrigens gratuliert den Braunschweigern zur Verpflichtung Schillings, dem er beim Finalturnier reichlich tolle Pässe serviert hatte: „Ich habe sehr gerne mit ihm zusammengespielt und ich glaube, dass er nächste Saison einen großen Schritt nach vorne machen kann“, sagt der Österreicher. „Gavin hat eine tolle Einstellung, er ist ein hart arbeitender Spieler, der wirklich viel Potenzial hat.“

Neben seiner viel gelobten Arbeitsmoral bringt der 24-Jährige noch eine Tugend mit, die sich kaum in der Statistik ablesen lässt, für Strobl und Sportdirektor Oliver Braun aber mit die wichtigste ist: hohe Defensivqualität. „Gavin ist ein super Verteidiger“, betont auch Klepeisz, „er ist sehr schnell auf den Beinen für einen Big Man.“

„Gavin hat Füße wie ein Guard“

Es gebe nicht viele große Spieler, die Geschwindigkeit, Physis sowie Explosivität mitbrächten, urteilt Strobl. „Gavin hat Füße wie ein Guard, er gibt uns eine Extradimension“, schwärmt er und verspricht, auch wenn sich eigentlich jeder Vergleich mit dem schmerzlich vermissten Ausnahmecenter der Löwen verbietet: Mit Schilling könne das Team „mit mehr Motor spielen“ und aggressiver verteidigen als zuvor mit Scott Eatherton.

„Gute Beziehung zu Coach Pete“

Schilling bestätigt, dass „die gute Beziehung zu Coach Pete“ ein wesentliches Argument für den Wechsel an die Oker war. „Ich bin davon überzeugt, dass ich bei den Löwen den nächsten Schritt in meiner Karriere machen und dem Team gleichzeitig helfen kann, eine sehr erfolgreiche Saison zu spielen“, sagt er, hat für ein Jahr unterschrieben und weiß, dass er dafür vor allem seinen Wurf verbessern muss.

Momentan verbringt er seine Zeit bei seiner amerikanischen Mutter in Chicago, mit der er nach der Trennung von seinem Vater Andreas Schilling, einem ehemaligen Handball-Bundesligaprofi, aus Frankreich in die USA gezogen war.

Deutscher Meister in der U16

Seine Liebe zum Basketball entdeckte er aber im Sommerurlaub bei seinem Vater in München, der ihn zusammen mit seinem Bruder in ein Camp geschickt hatte. In einer Saison in der U16-Bundesliga 2010/11 führte der athletisch herausstechende 15-Jährige das Team Urspring gleich zum deutschen Meistertitel und glänzte später auch bei Turnieren der U16 und U18 Nationalmannschaft.

Zurück in den USA, avancierte er zum High-School-Star und konnte sich aus vielen Angeboten sein Uni-Stipendium aussuchen. Er wählte das renommierte Programm bei Michigan State und erreichte mit den Spartans auf Anhieb zweimal das Endturnier March Madness, Traumziel jedes College-Basketballers, ehe ihn Verletzungen ausbremsten.

Zweiter Center soll guter Schütze sein

Nun will er sich zunächst in Braunschweig weiter hocharbeiten und freut sich schon auf sein neues Team. „Ich stehe bereits mit ein paar Jungs in Kontakt und kann die familiäre Atmosphäre schon spüren“, sagt der Mann mit dem beeindruckenden Bizeps, der von Strobl vor allem als „ein sehr lieber Mensch“ beschrieben wird.

Laut Sportdirektor Oliver Braun soll nun noch ein weiterer Big Man als „Komplementärspieler“ kommen, also einer, der auf der gleichen Position agieren, aber ganz andere Stärken einbringen kann. Zwei nicht zu ähnliche Akteure für eine Position zu holen, sei ein Grundprinzip der Löwen-Verpflichtungspolitik. Mit dem Duo Karim Jallow/Lukas Meisner ist es bereits umgesetzt. Jallow zieht mit einer ungeheuren Dynamik zum Korb, Meisner ist ein exzellenter Distanzschütze. Mit solchen Duos könne man „sehr flexibel und sehr aggressiv“ spielen, erläutert Braun. Und so hält er neben dem „Abräumer“ Schilling nach einem Center Ausschau, der gut von außen treffen kann.

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